U5 im Frankfurter Nordend: kaum eröffnet, schon ein Sanierungsfall

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Immer noch ein hässliches Provisorium: Geländer an der U5-Haltestelle Glauburgstraße. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Die vor etwa einem halben Jahr wiedereröffnete, barrierefrei ausgebaute Stadtbahnlinie U5 in der Eckenheimer Landstraße bringt einen deutlichen Komfortgewinn für die Fahrgäste. Über die Qualität der Bauausführung kann man allerdings nur den Kopf schütteln.

Die neuen, teilweise barrierefreien Bahnsteige und die modernen Fahrzeuge auf der Stadtbahnlinie U5 sind eine deutliche Verbesserung des ÖPNV im Frankfurter Nordend. Keine Koffer mehr über die hohen Klappstufen in die überfüllte Bahn wuchten, keine mehr Kinderwagen ausladen helfen. Einfach einsteigen in die viel geräumigeren und immer wohl temperierten Stadtbahnwagen. Auch ins Straßenbild fügen sich die Hochbahnsteige erstaunlich gut ein.

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Genauer hinsehen darf man allerdings nicht: Bei der Haltestelle Musterschule stadteinwärts ist schon die erste Gasscheibe kaputt. Und das umstrittene Designer-Dach der Haltestelle Glauburgstraße ist bereits total verrostet. Nicht einmal sechs Monate nach der Eröffnung! Außerdem hat man an den Säulen der Dachkonstruktion hässliche abgerundete Stoßleisten angebracht. Offenbar hat man Angst, dass sich jemand verletzten könnte. Oder es hat gar schon einen Unfall gegeben.

Während das Dach bereits wieder ein Sanierungsfall ist, sind die Geländer auf den beiden Bahnsteigen noch immer nicht geliefert. Das Provisorium fällt auch langsam auseinander und muss mit Spanngurten und Klebeband fixiert werden. Ein weiterer Beweis dafür, dass bei öffentlichen Bauvorhaben der Billigstbieter nicht immer auch der Bestbieter ist.

Frankfurt: Straßenbahn-Oldtimer im Linienverkehr

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Hochflurwagen Pt 738 im Einsatz auf der Linie 12 an der Haltestelle Hessendenkmal. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Kaum sind die betagten Stadtbahnwagen vom Typ Ptb von der Linie U5 verschwunden, tauchen sie in Form des nahezu baugleichen Typs Pt im Frankfurter Straßenbahnnetz wieder auf: Auf der Linie 12 dreht schon seit ein paar Tagen der Museumswagen 148 in seiner neuen alten orange-beigen Stadtwerke-Lackierung seine Runden. Heute hat er Gesellschaft von Bahn Nummer 738 bekommen, die im aktuellen Türkiston „Subaru Vista Blue“ gehalten ist. Grund für die Maßnahme dürfte wohl wieder einmal drückender Mangel an betriebsfähigen Straßenbahnfahrzeugen bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) sein.

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Foto: Daniel Kortschak.

Diese Einsätze der Straßenbahn-Oldtimer mögen Fans vielleicht für eine willkommene Abwechslung im sonst monotonen Betrieb halten, der von den Niederflurfahrzeugen der Typen R und S bestritten wird. Für den Alltagsfahrgast sind sie wegen ihrer hohen Stufen an den Einstiegen schlicht höchst unkomfortabel. Und für Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, Rollstuhlfahrer/innen und Eltern mit Kinderwagen sowie Reisende mit Gepäck sind sie einfach nur eine Zumutung. Frankfurt macht sich damit einmal mehr einen zweifelhaften Namen als Stadt, die trotz Fahrpreisen, die bundesweit im Spitzenfeld liegen, in Sachen ÖPNV von Spitzenleistungen weit entfernt ist.

Mehr Bilder von den Pt-Wagen im Einsatz auf der Straßenbahnlinie 12 gibt es im Frankfurter Nahverkehrsforum.

Eröffnungsfest: seltene Gäste auf der U5

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Der historische U2-Triebwagen am 5. November 2016 im Fahrgasteinsatz auf der Linie U5 in der Eckenheimer Landstraße stadteinwärts, kurz vor der Haltestelle Musterschule. Der Wagen wurde wieder einmal von der dortigen Verkehrsampel ausgebremst, vor der die Bahnen regelmäßig zum Stehen kommen. Offenbar hat man keine Vorrangschaltung für den ÖPNV eingebaut. Oder sie funktioniert – wie so oft in Frankfurt – nicht ordentlich. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Groß waren die Augen einiger Fahrgäste, die am Samstag im Frankfurter Nordend auf die Stadtbahnlinie U5 warteten: Statt der modernen türkisblauen Doppelwagen vom Typ U5 ratterte eine einzelne rot-weiße Bahn in die Station. Eine Premiere auf der Linie U5, obwohl die Fahrzeuge vom Typ U2 schon seit 1968 auf den Gleisen der Frankfurter U-Bahn unterwegs sind. Möglich gemacht hat diesen einmaligen Einsatz erst der vollständig barrierefreie Ausbau der Stadtbahnstrecke in der Eckenheimer Landstraße.

Und die Inbetriebnahme der neuen Hochbahnsteige war auch der Grund für das Gastspiel des inzwischen historischen Fahrzeugs. Damit wollte die Verkehrsgesellschaft Frankfurt eine kleine Entschädigung für die monatelangen Unannehmlichkeiten durch die Bauarbeiten bieten und im Interesse der Ladenbesitzer und Kneipenbetreiber möglichst viele Besucher in die Eckenheimer Landstraße locken. Dazu  galt auf der gesamten Linie U5 zwischen Hauptbahnhof und Preungesheim Freifahrt, außerdem gab es Showeinlagen an den Haltestellen und in den Zügen und kleine Geschenke für die Fahrgäste – Notizblocks, Kugelschreiber, Gummibärchen.

Fahrzeugausstellung im Depot Eckenheim

Neben dem historischen U2-Wagen fuhren an diesem 5. November auch Doppel-Züge vom Typ U4 und gemischte U4-U5-Garnituren auf der Linie U5, die dort planmäßig nicht anzutreffen sind. Ein zunächst ebenfalls angedachter und von der VGF bereits angekündigter Einsatz der Stadtbahnwagen vom Typ U3 sowie letzmalig der Jahrzehntelang auf der U5 heimischen umgebauten Straßenbahnwagen vom Typ Ptb kam nicht zu Stande: Die VGF hatte Bedenken, Fahrgäste könnten durch den großen Niveauunterschied an den teilweise nur 60 Zentimetr hohen Bahnsteigen an den Haltestellen Musterschule und Glauburgstraße beim Ein- und Aussteigen in diese Fahrzeuge zu Sturz kommen.

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Stattdessen konnten interessierte Besucher je einen U2-, U3- und Ptb-Wagen in der Wagenhalle Eckenheim an der Schwabstraße besichtigen. Dies bot auch die einmalige Gelegenheit, die ansonsten nicht öffentlich zugänglichen historischen Abstellhallen in diesem einstigen Straßenbahndepot zu besichtigen. Dort übernachten einige der auf der Linie U5 eingesetzten Fahrzeuge, außerdem warten in den Hallen und auf dem dahinter liegenden Freigelände zahlreiche ausrangiere Stadtbahn- und Straßenbahnfahrzeuge auf bessere Zeiten – oder ihren letzten Weg zum Schrotthändler.

Bauarbeiten noch immer nicht abgeschlossen

Die Bauarbeiten entlang der Eckenheimer Landstraße sind indes weiterhin nicht abgeschlossen: Zwar fährt die U5 wieder durchgehend zwischen Hauptbahnhof und Preungesheim und auch Sperren für den Individualverkehr wurden aufgehoben. Doch die Haltestelle Glauburgstraße ist in beiden Richtungen weiterhin ein Provisorium: Es fehlen die endgültigen Geländer und auch die Glasscheiben der Wartehallen wurden noch immer nicht montiert. Außerdem sind die Bürgersteige im Haltestellenbereich sowie bei der Einmündung der Holzhausen- und der Nordendstraße noch nicht fertig gepflastert und es liegt jede Menge Baumaterial herum.

Die endlosen Bauarbeiten zum barrierefreien Ausbau der Linie U5 hat vielen Ladenbesitzern und Restaurantbetreibern massive Umsatzeinbußen beschert, manch ein Betrieb fühlte sich zwischenzeitlich ernsthaft in seiner Existenz bedroht. Inzwischen gibt es auch mindestens ein Opfer des monatelangen Baustellenchaos: An der Filiale der Bäckerei Schaan, die in den letzten Monaten bereits ihre Öffnungszeiten drastisch eingeschränkt hatte, kleben nun Plakate mit der Aufschrift: „Zu vermieten“.

 

U5 in der Eckenheimer: Bahn fährt, Chaos bleibt

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Kein Halt an der Glauburgstraße: Die barrierefreien Bahnsteige sind noch weit von einer Fertigstellung enfernt. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

„Tüü-taa – Tüü-taa.“ Diese Tonfolge erklingt alle paar Minuten an der Kreuzung der Eckenheimer Landstraße mit der Glauburgstraße im Frankfurter Nordend – zur allergrößten Freude der Anwohner sowie der Mitarbeiter der zahlreichen Läden und Restaurants. Die Ursache für diese akustische Zwangsbeglückung sind die Sicherungsposten, die di Bauarbeiter vor einer herannahenden Stadtbahn warnen.

Seit 9. Oktober fährt nach fast sieben Monaten Unterbrechung die Stadtbahnlinie U5 wieder durch die Eckenheimer Landstraße. Doch das Baustellenchaos ist damit noch lange nicht vorbei: Die Züge halten weiter nicht an der Haltestelle Glauburgstraße, wo die Arbeiten zum barrierefreien Ausbau nicht zeitgerecht abgeschlossen werden konnten. In der Eckenheimer Landstraße und den angrenzenden Straßen herrscht nach wie vor ein totales Durcheinander: Überall liegen Baumaterialien verstreut, in kleinen Grüppchen sind Arbeiter am Werk. Wer in ein Geschäft, ein Lokal oder schlicht sein Wohnhaus gehen will, muss sich mühsam seinen Weg zwischen Baugruben, abgelegten Betonelementen, Rohren, Metallteilen und Absperrungen suchen. Gutes Schuhwerk ist angesichts des unebenen Untergrunds dringend anzuraten.

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Eine Ende der Zumutungen für Anwohner, Geschäftsleute und Kunden ist nicht in Sicht: Hatte die städtische Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) zunächst beteuert, spätestens Ende Oktober würden die Bahnen wieder an der Glauburgstraße halten, so ist auf den aktuellen Haltestellenaushängen jetzt nur mehr kryptisch „Kein Halt bis auf weiteres“ zu lesen.

Nur kurz war die Erleichterung für die U5-Benützer aus Eckenheim und Preungesheim, die mehr als ein halbes Jahr lang gemeinsam mit den Fahrgästen im Nordend einen langsamen und unzuverlässigen Busersatzverkehr zwischen Marbachweg und Konstablerwache hinnehmen mussten: Kaum fährt die U5 endlich wieder durch die untere Eckenheimer Landstraße, gibt es nun Schienenersatzverkehr zwischen Hauptfriedhof und Preungesheim. Der Grund dafür sind Bauarbeiten im Gleisbogen von der Eckenheimer Landstraße in den Marbachweg. Weil die neuen U-Bahnen vom Typ U5 breiter sind als die zuvor auf dieser Strecke eingesetzten umgebauten Straßenbahnwagen vom Typ Ptb, muss diese 90-Grad-Kurve nun umgebaut werden. Die Arbeiten sollen noch bis 17. November dauern. Dass es die VGF nicht geschafft hat, diesen Gleisumbau während der mehr als sechsmonatigen Sperre der U5-Strecke im Nordend zu erledigen, spricht Bände über das katastrophale Baumanagement beim barrierefreien Ausbau der Stadtbahnlinie U5.

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Aufatmen können hingegen Anwohner, Ladenbesitzer, Schüler und Lehrer an der Musterschule: Hier sind die barrierefreien U5-Bahnsteige fertig, ebenso die monatelang aufgerissenen Bürgersteigen entlang der Eckenheimer Landstraße in diesem Bereich. Die Hochbahnsteige sind mit jeweils zwei Fahrgastunterständen inklusive Sitzgelegenheit, einem Fahrkartenautomaten und einem großen Informationsdisplay samt Uhr sowie heller Beleuchtung sehr gut ausgestattet. Die barrierefreien Haltestellen fügen sich auch erstaunlich gut in das Straßenbild ein. Sehr schmal geraten sind allerdings wie erwartet die Fahrradstreifen, die zwischen den Bahnsteigen und den Häusern hindurchführen. Hier sind vor allem in der warmen Jahreszeit und während der Hauptverkehrszeiten Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern vorprogrammiert.

Wie bei Baustellen in auf den Frankfurter Straßen leider üblich, sind auch an der Musterschule noch nicht alle Restarbeiten abgeschlossen: So fehlen noch einige Verkehrszeichen, die zurzeit provisorisch aufgestellt sind. Und an der Einmündung der Hebelstraße diekt hinter dem neuen Bahnsteig in Fahrtrichtung stadtauswärts klafft überhaupt noch ein großes Loch. Das führt dazu, dass Fußgänger und Radfahrer an der ohnehin schon engen Stelle mit noch weniger Platz auskommen müssen. Auch hier ist ein Ende nicht absehbar.

Inzwischen sind fast zwei Monate nach dem eigentlich geplanten Abschluss der U-Bahn-Bauarbeiten im Frankurter Nordend vergangen. Man könnte also davon ausgehen, dass die Ärgernisse für Anwohner, Passanten und Fahrgäste nun tatsächlich Geschichte sind. Doch nicht so in Frankfurt – hier wäre es ein Wunder, würde tatsächlich einmal eine Baumaßnahme im öffentlichen Straßenraum zeitgerecht beendet.

 

U5-Baustelle: Hurra, es ist ein Bürgersteig!

 

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Endlich fertig: Der Bürgersteig in der Eckenheimer Landstraße an der Musterschule. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Man glaubt es kaum: Nach vielen Wochen, in denen Anwohner und Kunden über Stock und Stein die Häuser und Läden an der Eckenheimer Landstraße klettern mussten, haben es die Verkehrsgesellschaft Frankfurt und die von ihr beauftragte Baufirma tatsächlich geschafft, die Bürgersteige rund um die Musterschule fertigzustellen.

Weit fortgeschritten sind inzwischen auch die Arbeiten an den neuen, barrierefreien Hochbahnsteigen für die Stadtbahnlinie U5 an der Haltestelle Musterschule. Sogar die Fahrgastinformationsanzeiger sind bereits montiert. Es scheint so, als könnten die U5 tatsächlich zum angekündigten Termin am 10. Oktober wieder ihren Betrieb aufnehmen. Sechs Wochen später, als ursprünglich geplant. Und die Haltestelle Glauburgstraße wird auch zu diesem Termin nicht fertig. Hier sollen die Stadtbahnen erst Ende Oktober wieder halten.

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Schienenersatzverkehr wie seinerzeit in Jugoslawien

Mit der – deutlich verspäteten – Wiederinbetriebnahme der Stadtbahnlinie U5 wird auch der unsägliche Schienenersatzverkehr sein Ende finden. Höchste Zeit, denn die Busse sind höchst unzuverlässig und brauchen deutlich länger als die U-Bahn. Waren zu Beginn der Baumaßnahmen noch ordentlich gekennzeichnete Busse auf der U5-Ersatzlinie unterwegs, so hat sich der Servic mit Schulbeginn Ende August noch einmal deutlich verschlechtert. Weil die städtische In-der-City-Bus-GmbH, die dem Ersatzverkehrs-Betreiber Transdev Rhein-Main einige Gelenkbusse zur Verfügung gestellt hatte, ihre Fahrzeuge mit Ende des Ferienfahrplans ihre Fahrzeuge selbst benötigt, musste Transdev Busse von Tochterunternehmen in ganz Deutschland nach Frankfurt holen.

Neben Fahrzeugen aus Pforzheim, Schwäbisch Hall und Heidenheim drehen auch mehrere knallgelbe Gelenkbusse aus Dresden ihre Runden zwischen Marbachweg und Konstablerwache. Bei all diesen Fahrzeugen hat man sich nicht mehr die Mühe gemacht, die Zielanzeigen zu programmieren. Stattdessen fahren die Busse mit Aufklebern „U5 Schienenersatzverkehr“ und Steckschildern hinter der Frontscheibe. Auch Haltestellenansagen im Wagen gibt es keine Mehr, die Fahrgastinfo-Displays bieten ebenfalls keine brauchbaren Informationen. Die Situation erinnert an die Stadtbusbetriebe im früheren Jugoslawien, die ähnlich mangelhaft beschildert waren. Kein Ruhmesblatt für die Verkehrsgesellschaft Frankfurt.

Die nächste U5-Sperre steht bevor

Für die Fahrgäste im Frankfurter Nordend ist nun bald eine Verbesserung der inakzeptabel schlechten Verkehrsanbindung in Sicht. Für U5-Bahn-Benutzer aus Eckenheim und Preungesheim währt die Freude über das Ende des Ersatzverkehrs hingegen nur kurz: Bereits Mitte Oktober wird die U5 zwischen Preungesheim und Hauptfriedhof erneut unterbrochen, bis 2. November gibt es erneut Schienenersatzverkehr. Die VGF muss den Gleisbogen von der Eckenheimer Landstraße in den Marbachweg erneuern: Die neuen Stadtbahnwagen vom Typ U5 sind breiter als die bisher eingesetzten Ptb-Straßenbahnzüge. Deshalb herrscht bis zum Umbau des Gleisbogens am Marbachweg ein Begegnungsverbot. Unklar bleibt, warum man es nicht geschafft hat, diese Bauarbeiten während der monatelangen Sperre der unteren Eckenheimer Landstraße zu erledigen. Eine der vielen offenen Fragen rund um die Chaos-Baustelle an der U5.

U5-Baustelle: Weiter Chaos an der Musterschule

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Hier sollten schon seit Ende August wieder Bahnen der Linie U5 halten. Stattdessen herrsch weiter Chaos rund um die Musterschule. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

„Unterbrechung der Trinkwasserversorgung am 7.9.2016 in der Zeit von 8.00 bis 11.00…“: Ein kleiner, weißer Zettel am Haustor informiert die Anwohner an der Eckenheimer Landstraße im Frankfurter Nordend am Vorabend darüber, dass sie am nächsten Morgen kein Wasser haben. Wieder einmal. Es ist Unterbrechung Nummer fünf innerhalb von wenigen Wochen. Und dass um 11 Uhr tatsächlich wieder Wasser aus dem Hahn fließen würde, glaubt ohnehin niemand. Tatsächlich war es dann gegen 12 Uhr, als ein Blubbern im WC-Spülkasten die Wiederherstellung der Wasserversorgung verkündete.

Das Vorgehen des städtischen Versorgungsunternehmens Mainova, oder genauer gesagt seines Tochterunternehmens Netzdienste Rhein-Main (NRM), ist symptomatisch für den höchst unprofessionellen Verlauf der Arbeiten zum Ausbau der Stadtbahnlinie U5 im Frankfurter Nordend, für den auch einige Strom- und Wasserleitungen verlegt und erneuert werden müssen. Eigentlich sollte die im März dieses Jahres eingerichtete Großbaustelle am letzten Augustwochenende fertiggestellt sein. Doch wenige Tage zuvor musste die städtische Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) einräumen, dass dies nicht gelingt. Erst Anfang Oktober sollen wieder Stadtbahnen durch die untere Eckenheimer Landstraße fahren, allerdings ohne die Haltestelle Glauburgstraße einzuhalten: Die soll überhaupt erst Ende Oktober fertiggestellt werden.

Arbeiten verlaufen weiter äußerst schleppend

Trotz der schon wochenlangen Verzögerungen im Bauablauf scheinen es VGF und die ausführenden Baufirmen weiter nicht besonders eilig zu haben: Die Arbeiten kommen nur äußerst schleppend voran, kaum mehr als eine Handvoll Bauarbeiter sind an der Musterschule gleichzeitig im Einsatz zu beobachten. Die Ladenbesitzer, deren Verkaufslokale nach wie vor nur über unebene Schotterpfade und mit großen Umwegen erreichbar sind, sind der Verzweiflung nahe. Und nicht wenige von ihnen auch dem wirtschaftlichen Ruin. Die Anwohner müssen weiterhin über Holzbohlen, spitze Steine und Sand zu ihren Häusern klettern. Gerade nachts in völliger Dunkelheit ein mehr als abenteuerliches Unterfangen: Die Straßenbeleuchtung rund um die Musterschule wurde vor Monaten abgebaut.

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Man könnte erwarten, dass VGF und Baufirmen wenigstens die Bürgersteige rasch wiederherstellen, um die Unannehmlichkeiten für Anwohner und Gewerbetreibende so gering wie möglich zu halten. Weit gefehlt! Stattdessen werden bereits zugeschüttete Baugruben wenige Tage später erneut aufgegraben, bereits betonierte Fundamente an den Hochbahnsteigen wieder unter Getöse weggestemmt. Und die seit Wochen halbfertig inmitten von Schutt, Baumaschinen und diversen Abfällen herumstehende Haltestelle Musterschule, Fahrtrichtung stadteinwärts, spricht Bände über das katastrophale Baumanagement: Wie bei einem großen Freiluftpuzzle versuchen Arbeiter immer wieder, den Belag aus quadratischen Betonplatten endlich fertigzustellen. Doch es will und will nicht gelingen: Noch immer klaffen einige Lücken im Boden. Ob hier tatsächlich am 10. Oktober U-Bahn-Fahrgäste aus- und einsteigen werden? Die Hoffnung lebt – und schwindet jeden Tag ein wenig mehr.

Wien schafft das, was in Frankfurt unmöglich scheint

Der barrierefreie Ausbau einer U-Bahn-Strecke mit Hochbahnsteigen mitten in einer schmalen Innenstadtstraße ist kein einfaches Unterfangen. Davon zeugen nicht zuletzt die zahlreichen Einwände und Umplanungen, die den Baubeginn für die Haltestellen Glauburgstraße und Musterschule um mehrere Jahre verzögert hatten. Doch mit guter Planung und effizientem Baumanagement können auch Großprojekte pünktlich fertiggestellt werden. Das haben erst in dieser Woche die Wiener Linien gezeigt, die ihre U-Bahn-Linie U4 pünktlich zu Schulbeginn wieder in Betrieb genommen haben. Exakt 128 Tage lang wurde die über 100 Jahre alte Strecke grundlegend saniert. Bis zu 400 Bauarbeiter waren gleichzeitig im Einsatz, um 16 Kilometer Schienen und über 40.000 Kubikmeter Schotter zu verbauen.

Der neue Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), ein erklärter Befürworter des ÖPNV, sollte dringend einmal nach Wien fahren. Und sich Gedanken darüber machen, ob die richtigen Personen in der Führung der städtischen Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) sitzen. Dass er nun ankündigt, die Sache „aufarbeiten“ zu wollen, lässt hoffen, dass er nun endlich im Interesse der Bürger tätig wird.

Bäder in Frankfurt: Vorbild für den Nahverkehr

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Das größte Schwimmbecken Europas: Brentanobad in Frankfurt. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Spät, aber doch zeigt der Sommer in diesem Jahr noch einmal, was er kann. Grund genug für den Schienenradler, den Frankfurter Freibädern öfter mal einen Besuch abzustatten. Und einmal mehr erfreut festzustellen, dass die städtischen Bäderbetriebe BBF einen erstklassigen Service bieten. Fast alle Freibäder in Frankfurt wurden in den letzten Jahren aufwändig renoviert und das Personal ist nahezu ausnahmslos freundlich.

Selbst wenn sich wie am vergangenen Wochenende im Brentanobad Abertausende Menschen tummeln, läuft der Betrieb völlig reibungslos ab. Zahlreiche Schwimmmeister sorgen im riesigen Becken für Ordung und Sicherheit, Aufsichtspersonal sieht auf den weitläufigen Liegewiesen nach dem Rechten. Und mehrere Reinungunsleute sind permanent dabei, die Sanitäranlagen in Schuss zu halten. Keine schlechte Leistung im mit Abstand größten Frankfurter Freibad, das auch über das größte Schwimmbecken in ganz Europa verfügt.

Die BBF sind ein gutes Beispiel dafür, wie ein kommunaler Betrieb, der nicht kostendeckend arbeitet, trotzdem sehr gute Leistungen für die Bürger erbringen kann. Vielleicht sollten auch die Verantwortlichen für den Nahverkehr in Frankfurt und Umgebung öfter ins Schwimmbad gehen – von den  Bäderbetrieben könnten sie einiges lernen. Würde der ÖPNV im Rhein-Main-Gebiet nur annähernd so gut funktionieren wie die städtischen Bäder in Frankfurt, dann wären Zehntausende Pendler um einige Sorgen ärmer. Und wäre die Fahrt mit Bus und Bahn so günstig wie ein Besuch im Freibad, dann könnten sie auch noch mächtig Geld sparen.

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Künstlerische Hommage an das Brentanobad. (Foto: Daniel Kortschak)

 

U5 im Nordend: Bauen im Schneckentempo

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Weiterhin chaotisch: die Baustelle in der Eckenheimer Landstraße bei der Musterschule. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Die massiven Verzögerungen beim barrierefreien Ausbau der Stadtbahnlinie U5 sind nach wie vor das Gesprächsthema im Frankfurter Nordend. Niemand hat Verständnis für weitere sechs Wochen Schmutz und Lärm. Niemand will mehr über Stock und Stein durch die Baustelle stapfen. Und niemand hat mehr Lust, auf dem Weg zum Hauptbahnhof oder zum Flughafen seine Koffer Hunderte Meter weit zum – absolut unzuverlässigen – Ersatzverkehr in der Friedberger Landstraße oder gleich bis zur Konstablerwache zu schleppen.

Besonders ärgerlich ist die Lage seit Wochen für die Anwohner im Bereich der Musterschule: Zwar nähern sich die neuen Hochbahnsteige langsam, aber sicher ihrer endgültigen Form an. Doch die Arbeiten an den Versorgungsleitungen kommen nicht voran. Seit Wochen sind einige Wohnhäuser und Läden nur über wackelige Holzstege und mehr als mangelhaft befestigte provisorische Wege erreichbar. Was für die meisten Hausbewohner und Kunden schlicht unglaublich lästig ist, ist für Menschen mit körperlichen Handicaps, ältere Mitbürger und Eltern mit Kleinkindern schlicht eine riesengroße Zumutung. Vom feinen Bausand und sonstigem Schmutz, der in die Häuser eingetragen wird und in alle Ritzen kriecht, ganz zu schweigen.

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Seit Wochen nur über wackelige Holzstege und unbefestigte Wege erreichbar: einige Hauseingänge in der Eckenheimer Landstraße. (Foto: Daniel Kortschak)

Klar, von zeit zu Zeit müssen Gas-, Wasser- und Stromleitungen erneuert werden. Dass man dazu entlang von Hausfassaden aufgraben muss, ist auch klar. Und dass derartige Arbeiten Unannehmlichkeiten für die unmittelbaren Anwohner mit sich bringen, ist ebenso klar. Aber während man sich in anderen Städten bemüht, den Austausch der Leitungen möglichst schnell über die Bühne zu bringen, lässt man sich damit in Frankfurt Zeit. Viel Zeit. Und während man in anderen Städten mit ein, maximal zwei Unterbrechungen der Strom- und Wasserversorgung auskommt, stellt die Netztochter des kommunalen Versorgungsunternehmens Mainova entlang der Eckenheimer Landstraße bereits zum vierten Mal Strom und/oder Wasser ab.

À propos Strom: Warum Anwohner und Passanten im Bereich der Musterschule schon seit Monaten ohne jede Straßenbeleuchtung auskommen müssen, wissen auch nur die Stadt Frankfurt und ihre Tochterunternehmen VGF und Mainova. Die ansonsten gerne von Behörden und Juristen bemühte Verkehrssicherungspflicht im öffentlichen Straßenraum scheint jedenfalls für kommunale Unternehmen nicht zu gelten.

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Diesmal immerhin frühmorgens: die inzwischen vierte Unterbrechung der Wasser- bzw. Stromversorgung. (Foto: Daniel Kortschak)

 

U5-Baustelle: Chaos in der Eckenheimer

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Von Daniel Kortschak

Bisher liefen die Arbeiten zum barrierefreien Ausbau der Stadtbahnlinie U5 im Frankfurter Nordend in einigermaßen geordnetem Rahmen ab. Davon kann seit einigen Wochen keine Rede mehr sein: Entlang der Eckenheimer Landstraße herrscht das pure Chaos. Hauseingänge und Geschäfte, die nur über wackelige Holzstege erreichbar sind, eine unzumutbare Wegeführung für Fußgänger über Stock und Stein quer durch die Baustelle, keine Straßenbeleuchtung und ständige Unterbrechungen der Strom- und Wasserzufuhr. Es ist ein starkes Stück, das sich die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) gegenüber den Anwohnern und Ladenbesitzern, die die monatelangen Bauarbeiten bis jetzt mit großer Geduld und viel Verständnis hingenommen haben, erlaubt.

Fertigstellung verzögert sich um Wochen

Bis jetzt bestand die – wenigstens theoretische – Hoffnung, dass der Spuk bald ein Ende nehmen würde. Schließlich sollten die Arbeiten mit Ende der hessischen Sommerferien am letzten Augustwochenende abgeschlossen sein. Doch wie die lokale Presse berichtet, tritt jetzt das ein, was man mit Blick auf die in jüngster Zeit nur mehr schleppend und völlig unkoordiniert verlaufenden Bauarbeiten bereits befürchten musste: Die Baustelle wird nicht zeitgerecht fertig, frühestens Mitte Oktober können wieder U-Bahnen durch die Eckenheimer Landstraße fahren. Und wer den bisherigen Verlauf von Langzeit-Baustellen in Frankfurt kennt, der ahnt bereits jetzt, dass selbst zu diesem Zeitpunkt längst nicht alle Arbeiten beendet sein werden und sich Anwohner und U-Bahn-Fahrgäste auf monatelange Provisorien gefasst machen müssen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Grund für die Verzögerungen sind laut VGF und Medienberichten unter anderem Versorgungsleitungen, die nicht oder falsch in den entsprechenden Plänen eingezeichnet waren und die nun aus Sicherheitsgründen aufwändig verlegt werden müssen. Eine grobe Schlamperei, die man aus den Ländern des früheren Ostblocks kennt und die einen in korruptionsgeplagten Regionen wie Süditalien nicht besonders überraschen würde. Für die Verwaltung einer der reichsten deutschen Städte ist sie schlicht ein Armutszeugnis.

Best- statt Billigstbieter

Als zweite Ursache für die wochenlangen Verzögerungen beim barrierefreien Ausbau der U5 werden Ablaufprobleme bei der Bauausführung sowie Lieferschwierigkeiten bei den zum Bau der Hochbahnsteige benötigten Betonfertigteilen kolportiert. Ein weiterer Beweis für die Probleme, die der harte Ausschreibungswettbewerb und das Billigstbieterprinzip verursachen. Es wird höchste Zeit, dass auch die öffentlichen Institutionen in Frankfurt in Zukunft große Bau- und Dienstleistungsaufträge nicht mehr an den billigsten, sondern den besten Bewerber vergeben. Eine Maßnahme, die zum Beispiel die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und die staatseigene Autobahngesellschaft Asfinag bereits seit einiger Zeit anwenden – mit großem Erfolg.

Alle Fotos: Daniel Kortschak

U5: Neues von der Musterschule

Von Daniel Kortschak

Die Arbeiten zur Errichtung der barrierefreien Bahnsteige für die Stadtbahnlinie U5 in der Eckenheimer Landstraße schreiten weiter voran. Hier ein paar aktuelle Bilder dazu:

Eifrig gearbeitet wird auch an der Glauburgstraße. Hier wird neben dem Bau der Hochbahnsteige aktuell auch die Anbindung der U5-Gleise an die Betriebsstrecke, die durch die Glauburgstraße zur Friedberger Landstraße führt, erneuert. Deshalb ist der Kreuzungsbereich Eckenheimer Landstraße / Glauburgstraße bis 24. Juli auch für den Autoverkehr gesperrt.