Das Versagen der Deutschen Bahn bei Störungen

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Eine Stunde Verspätung: S-Bahn vom Flughafen nach Frankfurt am Main. (Screenshot App „RMV smart“)

Von Daniel Kortschak

Wenn die Bahn störungsfrei unterwegs ist, ist sie eindeutig das bequemste Fortbewegungsmittel. Doch gerät der Fahrplan aus dem Takt, versagt die Deutsche Bahn nach wie vor total. Das zeigt ein aktueller Vorfall im S-Bahn-Verkehr zum Flughafen Frankfurt einmal mehr auf.

Der Schienenradler war in den vergangenen Monaten einige Tausend Kilometer mit der Bahn unterwegs – und bis auf kleine Unzulänglichkeiten wie schlechten Service im Speisewagen oder kaputte Aufzüge (beides bei den Österreichischen Bundesbahnen) stets zufrieden. Wenn der Betrieb störungsfrei läuft, ist die Bahn mit Abstand das komfortabelste Verkehrsmittel.

Aber wehe, der Verkehr gerät aus dem Takt. Dann lässt die Deutsche Bahn keine Gelegenheit aus, um ihre totale Unfähigkeit in Sachen Störungsmanagement unter Beweis zu stellen. Davon konnte sich der Schienenradler heute wieder auf einer Fahrt vom Frankfurter Flughafen in die Innenstadt überzeugen. Ein Blick auf die RMV-Fahrplanauskunft im Smartphone offenbart Verspätungen von bis zu 15 Minuten auf den S-Bahn-Linien S8 und S9. Da bleibt noch Zeit für einen schnellen Kaffee. Anschließend im Flughafen-Regionalbahnhof angekommen, zeigt die App beim Fahrkartenkauf bereits Verspätungen von bis zu einer  Stunde und zahlreiche Zugausfälle an. Vom Bahnsteig kommen laufend laut fluchende Fahrgäste empor.

Unten am Gleis herrscht Gedränge. Lautsprecheransagen informieren knapp über die Störung. Leise, blechern und kaum verständlich. Und nur auf Deutsch. Welch ein toller Service auf einem der größten und wichtigsten Flughäfen Europas. Auch über Ausweichmöglichkeiten erfahren die zahlreichen Fahrgäste nichts. Personal der Deutschen Bahn, das man um Rat fragen könnte, ist wie üblich nicht zu sehen. So bleibt unklar, ob vielleicht vom Flughafen-Fernbahnhof Züge Richtung Frankfurt Hauptbahnhof oder Mainz fahren. Als einzige Alternative, um mit dem ÖPNV vom Flughafen in die Innenstadt zu kommen, bleibt die Stadtbuslinie 61. Die kennen freilich nur Insider wie Flughafenmitarbeiter und Frankfurter. Auch die Abfahrtsstelle im Busbahnhof ist alles andere als leicht zu finden. Ohne Informationen bleiben die zahlreichen Touristen im Flughafen-Regionalbahnhof ihrem Schicksal überlassen.

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Massive Verspätungen: Großstörung im S-Bahn-Verkehr rund um den Flughafen Frankfurt am 27. Februar 2017. (Screenshot App „RMV smart“)

Dennoch fährt der 61er-Bus voll besetzt Richtung Innenstadt. Flughafenmitarbeiter, die nach Schichtende nach Hause fahren, beraten gestrandete Fahrgäste, wie sie am besten weiterkommen. Auch über die Ursache für die Großstörung bei der S-Bahn wissen die Fraport-Mitarbeiter Bescheid: ein umgestürzter Baum im Gleis. Eine Information, die die Deutsche Bahn via Twitter bestätigt. Gut, so etwas kann bei dem schlechten Wetter passieren. Nicht akzeptabel ist allerdings das absolut dilettantische Störungsmanagement der Deutschen Bahn. Es kann nicht sein, dass Hunderte Fahrgäste am Frankfurter Flughafen ohne jede brauchbare Information stranden.

Eine kleine Entschädigung für den Ärger und die äußerst unkomfortable Busfahrt hat der Schienenradler immerhin bekommen: Mit der neuen Smartphone-App „RMV smart“, die zum Test des neuen Tarifsystems dient, kostet die Fahrt nur 2,36 Euro. Etwas weniger als eine Einzelfahrt zum herkömmlichen Tarif innerhalb Frankfurts, die inzwischen mit stolzen 2,90 Euro zu Buche schlägt. Und weniger als die Hälftedes überhöhten Einzelpreises für eine Fahrt von Frankfurt zum Flughafen, für die 4,80 Euro fällig werden. Aber das ist eine andere Geschichte, mehr dazu in Kürze hier.

U5 im Frankfurter Nordend: kaum eröffnet, schon ein Sanierungsfall

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Immer noch ein hässliches Provisorium: Geländer an der U5-Haltestelle Glauburgstraße. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Die vor etwa einem halben Jahr wiedereröffnete, barrierefrei ausgebaute Stadtbahnlinie U5 in der Eckenheimer Landstraße bringt einen deutlichen Komfortgewinn für die Fahrgäste. Über die Qualität der Bauausführung kann man allerdings nur den Kopf schütteln.

Die neuen, teilweise barrierefreien Bahnsteige und die modernen Fahrzeuge auf der Stadtbahnlinie U5 sind eine deutliche Verbesserung des ÖPNV im Frankfurter Nordend. Keine Koffer mehr über die hohen Klappstufen in die überfüllte Bahn wuchten, keine mehr Kinderwagen ausladen helfen. Einfach einsteigen in die viel geräumigeren und immer wohl temperierten Stadtbahnwagen. Auch ins Straßenbild fügen sich die Hochbahnsteige erstaunlich gut ein.

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Genauer hinsehen darf man allerdings nicht: Bei der Haltestelle Musterschule stadteinwärts ist schon die erste Gasscheibe kaputt. Und das umstrittene Designer-Dach der Haltestelle Glauburgstraße ist bereits total verrostet. Nicht einmal sechs Monate nach der Eröffnung! Außerdem hat man an den Säulen der Dachkonstruktion hässliche abgerundete Stoßleisten angebracht. Offenbar hat man Angst, dass sich jemand verletzten könnte. Oder es hat gar schon einen Unfall gegeben.

Während das Dach bereits wieder ein Sanierungsfall ist, sind die Geländer auf den beiden Bahnsteigen noch immer nicht geliefert. Das Provisorium fällt auch langsam auseinander und muss mit Spanngurten und Klebeband fixiert werden. Ein weiterer Beweis dafür, dass bei öffentlichen Bauvorhaben der Billigstbieter nicht immer auch der Bestbieter ist.

ÖPNV in Hessen: mit Mühe zum Wintersport

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Bus der Linie 35 bei der Abfahrt von der Wasserkuppe Richtung Fulda. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Schöne Langlaufloipen in wunderbarer Natur gibt es nicht nur in Nordböhmen. Auch Hessen hat mit dem Roten Moor eine Top-Destination für nordische Skisportler. Doch im Gegensatz zu Tschechien ist die Anreise ohne Auto alles andere als einfach.

Tausende Langläufer tummeln sich an schönen Winterwochenenden rund um das Rote Moor in der hessischen Rhön. Nicht ohne Grund, gilt der dortige Loipenpark doch als eine der besten Adressen für Freunde des nordischen Skisports in Deutschland. Loipen in verschiedenen Längen und Schwierigkeitsgraden locken ebenso wie die wunderschöne Landschaft zahlreiche Besucher an. Trotzdem ist das Haus am Roten Moor, in dem Langläufer neben einer Einkehrmöglichkeit auch einen Skiverleih finden, nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Die Folge ist ein jedes Wochenende wiederkehrendes Verkehrschaos mit überfüllten Parkplätzen, zugeparkten Landstraßen und Stau.

Per Bus auf die Wasserkuppe

Wer sich das ersparen möchte, kann die Busverbindung auf die Wasserkuppe nutzen. Hessens höchste Erhebung wird sowohl vom Bahnhof Gersfeld, wo Anschluss zu den Zügen der Rhönbahn von und nach Fulda besteht, als auch direkt von Fulda aus bedient. Von der Wasserkuppe besteht über die Flugfeld-Loipe und die sogenannte Alte Reichsstraße Anschluss an das Loipenzentrum am Roten Moor. Mehrere Restaurants, ein Kiosk, das Rhön-Infozentrum, das Deutsche Segelflugmusuem sowie ein Sportgeschäft mit Verleih bilden eine gute Infrastruktur auf 917 Meter Seehöhe. Allerdings ist die Flugfeld-Loipe wegen ihrer exponierten Lage sehr anfällig für Schneeverwehungen oder aufgetaute Stellen. Zudem kann es bei Schlechtwetter schnell ausgesprochen ungemütlich werden auf der Wasserkuppe. Und es ist bestimmt nicht jedermanns Sache, nach einem ganzen Skitag noch den Berg zu erklimmen, immer die nahende Busabfahrt im Nacken.

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Liegt zu wenig Schnee auf der Wasserkuppe, muss man einen über einen Kilometer langen Fußmarsch über die stark befahrene Landesstraße in Kauf nehmen, um von der Bushaltestelle zum nächsten Loipeneinstieg zu kommen. Spätestens dann nimmt auch der überzeugteste ÖPNV-Nutzer lieber das Auto. Zum Glück hat die Deutsche Bahn direkt am Hauptbahnhof Fulda mehrere Carsharing-Fahrzeuge des hauseigenen Anbieters Flinkster stationiert.

Busse fahren ohne Halt an Wintersporzielen vorbei

Besonders ärgerlich ist, dass die Busse der Linie 37 von der Wasserkuppe nach Gersfeld an gleich zwei alternativen Loipeneinstiegen vorbeifahren, ohne dort anzuhalten. Sowohl an der Fuldaquelle als auch an der Kreuzung der B 284 mit der L 3068 wäre auch genug Platz für eine Haltestelle. In Tschechien hätte man dort längst eine Holzhütte mit Sitzbank errichtet: kostet nicht die Welt und tut ihren Zweck. Ebenso unvorstellbar wäre es im östlichen Nachbarland, dass der Linienbus an einem direkt an der Bundesstraße gelegenen und gut besuchten Skilift ohne Halt vorbeirauscht. Genau das tut aber der 37er-Bus am Zuckerfeld-Lift in Obernhausen. Es verwundert daher kaum, dass die giftgrünen Busse des lokalen Betreibers Rhön Energie neben vereinzelten Fahrgästen vor allem viel gut geheizte Luft von Gersfeld auf die Wasserkuppe und wieder zurück transportieren.

Ein höchst seltsamer Fahrplan

Daran mag allerdings auch der höchst seltsame Fahrplan seinen Anteil haben: Von Montag bis Freitag wird die Wasserkuppe von Gersfeld aus vormittags und nachmittags im Stundentakt bedient, hinzu kommen einige weitere Fahrten aus Fulda, die die Wasserkuppe von der anderen Seite über Poppenhausen und Abtsroda erreichen. Am Wochenende hingegen, wo die meisten Freizeithungrigen unterwegs sind, ist der Fahrplan deutlich schlechter. Dass der erste Bus die Wasserkuppe von Gersfeld aus erst um 10.36, von Fulda aus gar erst um 11.00 Uhr erreicht, mag während der Woche ausreichend sein, samstags ist es eindeutig zu spät. Völlig unbrauchbar ist der Busfahrplan schließlich an Sonntagen im Winterhalbjahr: Man ist frühestens um 11 Uhr auf dem Berg und muss schon um 15.13 Uhr wieder zurückfahren oder bis 18.13 Uhr warten. Die Abfahrt um 18.13 Uhr ab Wasserkuppe nach Fulda ist im Winter ebenso sinnlos wie die Fahrt nach Gersfeld um 18.40 Uhr: Um diese Zeit ist es längst stockdunkel. Das dafür verschwendete Geld wäre in einem besseren Fahrplan am Wochenende und zusätzlichen Haltestellen wesentlich besser angelegt. Davon würden nicht nur die Langläufer, sondern auch die zahlreichen Skifahrer, Snowboarder und Spaziergänger profitieren, die sich jedes Wochenende auf die Wasserkuppe stauen. Um das umzusetzen, bräuchte es allerdings einen anderen Blick auf die Welt als nur aus der Lenkradperspektive.

Jeden Tag kommt das Ordnungsamt

So lange die Stadt Gersfeld ihre Ressourcen lieber dafür aufwendet, um selbst unter der Woche mehrmals am Tag das Ordnungsamt zwecks Verkehrskontrolle ins abgelegene Rote Moor zu schicken, anstatt endlich eine ÖPNV-Anbindung zu schaffen, wird sich wenig ändern. Es werden sich also weiter Wochenende für Wochenende endlose Blechkolonnen durch das Unesco-Biospährenreservat wälzen und Tausende Autos werden weiter jeden freien Quadratzentimeter im Naturschutzgebiet zustellen, während die wenigen Busse mit ihren weitgehend unbrauchbaren Abfahrtszeiten hauptsächlich heiße Luft transportieren und dabei die Steuerzahler viel Geld kosten.

Bahnhof verfällt, Fahrgäste frieren

Kein Anreiz zur Nutzung des ÖPNV ist außerdem der Zustand des Bahnhofs Gersfeld (Rhön): Während das historische Aufnahmsgebäude mit derb vernagelten Türen und Fenstern langsam vor sich hinrottet, müssen die Fahrgäste in der Kälte auf den Zug warten. Nur das morsche Vordach des Gebäudes und ein metallener Unterstand geben etwas Wetterschutz. Es gibt weder Toiletten noch eine Verpflegungsmöglichkeit. Zum Vergleich: Die von Wintersportlern rege genutzten Stationen Kořenov und Harrachov im tschechischen Isergebirge sind zwar ebenfalls seit Jahren unbesetzt. Aber die Warteräume sind bis heute geöffnet. Zudem gibt es in beiden Haltestellen ein beheiztes und während der Touristensaison täglich geöffnetes Buffet. Auch die direkt an der Langlaufloipe gelegene Haltestelle Bad Mitterndorf-Heilbrunn an der österreichischen Salzkammergutbahn bietet nach wie vor einen gepflegten und gut geheizten Warteraum. Und das, obwohl der dort Dienst versehende Schrankenwärter, der nebenbei auch Fahrkarten verkaufte und die Station in Ordnung hielt, bereits seit einem Jahrzehnt Geschichte ist.

Unbequeme und unsichere Busse

Nicht unbedingt eine Werbung für den öffentlichen Verkehr sind auch die Busse, die der Betreiber Rhön Energie auf die Wasserkuppe schickt: Die von Fulda aus fahrenden Gelenkbusse vom Typ Mercedes Citaro mögen für den Stadtverkehr zweckmäßig sein. Auf einer 50-minütigen Überlandfahrt sind sie mit ihren harten Stadtbus-Sitzen und der mangelhaften Geräuschdämmung schlicht unbequem. Die fehlenden Sicherheitsgurte stellen auf den kurvenreichen und stellenweise schmalen Straßen der Rhön außerdem ein Sicherheitsrisiko dar. Zu bewundern sind jedenfalls die Fahrer, die die 18 Meter langen Ungetüme auch auf Schneefahrbahn sicher durch extrem enge und steile Ortsdurchfahrten manövrieren. Für die großen Busse mag im Schülerverkehr von und nach Fulda durchaus Bedarf bestehen, die Wasserkuppe ist außerdem immer wieder Ziel für größere Jugendgruppen. Aber es gibt auch Gelenkbusse in Überland-Ausführung mit bequemeren Sitzen und Sicherheitsgurten. Auch die auf der Linie von Gersfeld auf die Wasserkuppe eingesetzten Solaris-Normalbusse bieten nur Stadtbus-Komfort. Der ist auf der vergleichsweise kurzen Strecke durchaus ausreichend. Ohne Sicherheitsgurte fühlt man sich auf der steilen Bergstraße trotzdem nicht wirklich wohl.

Preis spricht klar für den ÖPNV

Ganz klar für den ÖPNV spricht hingegen der Preis: Eine Tageskarte, die im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) außerhalb der Städte immer etwas günstiger ist als zwei Einzelfahrten, von Fulda zur Wasserkuppe kostet 9,35 Euro. Gruppen fahren für 16,40 Euro je fünf Personen. Von Gersfeld ist ein Tagesausflug für 6,15 Euro möglich, Gruppen sind ab 10,85 Euro unterwegs. Von Frankfurt zahlt man für eine Tageskarte zur Wasserkuppe 30,20 Euro, die Gruppentageskarte kostet 44,50 Euro. Am Wochenende bietet sich ein Hessenticket, gültig ebenfalls für bis zu fünf Personen, um nur 35 Euro an.

Verbesserungen mit wenig Geld und Aufwand möglich

Fazit: Wintersport ohne Auto geht auch in Hessen. Dazu muss man sich aber gut auskennen, zeitlich sehr flexibel sein und Abstriche beim Komfort hinnehmen. Dabei könnten die zuständigen Verkehrsunternehmen und ihre öffentlichen Auftraggeber viele Verbesserungen mit sehr geringem finanziellem Aufwand erzielen. Vielleicht bliebe man durch geschickte Umschichtungen im Fahrplan und höhere Fahrgeldeinnahmen durch bessere Auslastung sogar kostenneutral. Den ersparten Aufwand und die viel geringere Umweltbelastung durch die Entschärfung des allwochenendlichen Verkehrschaos noch gar nicht eingerechnet. Und sollten für einzelne Maßnahmen doch zusätzliche Ausgaben nötig sein, bieten sich die sowohl auf der Wasserkuppe als auch am Roten Moor reichlich sprudelnden Parkgebühren als Finanzierungsquelle an. Das wäre eine faire Umverteilung vom Ressourcen fressenden Individualverkehr hin zum deutlich nachhaltigeren ÖPNV. Und die sollte gerade in einer besonders streng geschützten Landschaft wie der Rhön eigentlich längst selbstverständlich sein.

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Frankfurt: Straßenbahn-Oldtimer im Linienverkehr

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Hochflurwagen Pt 738 im Einsatz auf der Linie 12 an der Haltestelle Hessendenkmal. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Kaum sind die betagten Stadtbahnwagen vom Typ Ptb von der Linie U5 verschwunden, tauchen sie in Form des nahezu baugleichen Typs Pt im Frankfurter Straßenbahnnetz wieder auf: Auf der Linie 12 dreht schon seit ein paar Tagen der Museumswagen 148 in seiner neuen alten orange-beigen Stadtwerke-Lackierung seine Runden. Heute hat er Gesellschaft von Bahn Nummer 738 bekommen, die im aktuellen Türkiston „Subaru Vista Blue“ gehalten ist. Grund für die Maßnahme dürfte wohl wieder einmal drückender Mangel an betriebsfähigen Straßenbahnfahrzeugen bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) sein.

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Foto: Daniel Kortschak.

Diese Einsätze der Straßenbahn-Oldtimer mögen Fans vielleicht für eine willkommene Abwechslung im sonst monotonen Betrieb halten, der von den Niederflurfahrzeugen der Typen R und S bestritten wird. Für den Alltagsfahrgast sind sie wegen ihrer hohen Stufen an den Einstiegen schlicht höchst unkomfortabel. Und für Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, Rollstuhlfahrer/innen und Eltern mit Kinderwagen sowie Reisende mit Gepäck sind sie einfach nur eine Zumutung. Frankfurt macht sich damit einmal mehr einen zweifelhaften Namen als Stadt, die trotz Fahrpreisen, die bundesweit im Spitzenfeld liegen, in Sachen ÖPNV von Spitzenleistungen weit entfernt ist.

Mehr Bilder von den Pt-Wagen im Einsatz auf der Straßenbahnlinie 12 gibt es im Frankfurter Nahverkehrsforum.

Eröffnungsfest: seltene Gäste auf der U5

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Der historische U2-Triebwagen am 5. November 2016 im Fahrgasteinsatz auf der Linie U5 in der Eckenheimer Landstraße stadteinwärts, kurz vor der Haltestelle Musterschule. Der Wagen wurde wieder einmal von der dortigen Verkehrsampel ausgebremst, vor der die Bahnen regelmäßig zum Stehen kommen. Offenbar hat man keine Vorrangschaltung für den ÖPNV eingebaut. Oder sie funktioniert – wie so oft in Frankfurt – nicht ordentlich. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Groß waren die Augen einiger Fahrgäste, die am Samstag im Frankfurter Nordend auf die Stadtbahnlinie U5 warteten: Statt der modernen türkisblauen Doppelwagen vom Typ U5 ratterte eine einzelne rot-weiße Bahn in die Station. Eine Premiere auf der Linie U5, obwohl die Fahrzeuge vom Typ U2 schon seit 1968 auf den Gleisen der Frankfurter U-Bahn unterwegs sind. Möglich gemacht hat diesen einmaligen Einsatz erst der vollständig barrierefreie Ausbau der Stadtbahnstrecke in der Eckenheimer Landstraße.

Und die Inbetriebnahme der neuen Hochbahnsteige war auch der Grund für das Gastspiel des inzwischen historischen Fahrzeugs. Damit wollte die Verkehrsgesellschaft Frankfurt eine kleine Entschädigung für die monatelangen Unannehmlichkeiten durch die Bauarbeiten bieten und im Interesse der Ladenbesitzer und Kneipenbetreiber möglichst viele Besucher in die Eckenheimer Landstraße locken. Dazu  galt auf der gesamten Linie U5 zwischen Hauptbahnhof und Preungesheim Freifahrt, außerdem gab es Showeinlagen an den Haltestellen und in den Zügen und kleine Geschenke für die Fahrgäste – Notizblocks, Kugelschreiber, Gummibärchen.

Fahrzeugausstellung im Depot Eckenheim

Neben dem historischen U2-Wagen fuhren an diesem 5. November auch Doppel-Züge vom Typ U4 und gemischte U4-U5-Garnituren auf der Linie U5, die dort planmäßig nicht anzutreffen sind. Ein zunächst ebenfalls angedachter und von der VGF bereits angekündigter Einsatz der Stadtbahnwagen vom Typ U3 sowie letzmalig der Jahrzehntelang auf der U5 heimischen umgebauten Straßenbahnwagen vom Typ Ptb kam nicht zu Stande: Die VGF hatte Bedenken, Fahrgäste könnten durch den großen Niveauunterschied an den teilweise nur 60 Zentimetr hohen Bahnsteigen an den Haltestellen Musterschule und Glauburgstraße beim Ein- und Aussteigen in diese Fahrzeuge zu Sturz kommen.

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Stattdessen konnten interessierte Besucher je einen U2-, U3- und Ptb-Wagen in der Wagenhalle Eckenheim an der Schwabstraße besichtigen. Dies bot auch die einmalige Gelegenheit, die ansonsten nicht öffentlich zugänglichen historischen Abstellhallen in diesem einstigen Straßenbahndepot zu besichtigen. Dort übernachten einige der auf der Linie U5 eingesetzten Fahrzeuge, außerdem warten in den Hallen und auf dem dahinter liegenden Freigelände zahlreiche ausrangiere Stadtbahn- und Straßenbahnfahrzeuge auf bessere Zeiten – oder ihren letzten Weg zum Schrotthändler.

Bauarbeiten noch immer nicht abgeschlossen

Die Bauarbeiten entlang der Eckenheimer Landstraße sind indes weiterhin nicht abgeschlossen: Zwar fährt die U5 wieder durchgehend zwischen Hauptbahnhof und Preungesheim und auch Sperren für den Individualverkehr wurden aufgehoben. Doch die Haltestelle Glauburgstraße ist in beiden Richtungen weiterhin ein Provisorium: Es fehlen die endgültigen Geländer und auch die Glasscheiben der Wartehallen wurden noch immer nicht montiert. Außerdem sind die Bürgersteige im Haltestellenbereich sowie bei der Einmündung der Holzhausen- und der Nordendstraße noch nicht fertig gepflastert und es liegt jede Menge Baumaterial herum.

Die endlosen Bauarbeiten zum barrierefreien Ausbau der Linie U5 hat vielen Ladenbesitzern und Restaurantbetreibern massive Umsatzeinbußen beschert, manch ein Betrieb fühlte sich zwischenzeitlich ernsthaft in seiner Existenz bedroht. Inzwischen gibt es auch mindestens ein Opfer des monatelangen Baustellenchaos: An der Filiale der Bäckerei Schaan, die in den letzten Monaten bereits ihre Öffnungszeiten drastisch eingeschränkt hatte, kleben nun Plakate mit der Aufschrift: „Zu vermieten“.

 

U5 in der Eckenheimer: Bahn fährt, Chaos bleibt

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Kein Halt an der Glauburgstraße: Die barrierefreien Bahnsteige sind noch weit von einer Fertigstellung enfernt. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

„Tüü-taa – Tüü-taa.“ Diese Tonfolge erklingt alle paar Minuten an der Kreuzung der Eckenheimer Landstraße mit der Glauburgstraße im Frankfurter Nordend – zur allergrößten Freude der Anwohner sowie der Mitarbeiter der zahlreichen Läden und Restaurants. Die Ursache für diese akustische Zwangsbeglückung sind die Sicherungsposten, die di Bauarbeiter vor einer herannahenden Stadtbahn warnen.

Seit 9. Oktober fährt nach fast sieben Monaten Unterbrechung die Stadtbahnlinie U5 wieder durch die Eckenheimer Landstraße. Doch das Baustellenchaos ist damit noch lange nicht vorbei: Die Züge halten weiter nicht an der Haltestelle Glauburgstraße, wo die Arbeiten zum barrierefreien Ausbau nicht zeitgerecht abgeschlossen werden konnten. In der Eckenheimer Landstraße und den angrenzenden Straßen herrscht nach wie vor ein totales Durcheinander: Überall liegen Baumaterialien verstreut, in kleinen Grüppchen sind Arbeiter am Werk. Wer in ein Geschäft, ein Lokal oder schlicht sein Wohnhaus gehen will, muss sich mühsam seinen Weg zwischen Baugruben, abgelegten Betonelementen, Rohren, Metallteilen und Absperrungen suchen. Gutes Schuhwerk ist angesichts des unebenen Untergrunds dringend anzuraten.

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Eine Ende der Zumutungen für Anwohner, Geschäftsleute und Kunden ist nicht in Sicht: Hatte die städtische Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) zunächst beteuert, spätestens Ende Oktober würden die Bahnen wieder an der Glauburgstraße halten, so ist auf den aktuellen Haltestellenaushängen jetzt nur mehr kryptisch „Kein Halt bis auf weiteres“ zu lesen.

Nur kurz war die Erleichterung für die U5-Benützer aus Eckenheim und Preungesheim, die mehr als ein halbes Jahr lang gemeinsam mit den Fahrgästen im Nordend einen langsamen und unzuverlässigen Busersatzverkehr zwischen Marbachweg und Konstablerwache hinnehmen mussten: Kaum fährt die U5 endlich wieder durch die untere Eckenheimer Landstraße, gibt es nun Schienenersatzverkehr zwischen Hauptfriedhof und Preungesheim. Der Grund dafür sind Bauarbeiten im Gleisbogen von der Eckenheimer Landstraße in den Marbachweg. Weil die neuen U-Bahnen vom Typ U5 breiter sind als die zuvor auf dieser Strecke eingesetzten umgebauten Straßenbahnwagen vom Typ Ptb, muss diese 90-Grad-Kurve nun umgebaut werden. Die Arbeiten sollen noch bis 17. November dauern. Dass es die VGF nicht geschafft hat, diesen Gleisumbau während der mehr als sechsmonatigen Sperre der U5-Strecke im Nordend zu erledigen, spricht Bände über das katastrophale Baumanagement beim barrierefreien Ausbau der Stadtbahnlinie U5.

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Aufatmen können hingegen Anwohner, Ladenbesitzer, Schüler und Lehrer an der Musterschule: Hier sind die barrierefreien U5-Bahnsteige fertig, ebenso die monatelang aufgerissenen Bürgersteigen entlang der Eckenheimer Landstraße in diesem Bereich. Die Hochbahnsteige sind mit jeweils zwei Fahrgastunterständen inklusive Sitzgelegenheit, einem Fahrkartenautomaten und einem großen Informationsdisplay samt Uhr sowie heller Beleuchtung sehr gut ausgestattet. Die barrierefreien Haltestellen fügen sich auch erstaunlich gut in das Straßenbild ein. Sehr schmal geraten sind allerdings wie erwartet die Fahrradstreifen, die zwischen den Bahnsteigen und den Häusern hindurchführen. Hier sind vor allem in der warmen Jahreszeit und während der Hauptverkehrszeiten Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern vorprogrammiert.

Wie bei Baustellen in auf den Frankfurter Straßen leider üblich, sind auch an der Musterschule noch nicht alle Restarbeiten abgeschlossen: So fehlen noch einige Verkehrszeichen, die zurzeit provisorisch aufgestellt sind. Und an der Einmündung der Hebelstraße diekt hinter dem neuen Bahnsteig in Fahrtrichtung stadtauswärts klafft überhaupt noch ein großes Loch. Das führt dazu, dass Fußgänger und Radfahrer an der ohnehin schon engen Stelle mit noch weniger Platz auskommen müssen. Auch hier ist ein Ende nicht absehbar.

Inzwischen sind fast zwei Monate nach dem eigentlich geplanten Abschluss der U-Bahn-Bauarbeiten im Frankurter Nordend vergangen. Man könnte also davon ausgehen, dass die Ärgernisse für Anwohner, Passanten und Fahrgäste nun tatsächlich Geschichte sind. Doch nicht so in Frankfurt – hier wäre es ein Wunder, würde tatsächlich einmal eine Baumaßnahme im öffentlichen Straßenraum zeitgerecht beendet.

 

U5-Baustelle: Hurra, es ist ein Bürgersteig!

 

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Endlich fertig: Der Bürgersteig in der Eckenheimer Landstraße an der Musterschule. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Man glaubt es kaum: Nach vielen Wochen, in denen Anwohner und Kunden über Stock und Stein die Häuser und Läden an der Eckenheimer Landstraße klettern mussten, haben es die Verkehrsgesellschaft Frankfurt und die von ihr beauftragte Baufirma tatsächlich geschafft, die Bürgersteige rund um die Musterschule fertigzustellen.

Weit fortgeschritten sind inzwischen auch die Arbeiten an den neuen, barrierefreien Hochbahnsteigen für die Stadtbahnlinie U5 an der Haltestelle Musterschule. Sogar die Fahrgastinformationsanzeiger sind bereits montiert. Es scheint so, als könnten die U5 tatsächlich zum angekündigten Termin am 10. Oktober wieder ihren Betrieb aufnehmen. Sechs Wochen später, als ursprünglich geplant. Und die Haltestelle Glauburgstraße wird auch zu diesem Termin nicht fertig. Hier sollen die Stadtbahnen erst Ende Oktober wieder halten.

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Schienenersatzverkehr wie seinerzeit in Jugoslawien

Mit der – deutlich verspäteten – Wiederinbetriebnahme der Stadtbahnlinie U5 wird auch der unsägliche Schienenersatzverkehr sein Ende finden. Höchste Zeit, denn die Busse sind höchst unzuverlässig und brauchen deutlich länger als die U-Bahn. Waren zu Beginn der Baumaßnahmen noch ordentlich gekennzeichnete Busse auf der U5-Ersatzlinie unterwegs, so hat sich der Servic mit Schulbeginn Ende August noch einmal deutlich verschlechtert. Weil die städtische In-der-City-Bus-GmbH, die dem Ersatzverkehrs-Betreiber Transdev Rhein-Main einige Gelenkbusse zur Verfügung gestellt hatte, ihre Fahrzeuge mit Ende des Ferienfahrplans ihre Fahrzeuge selbst benötigt, musste Transdev Busse von Tochterunternehmen in ganz Deutschland nach Frankfurt holen.

Neben Fahrzeugen aus Pforzheim, Schwäbisch Hall und Heidenheim drehen auch mehrere knallgelbe Gelenkbusse aus Dresden ihre Runden zwischen Marbachweg und Konstablerwache. Bei all diesen Fahrzeugen hat man sich nicht mehr die Mühe gemacht, die Zielanzeigen zu programmieren. Stattdessen fahren die Busse mit Aufklebern „U5 Schienenersatzverkehr“ und Steckschildern hinter der Frontscheibe. Auch Haltestellenansagen im Wagen gibt es keine Mehr, die Fahrgastinfo-Displays bieten ebenfalls keine brauchbaren Informationen. Die Situation erinnert an die Stadtbusbetriebe im früheren Jugoslawien, die ähnlich mangelhaft beschildert waren. Kein Ruhmesblatt für die Verkehrsgesellschaft Frankfurt.

Die nächste U5-Sperre steht bevor

Für die Fahrgäste im Frankfurter Nordend ist nun bald eine Verbesserung der inakzeptabel schlechten Verkehrsanbindung in Sicht. Für U5-Bahn-Benutzer aus Eckenheim und Preungesheim währt die Freude über das Ende des Ersatzverkehrs hingegen nur kurz: Bereits Mitte Oktober wird die U5 zwischen Preungesheim und Hauptfriedhof erneut unterbrochen, bis 2. November gibt es erneut Schienenersatzverkehr. Die VGF muss den Gleisbogen von der Eckenheimer Landstraße in den Marbachweg erneuern: Die neuen Stadtbahnwagen vom Typ U5 sind breiter als die bisher eingesetzten Ptb-Straßenbahnzüge. Deshalb herrscht bis zum Umbau des Gleisbogens am Marbachweg ein Begegnungsverbot. Unklar bleibt, warum man es nicht geschafft hat, diese Bauarbeiten während der monatelangen Sperre der unteren Eckenheimer Landstraße zu erledigen. Eine der vielen offenen Fragen rund um die Chaos-Baustelle an der U5.

Bäder in Frankfurt: Vorbild für den Nahverkehr

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Das größte Schwimmbecken Europas: Brentanobad in Frankfurt. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Spät, aber doch zeigt der Sommer in diesem Jahr noch einmal, was er kann. Grund genug für den Schienenradler, den Frankfurter Freibädern öfter mal einen Besuch abzustatten. Und einmal mehr erfreut festzustellen, dass die städtischen Bäderbetriebe BBF einen erstklassigen Service bieten. Fast alle Freibäder in Frankfurt wurden in den letzten Jahren aufwändig renoviert und das Personal ist nahezu ausnahmslos freundlich.

Selbst wenn sich wie am vergangenen Wochenende im Brentanobad Abertausende Menschen tummeln, läuft der Betrieb völlig reibungslos ab. Zahlreiche Schwimmmeister sorgen im riesigen Becken für Ordung und Sicherheit, Aufsichtspersonal sieht auf den weitläufigen Liegewiesen nach dem Rechten. Und mehrere Reinungunsleute sind permanent dabei, die Sanitäranlagen in Schuss zu halten. Keine schlechte Leistung im mit Abstand größten Frankfurter Freibad, das auch über das größte Schwimmbecken in ganz Europa verfügt.

Die BBF sind ein gutes Beispiel dafür, wie ein kommunaler Betrieb, der nicht kostendeckend arbeitet, trotzdem sehr gute Leistungen für die Bürger erbringen kann. Vielleicht sollten auch die Verantwortlichen für den Nahverkehr in Frankfurt und Umgebung öfter ins Schwimmbad gehen – von den  Bäderbetrieben könnten sie einiges lernen. Würde der ÖPNV im Rhein-Main-Gebiet nur annähernd so gut funktionieren wie die städtischen Bäder in Frankfurt, dann wären Zehntausende Pendler um einige Sorgen ärmer. Und wäre die Fahrt mit Bus und Bahn so günstig wie ein Besuch im Freibad, dann könnten sie auch noch mächtig Geld sparen.

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Künstlerische Hommage an das Brentanobad. (Foto: Daniel Kortschak)

 

ÖPNV-Baustellen: Prag macht’s besser als Frankfurt

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Deutlicher geht es kaum: Hinweis auf den Busersatzverkehr in der Prager U-Bahn-Station Roztyly. Daneben ein auffälig gekleideter Info-Mitarbeiter mit Flyern in der Hand. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Kürzlich auf der Fahrt in der um fast zehn Minuten verspäteten S-Bahn vom Flughafen Frankfurt Richtung Stadt: „Nächster Halt, Frankfurt(Main)Hauptbahnhof. Diese Fahrt endet dort. Die Deutsche Bahn und der Rhein-Main-Verkehrsverbund würden sich freuen, sie bald wieder begrüßen zu dürfen. – Next stop: Frankfurt main station. Terminus, please unlight.“ Kein Wort über die baubedingte Sperre des S-Bahn-Tunnels, kein Wort über Ausweichmöglichkeiten. Nur ein kleines Plakat im Einstiegsbereich der Bahn, das bereits von einer etwas größeren Tasche verdeckt wird, kaum lesbar und zudem nur auf Deutsch abgefasst ist, informiert über die wochenlange Großbaustelle auf einer der wichtigsten S-Bahn-Strecken Deutschlands. Die Folge: Auf dem Bahnsteig in der oberen Halle des Frankfurter Hauptbahnhofs stehen Dutzende ratlose Touristen, Personal, das ihnen den richtigen Weg in die Stadt weisen könnte, ist an diesem Sonntagabend einmal mehr keines zu sehen. Das gleiche Bild bot sich kurz zuvor im Flughafen-Regionalbahnhof: Keine auffälligen Infoplakate, keine Durchsagen, kein Personal.

Prag macht’s besser

Wie man es besser macht, davon konnte sich der Schienenradler Anfang Juli in Prag überzeugen: Wegen dringender Gleisbauarbeiten war dort für einige Tage die am stärksten belastete U-Bahn-Linie C zwischen der Innenstadt und der über 100 000 Einwohner zählenden Südstadt gesperrt. Durchsagen und große Infoplakate im gesamten ÖPNV-Netz informierten über die Unterbrechung. Obwohl man für die Arbeiten die erste Ferienwoche, in der noch dazu gleich zwei aufeinanderfolgende Feiertage zu liegen kamen, ausgewählt hatte und sich dadurch das Fahrgastaufkommen deutlich reduziert hatte, war der Ersatzverkehr auf dem gesperrten U-Bahn-Abschnitt generalstabsmäßig organisiert: Drei verschiedene Ersatzbuslinien – eine ganz schnelle, eine schnelle und eine, die alle Zwischenhalte bedient – waren im Einsatz.

In der Stoßzeit fuhr jede Minute ein Bus. Insgesamt hatte der städtische Prager Verkehrsbetrieb DPP nicht weniger als 68 Gelenkbusse und 108 Fahrer für den Ersatzverkehr bereitgestellt – und das ganz aus eigenen Ressourcen, ohne Beauftragung von Fremdunternehmen. 

In den U-Bahn-Stationen wiesen große Hinweistafeln den Fahrgästen den Weg zu den Bussen, zusätzlich war reichlich Personal vorhanden, das auf Tschechisch und Englisch Auskunft gab und zweisprachige Infoblätter mit Alternativrouten verteilte. 

Weil die U-Bahnen in manchen Stationen vom falschen Gleis abfuhren, waren Mitarbeiter auch auf dem Bahnsteig präsent, die bei Einfahrt einer U-Bahn einfache Papptafeln mit Pfeilen und dem jeweiligen Fahrtziel hochhielten. Zusätzlich liefen entsprechende Ansagen auf Tschechisch und Englisch, die man extra für den Anlass aufgenommen hatte.

Fazit: Die Sperre war unangenehm, brachte verlängerte Reisezeiten und zusätzliches Umsteigen. Aber dank der perfekten Organisation und der umfassenden Information fühlte man sich als Fahrgast gut betreut. Vielleicht sollten die Verantwortlichen von Deutscher Bahn (DB), Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) und Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) zur nächsten Großbaustelle im U-Bahn-Netz einmal einen Ausflug nach Prag machen. Zu lernen in Sachen ÖPNV gäbe es in der tschechischen Hauptstadt so einiges – nicht nur Baustellenorganisation und Fahrgastinformation betreffend.

U5: Neues von der Musterschule

Von Daniel Kortschak

Die Arbeiten zur Errichtung der barrierefreien Bahnsteige für die Stadtbahnlinie U5 in der Eckenheimer Landstraße schreiten weiter voran. Hier ein paar aktuelle Bilder dazu:

Eifrig gearbeitet wird auch an der Glauburgstraße. Hier wird neben dem Bau der Hochbahnsteige aktuell auch die Anbindung der U5-Gleise an die Betriebsstrecke, die durch die Glauburgstraße zur Friedberger Landstraße führt, erneuert. Deshalb ist der Kreuzungsbereich Eckenheimer Landstraße / Glauburgstraße bis 24. Juli auch für den Autoverkehr gesperrt.