Das Versagen der Deutschen Bahn bei Störungen

img_-itz68v

Eine Stunde Verspätung: S-Bahn vom Flughafen nach Frankfurt am Main. (Screenshot App „RMV smart“)

Von Daniel Kortschak

Wenn die Bahn störungsfrei unterwegs ist, ist sie eindeutig das bequemste Fortbewegungsmittel. Doch gerät der Fahrplan aus dem Takt, versagt die Deutsche Bahn nach wie vor total. Das zeigt ein aktueller Vorfall im S-Bahn-Verkehr zum Flughafen Frankfurt einmal mehr auf.

Der Schienenradler war in den vergangenen Monaten einige Tausend Kilometer mit der Bahn unterwegs – und bis auf kleine Unzulänglichkeiten wie schlechten Service im Speisewagen oder kaputte Aufzüge (beides bei den Österreichischen Bundesbahnen) stets zufrieden. Wenn der Betrieb störungsfrei läuft, ist die Bahn mit Abstand das komfortabelste Verkehrsmittel.

Aber wehe, der Verkehr gerät aus dem Takt. Dann lässt die Deutsche Bahn keine Gelegenheit aus, um ihre totale Unfähigkeit in Sachen Störungsmanagement unter Beweis zu stellen. Davon konnte sich der Schienenradler heute wieder auf einer Fahrt vom Frankfurter Flughafen in die Innenstadt überzeugen. Ein Blick auf die RMV-Fahrplanauskunft im Smartphone offenbart Verspätungen von bis zu 15 Minuten auf den S-Bahn-Linien S8 und S9. Da bleibt noch Zeit für einen schnellen Kaffee. Anschließend im Flughafen-Regionalbahnhof angekommen, zeigt die App beim Fahrkartenkauf bereits Verspätungen von bis zu einer  Stunde und zahlreiche Zugausfälle an. Vom Bahnsteig kommen laufend laut fluchende Fahrgäste empor.

Unten am Gleis herrscht Gedränge. Lautsprecheransagen informieren knapp über die Störung. Leise, blechern und kaum verständlich. Und nur auf Deutsch. Welch ein toller Service auf einem der größten und wichtigsten Flughäfen Europas. Auch über Ausweichmöglichkeiten erfahren die zahlreichen Fahrgäste nichts. Personal der Deutschen Bahn, das man um Rat fragen könnte, ist wie üblich nicht zu sehen. So bleibt unklar, ob vielleicht vom Flughafen-Fernbahnhof Züge Richtung Frankfurt Hauptbahnhof oder Mainz fahren. Als einzige Alternative, um mit dem ÖPNV vom Flughafen in die Innenstadt zu kommen, bleibt die Stadtbuslinie 61. Die kennen freilich nur Insider wie Flughafenmitarbeiter und Frankfurter. Auch die Abfahrtsstelle im Busbahnhof ist alles andere als leicht zu finden. Ohne Informationen bleiben die zahlreichen Touristen im Flughafen-Regionalbahnhof ihrem Schicksal überlassen.

img_-itz68v

Massive Verspätungen: Großstörung im S-Bahn-Verkehr rund um den Flughafen Frankfurt am 27. Februar 2017. (Screenshot App „RMV smart“)

Dennoch fährt der 61er-Bus voll besetzt Richtung Innenstadt. Flughafenmitarbeiter, die nach Schichtende nach Hause fahren, beraten gestrandete Fahrgäste, wie sie am besten weiterkommen. Auch über die Ursache für die Großstörung bei der S-Bahn wissen die Fraport-Mitarbeiter Bescheid: ein umgestürzter Baum im Gleis. Eine Information, die die Deutsche Bahn via Twitter bestätigt. Gut, so etwas kann bei dem schlechten Wetter passieren. Nicht akzeptabel ist allerdings das absolut dilettantische Störungsmanagement der Deutschen Bahn. Es kann nicht sein, dass Hunderte Fahrgäste am Frankfurter Flughafen ohne jede brauchbare Information stranden.

Eine kleine Entschädigung für den Ärger und die äußerst unkomfortable Busfahrt hat der Schienenradler immerhin bekommen: Mit der neuen Smartphone-App „RMV smart“, die zum Test des neuen Tarifsystems dient, kostet die Fahrt nur 2,36 Euro. Etwas weniger als eine Einzelfahrt zum herkömmlichen Tarif innerhalb Frankfurts, die inzwischen mit stolzen 2,90 Euro zu Buche schlägt. Und weniger als die Hälftedes überhöhten Einzelpreises für eine Fahrt von Frankfurt zum Flughafen, für die 4,80 Euro fällig werden. Aber das ist eine andere Geschichte, mehr dazu in Kürze hier.

Mit ICE und Flinkster-Carsharing schnell in den Schnee

p1140600

Flinkster-Leihfahrzeug am Parkplatz im Loipenzentrum Rotes Moor in der Rhön. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Die Autos des DB-Carsharings „Flinkster“ sind eine sehr gute Ergänzung zur Bahn. Die Buchung ist einfach und die Fahrzeuge stehen meist direkt am Bahnhof. Schade nur, dass die meisten von ihnen immer noch mit Benzin oder Diesel fahren.

Noch liegt genügend Schnee in der Rhön, um einen Tag auf Langlaufskiern zu verbringen. Allerdings nur mehr im Loipenpark rund um das Rote Moor. Auf der Wasserkuppe und der Verbindungsstrecke Richtung Rotes Moor hat die Sonne die weiße Pracht bereits weggefressen. Somit scheidet eine Anreise ausschließlich mit Öffentlichen Verkehrsmitteln leider aus. Die Linienbusse bedienen von Gersfeld und Fulda aus nur die Wasserkuppe, nicht aber den Loipenpark.

Die insgesamt 250 Kilometer lange Fahrt von Frankfurt zum Loipenpark und zurück ist gerade während der Woche mit dem Auto wenig attraktiv. Zu groß ist die Gefahr, in Frankfurt oder auf der A 66 in einen Stau zu geraten. Zudem ist die Fahrt über die mit Lkw vollgestopfte Autobahn alles andere als entspannend, erst recht in der Dunkelheit nach einem ganzen Tag Sport.

Als Alternative bietet sich die Fahrt mit dem ICE bis Fulda und von dort die Nutzung des bahneigenen Carsharings „Flinkster“ an. Gesagt, getan: Am Vortag per Flinkster-App eines der am Bahnhof Fulda stationierten Fahrzeuge und über den DB-Navigator einen der günstigen ICE-Sparpreisegebucht. Tags darauf startet die Reise mit der U-Bahn im Frankfurter Nordend. Dank City-Option ist die ÖPNV-Fahrt für Bahncard-Kunden auch beim Fernverkehrsfahrschein inklusive. Immer wieder amüsant sind die verstörten Blicke der Büropendler, wenn jemand mitten in Frankfurt in der Berufsverkehrszeit mit Langlaufskiern und Sportbekleidung in die Bahn steigt. Erst recht bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen. Auch am Frankfurter Hauptbahnhof beim Umsteigen in den ICE Richtung Berlin sorgt man in diesem seltsamen Aufzug für gewisse Verwunderung.

Vom Zug direkt ins Mietauto

Pünktlich erreicht der ICE um 9.09 Uhr den Fuldaer Hauptbahnhof. Nach kurzem Fußmarsch durch die Unterführung ins direkt anschließende Bahnhofsparkhaus ist das reservierte Fahrzeug genau zu Beginn der Mitedauer um 9.15 Uhr erreicht. Die Flinkster-Kundenkarte auf das Lesegerät hinter der Windschutzscheibe gelegt (alternativ kann man den Wagen auch per Smartphone öffnen), mit ein wenig Geschick die zwei Paar Langlaufskier im kleinen Ford Fiesta verstaut und es kann losgehen. Nach etwa 40 Minuten Fahrt ist das Rote Moor erreicht und schon weniger als zwei Stunden nach der Abfahrt in Frankfurt beginnt das Skivergnügen.

Am späten Nachmittag geht es zurück Richtung Fulda. Vorbei am Stau auf der Autobahn Richtung Frankfurt weiter ins Zentrum und Richtung Hauptbahnhof. Nach einem kurzen Zwischenstopp in einem Einkaufszentrum steht der fast neue und sehr gepflegte Ford Fiesta mit dem für Flinkster typischen Nummernschild F-R (das R steht für DB-Rent, die Car- und Biksharingtochter der Bahn) wieder auf seinem reservierten Parkplatz im Bahnhofsparkhaus. Skier, Rucksack und Einkäufe ausgeladen und das Auto per Kundenkarte verschlossen, geht es in wenigen Schritten zu Bahnsteig drei, wo bald der ICE Dresden – Wiesbaden einfährt. Der Tag klingt bei einem frisch gezapften Bier im Bordbistro aus. Schon kurz nach Fulda peitscht der Regen an die Fenster, auf der Autobahn nebenan wälzt sich eine zähe Blechlawine dahin. Da reist es sich im ICE weit komfortabler und schneller.

Einfache Anmeldung und Buchung

Carsharing ist eine tolle Ergänzung zur Bahn. Erst recht, wenn es so perfekt organisiert ist wie bei der Deutschen Bahn. In über 300 deutschen Städten stehen 4000 Fahrzeuge in verschiedenen Kategorien zur Verfügung. Weitere 2000 Fahrzeuge gibt es in Österreich, Italien, der Schweiz und in den Niederlanden. Neben eigenen Fahrzeugen bietet Flinkster auch Zugang zu zahlreichen Autos von lokalen Kooperationspartnern. Gebucht wird ganz einfach per App oder Website, bezahlt wird nach Zeit und gefahrenen Kilometern. Grundgebühr gibt es im bundesweiten Tarif keine, für Bahncard-Kunden sind auch Anmeldung und Registrierung kostenlos.

Schade nur, dass die allermeisten Flinkster-Fahrzeuge nach wie vor mit Verbrennungsmotoren ausgestattet sind. Zwar gibt es in einigen Großstädten einzelne Elektrofahrzeuge, doch in Fulda gibt es nur Benziner oder Diesel. Dabei wäre gerade für die pro Richtung weniger als 40 Kilometer lange Fahrt von Fulda ins Rote Moor ein E-Auto optimal. Auf dem reservierten Parkplatz in der Garage ließe sich leicht eine Ladestation einrichten. Toll wäre eine solche Ladevorrichtung auch am Parkplatz vor dem Haus am Roten Moor. Während der Fahrer seine Runden im Schnee dreht, könnte das Auto Strom tanken – idealer Weise aus der großen Photovoltaikanlage auf dem Dach des Nabu-Hauses. Ohne Abgase wäre Flinkster die ideale Ergänzung zur umweltfreundlichen Bahn. Hoffentlich kommen der E-Auto-Markt in Deutschland und der dafür dringend notwendige Ausbau der Lade-Infrastruktur jetzt endlich in Gang.

Mit dem ICE von Frankfurt nach Wien: Bequemer geht es nicht

p1120164

Deutsche und österreischische Bahn betreiben die ICE-Linie Wien – Frankfurt in Kooperation. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Hunderte Kilometer weit reisen und dabei konzentriert am Computer arbeiten, lesen, Musik hören, gepflegt im Restaurant essen oder einfach nur zurücklehnen und entspannen: Das geht nur im Zug. Klar, das Flugzeug ist oft viel schneller, im Auto transportiert sich großes Gepäck leichter und der Fernbus ist meist deutlich billiger. Doch am bequemsten reist es sich einfach im ICE.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die über 700 Kilometer lange Strecke von Frankfurt nach Wien zurückzulegen: Die Flugzeuge der Lufthansa und ihrer österreichischen Tochter Austrian Airlines fliegen täglich von 6 bis 21 Uhr im Stundentakt, die Flugzeit beträgt etwas mehr als eine Stunde. Wer einige Wochen im Voraus bucht, hat gute Chancen, einen Hin- und Rückflug für unter 200 Euro zu bekommen. Brückentage, Ferienzeiten und Feiertage ausgenommen.

Mit dem Auto dauert die Fahrt gut sieben Stunden, je nach Verkehr kann es auch deutlich mehr sein: Neuralgische Punkte sind die Strecke Frankfurt – Würzburg, der Großraum Nürnberg, Regensburg, Passau und der Großraum Linz. Selbst wenn es ausnahmsweise keine längeren Staus gibt, ist die Fahrt über die vollen, mit Baustellen gespickten Autobahnen alles andere als ein Vergnügen. Hat man nichts Großes zu transportieren, sollte man diese Autofahrt besser unterlassen.

Bahnfahrt: lang, aber unschlagbar bequem

Bleibt als letzte Möglichkeit die Bahn: Alle zwei Stunden fahren auf der Strecke Frankfurt – Wien und in der Gegenrichtung ICE-Züge, die die Deutsche Bahn (DB) und die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) in Kooperation betreiben. Der erste Zug verlässt Frankfurt um 6.22 Uhr, der letzte um 16.21 Uhr. Außer der Verbindung um 10.18 Uhr, wo man in Würzburg umsteigen muss, fahren die Züge direkt. In Wien fahren die Züge zwischen 6.50 Uhr und 16.50 Uhr alle zwei Stunden ab, in Würzburg umgestiegen werden muss bei der Verbindung, die Wien um 12.50 Uhr verlässt. Die Fahrt dauert 6 Stunden und 45 Minuten.

Eine einfache Fahrt kostet zum Flexpreis ohne Ermäßigungen stolze 143,60 Euro. Doch sowohl DB als auch ÖBB bieten günstige Sparpreis– bzw. Sparschiene-Fahrkarten an, wobei sich ein Preisvergleich in den Online-Ticketshops beider Bahnen durchaus lohnt: Oft weichen die Preise für ein die dieselbe Zugverbindung stark voneinander ab. Gleich verhält es sich mit den weiteren Bedingungen: Auf ihre Sparschiene gewähren die ÖBB keine weiteren Ermäßigungen und die Fahrkarten können weder umgebucht noch storniert werden. Die Vorkaufsfrist beträgt drei Tage. Die DB gewährt auf ihre Sparpreise 25 Prozent Rabatt für Inhaber der Bahncard 25 und 50, bis einen Tag vor der Abfahrt kann man gegen eine Gebühr von 17,50 Euro umbuchen oder stornieren. Vorkaufsfrist gibt es bei der DB keine.

Der Schienenradler ist in den letzten Monaten mehrere Male mit dem ICE von Frankfurt nach Wien oder umgekehrt gefahren. Und war mehr als positiv überrascht: Die Züge waren ohne Ausnahme pünktlich, die auf dieser Strecke eingesetzten ICE der Baureihe 411/4011 sind innen wie außen ausgesprochen sauber und das Zugpersonal ist nahezu ausnahmslos sehr freundlich. Besonders positiv fallen hierbei die Zugchefs und Zugbegleiter vom Standort Passau auf, die die Züge meist auf der gesamten Strecke von Passau nach Frankfurt und wieder zurück begleiten.

Ebenfalls auf hohem Niveau ist der Service im von DB Fernverkehr bewirtschafteten Bordrestaurant: Auch hier wurde der Schienenradler stets sehr zuvorkommend bedient, die sonst nicht gerade seltenen Teil- oder Komplettausfälle des Restaurants wegen personeller oder technischer Probleme kommen auf der Strecke Wien – Frankfurt kaum vor.

Fazit: Wenn man Zeit hat und entspannt reisen möchte, ist der ICE auf der Strecke Wien – Frankfurt mit Abstand das komfortabelste Verkehrsmittel: Man sitzt bequem und kann die Zeit zum Arbeiten, Lesen und Schlafen nutzen, ein Frühstück oder Mittag- bzw. Abendessen im Bordrestaurant sorgt zusätzlich für etwas Abwechslung auf der langen Fahrt. Platz gibt es auch meistens genug, außer zu den Pendler-Spitzenzeiten am Freitagnachmittag und Sonntagabend ist die Auslastung der ICE auf der Strecke Wien – Frankfurt – Wien nicht besonders hoch.

Gemütlich über Nacht im ÖBB-Nightjet

Wer nicht Zeit und Lust hat, tagsüber fast sieben Stunden im Zug zu sitzen, kann auf den von den ÖBB betriebenen Nachtzug Wien – Düsseldorf – Wien ausweichen. Der Zug bietet Sitz-, Liege- und Schlafplätze sowie Auto- und Fahrradtransport. Mit einer Abfahrt in Frankfurt-Süd Richtung Wien nach Mitternacht und einer Ankunft aus Wien ebendort schon vor 5.30 Uhr sind die Zeiten für Frankfurt allerdings grenzwertig. Kompensiert wird das durch den erstklassigen Service, den die ÖBB gemeinsam mit ihrem Partner Newrest Wagons Lits an Bord bieten. Im Schlaf- und Liegewagen ist ein reichhaltiges Frühstück sowie Wasser für die Nacht inklusive, Schlafwagenreisende bekommen noch zusätzlich einen Willkommensdrink, eine Zeitung und zahlreiche Accessoires wie Hausschuhe, Ohrstöpsel etc. dazu.

Ab Dezember dieses Jahres wird der Komfort auf dieser Verbindung weiter steigen: Unter der neuen Bezeichnung Nightjet weiten die ÖBB ihren Nachtzugverkehr in Europa deutlich aus. Statt zwar sehr gepflegten, aber schon viele Jahrzehnte alten Schlafwagen kommen künftig wesentlich modernere „Comfortline“-Wagen vom Typ WLABmz173.1 zum Einsatz, die die ÖBB von der DB übernommen und gründlich aufgefrischt haben. Auch neue Bettwäsche sowie teilweise neue Matratzen spendieren die ÖBB ihren Fahrgästen.

Graz – Salzburg – Frankfurt: lange Fahrt mit hohem Komfort

Sehr zufrieden war der Schienenradler auch mit seiner kürzlich unternommenen Reise von Graz über Salzburg und München nach Frankfurt: Zunächst ging es mit dem EC 164 „Transalpin“ Graz – Zürich bis Bischofshofen, von dort dann mit dem EC 112 Zagreb/Klagenfurt – Frankfurt an den Main. In den bequemen und bis auf die wie üblich völlig verdreckten Fenster sehr gepflegten ÖBB-Fernverkehrswagen verging selbst diese fast zehn Stunden dauernde Fahrt fast wie im Flug. Dazu trug auch ein Besuch im vom österreichischen Unternehmen Henry am Zug bewirtschafteten Speisewagen bei, in dem Qualität von Speisen und Service keine Wünsche offen lassen. Trotz der sehr langen Strecke – Zagreb trennen von Frankfurt fast 1000 Kilometer – erreichte der EC 112 Frankfurt sogar eine Minute vor der planmäßigen Ankunftszeit.

Das mehr als erfreuliche Resümee des Schienenradlers: Die Bahn ist eigentlich viel besser als ihr Ruf. Zumindest im Verkehr zwischen Deutschland und Österreich. Hoffentlich bleibt das auch weiter so.

ÖPNV-Baustellen: Prag macht’s besser als Frankfurt

P1080558

Deutlicher geht es kaum: Hinweis auf den Busersatzverkehr in der Prager U-Bahn-Station Roztyly. Daneben ein auffälig gekleideter Info-Mitarbeiter mit Flyern in der Hand. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Kürzlich auf der Fahrt in der um fast zehn Minuten verspäteten S-Bahn vom Flughafen Frankfurt Richtung Stadt: „Nächster Halt, Frankfurt(Main)Hauptbahnhof. Diese Fahrt endet dort. Die Deutsche Bahn und der Rhein-Main-Verkehrsverbund würden sich freuen, sie bald wieder begrüßen zu dürfen. – Next stop: Frankfurt main station. Terminus, please unlight.“ Kein Wort über die baubedingte Sperre des S-Bahn-Tunnels, kein Wort über Ausweichmöglichkeiten. Nur ein kleines Plakat im Einstiegsbereich der Bahn, das bereits von einer etwas größeren Tasche verdeckt wird, kaum lesbar und zudem nur auf Deutsch abgefasst ist, informiert über die wochenlange Großbaustelle auf einer der wichtigsten S-Bahn-Strecken Deutschlands. Die Folge: Auf dem Bahnsteig in der oberen Halle des Frankfurter Hauptbahnhofs stehen Dutzende ratlose Touristen, Personal, das ihnen den richtigen Weg in die Stadt weisen könnte, ist an diesem Sonntagabend einmal mehr keines zu sehen. Das gleiche Bild bot sich kurz zuvor im Flughafen-Regionalbahnhof: Keine auffälligen Infoplakate, keine Durchsagen, kein Personal.

Prag macht’s besser

Wie man es besser macht, davon konnte sich der Schienenradler Anfang Juli in Prag überzeugen: Wegen dringender Gleisbauarbeiten war dort für einige Tage die am stärksten belastete U-Bahn-Linie C zwischen der Innenstadt und der über 100 000 Einwohner zählenden Südstadt gesperrt. Durchsagen und große Infoplakate im gesamten ÖPNV-Netz informierten über die Unterbrechung. Obwohl man für die Arbeiten die erste Ferienwoche, in der noch dazu gleich zwei aufeinanderfolgende Feiertage zu liegen kamen, ausgewählt hatte und sich dadurch das Fahrgastaufkommen deutlich reduziert hatte, war der Ersatzverkehr auf dem gesperrten U-Bahn-Abschnitt generalstabsmäßig organisiert: Drei verschiedene Ersatzbuslinien – eine ganz schnelle, eine schnelle und eine, die alle Zwischenhalte bedient – waren im Einsatz.

In der Stoßzeit fuhr jede Minute ein Bus. Insgesamt hatte der städtische Prager Verkehrsbetrieb DPP nicht weniger als 68 Gelenkbusse und 108 Fahrer für den Ersatzverkehr bereitgestellt – und das ganz aus eigenen Ressourcen, ohne Beauftragung von Fremdunternehmen. 

In den U-Bahn-Stationen wiesen große Hinweistafeln den Fahrgästen den Weg zu den Bussen, zusätzlich war reichlich Personal vorhanden, das auf Tschechisch und Englisch Auskunft gab und zweisprachige Infoblätter mit Alternativrouten verteilte. 

Weil die U-Bahnen in manchen Stationen vom falschen Gleis abfuhren, waren Mitarbeiter auch auf dem Bahnsteig präsent, die bei Einfahrt einer U-Bahn einfache Papptafeln mit Pfeilen und dem jeweiligen Fahrtziel hochhielten. Zusätzlich liefen entsprechende Ansagen auf Tschechisch und Englisch, die man extra für den Anlass aufgenommen hatte.

Fazit: Die Sperre war unangenehm, brachte verlängerte Reisezeiten und zusätzliches Umsteigen. Aber dank der perfekten Organisation und der umfassenden Information fühlte man sich als Fahrgast gut betreut. Vielleicht sollten die Verantwortlichen von Deutscher Bahn (DB), Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) und Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) zur nächsten Großbaustelle im U-Bahn-Netz einmal einen Ausflug nach Prag machen. Zu lernen in Sachen ÖPNV gäbe es in der tschechischen Hauptstadt so einiges – nicht nur Baustellenorganisation und Fahrgastinformation betreffend.

Stillstand auf der Rolltreppe

IMG_20160525_094312

Steht seit Wochen still: Die Rolltreppe zu den S-Bahnsteigen an der Station Konstablerwache. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Ein großer Koffer zwang mich heute wieder einmal dazu, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ins Büro zu fahren. Zunächst aber muss ich einen längeren Fußmarsch unternehmen: Wegen der Großbaustelle in der Eckenheimer Landstraße ist die Stadtbahnlinie U5 noch bis Ende August unterbrochen. Am der Haltestelle Friedberger Platz angekommen, lasse ich den U5-Ersatzbus abfahren und warte stattdessen auf die Straßenbahn, die sich in einer Autokolonne langsam an die Station herantastet. Die übrigen Fahrgäste tun es mir gleich: Niemand hat Lust auf die große Schleife um den Häuserblock, die der Bus in Fahrtrichtung Konstablerwache macht. Erst recht nicht im dichten Frühverkehr. Eine Lösung, die vielleicht den Betrieb vereinfacht, für die Fahrgäste aber mehr als unpraktisch ist.

IMG_20160525_093245

Ersatzbus für die Stadtbahnlinie U5 in der Friedberger Landstraße. (Foto: Daniel Kortschak)

An der Konstablerwache zwänge ich mich gemeinsam mit meinem Koffer und mehreren Fahrgästen sowie einem Kinderwagen in den Aufzug: Inzwischen stehen beide Rolltreppen vom Zwischengeschoß (B-Ebene) zu den S-Bahnsteigen still. Eine der beiden Fahrtreppen ist wie kürzlich berichtet bereits seit Wochen defekt. Ich habe übrigens der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) Unrecht getan: Zwar fallen die allermeisten Rolltreppen in der Gemeinschaftsstation Konstablerwache in die Zuständigkeit des städtischen Verkehrsbetriebs, jene, die direkt von der B-Ebene zur S-Bahn führen, gehören aber der Deutschen Bahn. Ob und wann der bundeseigene Verkehrskonzern an eine Reparatur der wichtigen Abstiegshilfe denkt, ist nicht herauszufinden.

Wenige Minuten später an der S-Bahn-Station Galluswarte staune ich einmal mehr über die große Menge an Taubenkot, der sich unter der S-Bahn-Brücke ansammelt. Bereits seit Jahren streiten Stadt Frankfurt und Deutsche Bahn darüber, wer für die Abwehr der Tauben und die Entfernung ihrer wenig appetitlichen Ausscheidungen zuständig ist. Bisher offenbar ohne Ergebnis. Eine weiterer von vielen Missständen im Frankfurter Nahverkehr.

IMG_20160525_095441

Wenig appetitlich: Taubenkot an der S-Bahn-Haltestelle Galluswarte. (Foto: Daniel Kortschak)

Eine S-Bahn-Fahrt ins Blaue

IMG_20160512_094121

Fahrt ins Blaue: Das scheint uns der Info-Bildschirm in der S-Bahn Rhein-Main sagen zu wollen. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Das Regenwetter hat mir heute nach langer Zeit wieder einmal eine Fahrt mit dem ÖPNV beschert. Wegen der Großbaustelle auf der U5 führt mich der Weg ins Büro zunächst an die Friedberger Landstraße. Von der Haltestelle Hessendenkmal geht es dann mit Bus oder Straßenbahn bis zu Konstablerwache, von dort mit der S-Bahn zur Galluswarte. Diesmal habe ich Glück: Nach wenigen Minuten kommt eine Straßenbahn, an der Konstablerwache fährt genau in dem Moment die richtige S-Bahn ein, als ich am Bahnsteig ankomme. Zu Fuß übrigens, denn die Rolltreppe von der B-Ebene zum Bahnsteig ist bereits seit Tagen kaputt. Anzeichen, dass sich die dafür zuständige Deutsche Bahn* an die Reparatur machen würde, sind keine zu erkennen. Ein toller Service für die Fahrgäste, erst recht solche, die nicht mehr so gut zu Fuß sind oder Gepäck dabei haben. Man kann nur hoffen, dass die Wiederinbetriebnahme der Rolltreppe nicht ganz so kompliziert wird wie die Sanierung der nahe gelegenen Toilette, an der die Stadt Frankfurt seit Jahren scheitert.

In der Zeitmaschine

In der S-Bahn wundere ich mich einmal mehr über die Anzeige auf dem Fahrgastinformationssystem: Die LED-Displays an den Wagenübergängen sind bei der Uhrzeit 9.09 Uhr eingefroren. Immerhin zeigen sie diesmal das richtige Datum an. Kürzlich hatte ich in einer Frankfurter S-Bahn das Gefühl, in einer Zeitmaschine zu fahren: Die Uhrzeit lag um viele Stunden zurück, das Datum um mehrere Jahre. Auf den Infobildschirmen, die normaler Weise das Fahrtziel und die nächsten Haltestellen sowie etwaige Fahrplanabweichungen und Anschlüsse anzeigen, ist heute wieder einmal nur der blaue Hintergrund und ein grauer Balken zu sehen. Und – immerhin – die aktuelle Uhrzeit. Eine Fahrt ins Blaue also, im wahrsten Sinne des Wortes.

IMG_20160512_094131

Falsche Uhrzeit, richtiges Datum: Info-Display in der S-Bahn Rhein-Main. (Foto: Daniel Kortschak)

Eine solche kann man mit vielen Zügen der S-Bahn Rhein-Main unternehmen, einwandfrei funktionierende Fahrgastinformationssysteme sind gefühlt eher die Ausnahme als die Regel. Das ist angesichts der Tatsache, dass die Fahrzeuge entweder so gut wie fabrikneu (Baureihe 430) oder frisch generalüberholt und modernisiert (Baureihe 423) sind, keine tolle Performance. Offenbar hat die Deutsche Bahn wieder einmal nach dem Motto „Hauptsache billig“ eingekauft. Ob es dann auch funktioniert, scheint Nebensache zu sein.

Wenigstens bin ich diesmal auch mit dem ÖPNV pünktlich ins Büro gekommen. Überpünktlich sogar. Von Tür zu Tür in weniger als einer halben Stunde, trotz der Sperre meiner Hauslinie U5 und eines nächtlichen Brandes im S-Bahn-Tunnel, bei dem die Sicherungsanlage beschädigt wurde, ist wohl neuer Rekord. Da verzeiht man dem Frankfurter Nahverkehrssystem sogar dauerkaputte Rolltreppen und gestörte Fahrgastinformationssysteme.

* Ursprünglich hatte ich geschrieben, dass die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) für die kaputte Rolltreppe zuständig sei. Weitere Recherchen haben ergeben, dass die VGF zwar in der Tat für fast alle Rolltreppen in der Gemeinschaftsstation Konstablerwache zuständig ist, die Fahrtreppen, die direkt von der B-Ebene zu den Bahnsteigen führen, aber in den Verantwortungsbereich der Deutschen Bahn fallen. Bitte um Entschuldigung!

Steirer-Treffen in Holland

ArnhSprinter

Sprinter-Triebwagen der holländischen Bahn NS in Arnhem Centraal. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

26. April 2016, kurz nach halb zwölf: Ich habe eben den Bahnhof der holländischen Kleinstadt Oss verlassen will ein Taxi nehmen. Doch unter dem blauen „TAXI“-Schild herrscht gähnende Leere. Kein Taxi, kein Hinweis auf die Telefonnummer der Funkzentrale. Im Bahnhof habe ich auch nicht mehr Glück: Kein Personal, nirgendwo eine Taxinummer. Erst mit meinem Smartphone – zum Glück gibt es in Holland beinahe flächendeckend kostenloses WLAN – finde ich die Nummer heraus. Es würde 15 bis 20 Minuten dauern, sagt die Dame am anderen Ende der Leitung. Na toll. Inzwischen geht ein heftiger Graupelschauer nieder, ich drücke mich in einen Hauseingang.

Nach einiger Zeit erscheint ein schwarzer Mercedes – mein Taxi. Ich spreche den Fahrer auf Englisch an, nenne die Adresse. Als wir im Auto sitzen, fragt er mich, ob ich Deutscher sei. „Nein, Österreicher“. Daraufhin verfällt der ältere Herr sofort in einen mir sehr bekannten Dialekt: Ein Steirer! Es stellt sich heraus, dass der Taxifahrer aus Köflach in der Weststeiermark stammt, 40 Kilometer von meiner Heimatstadt Graz entfernt. Seit 40 Jahren lebt er in Holland, in ein paar Tagen fliegt er wieder auf Besuch in die alte Heimat. Die Welt ist klein. Inzwischen sind wir an der Fabrik im Industriegebiet angekommen, verabschieden uns, ich wünsche gute Reise und schöne Grüße in die Steiermark.

Oss hat knapp 60 000 Einwohner, liegt etwa auf halbem Weg zwischen Nijmegen und ’s-Hertogenbosch und ist ein bedeutender Standort der Lebensmittelindustrie. Es war also eine Dienstreise, die mich in diese bisher unbekannte Stadt geführt hat. Die Anreise führte mich zunächst mit dem „ICE International“ Frankfurt – Amsterdam bis Arnhem. Nachdem ich ein wenig Schlaf nachgeholt, mich auf meinen Termin vorbereitet und mich mit einem guten Frühstück im Bordrestaurant gestärkt habe, erreichen wir pünktlich Arnhem. Ich staune über den modernen Bahnhof: helle, breite Bahnsteige, ein geräumige Unterführung und eine Bahnhofshalle mit gewagt geschwungener Decke.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Entworfen hat das futuristische Gebäude der niederländische Architekt Ben van Berkel, der unter anderem in den Büros von Santiago Calatrava und Zaha Hadid gearbeitet hat. Das sieht man dem Bahnhof von Arnhem deutlich an: Die kühn geschwungene Bahnhofshalle weckt sofort Assoziationen zu den Gebäuden von Zaha Hadid, die weit ausholenden, weiß gestrichenen und großzügig verglasten Bahnsteigdächer erinnern an Calatravas Bahnhöfe, etwa Liège-Guillemins in Belgien oder Reggio Emilia AV – Mediopadana in Norditalien.

Bei meinem kurzen Rundgang durch und um den Bahnhof stelle ich fest, dass auch die für Arnhem typischen Oberleitungsbusse zwei neue Haltestellen bekommen haben: Eine direkt vor dem Bahnhof, die andere neben der Bahnhofshalle unter dem angrenzende Hochhaus. Relativ neu sind auch die von der Schweizer Firma Hess gelieferten „Swisstrolley“-Gelenkobusse.

IMG_20160426_105133

Für kurze Strecken ausreichender Komfort: modernisierter Intercity-Triebwagen der Nederlandse Spoorwegen (Foto: Daniel Kortschak)

Nach dieser kleinen Erkundungstour und einem Einkauf am Kiosk geht es mit dem Intercity weiter nach Oss. Die Doppelstocktriebzüge aus den frühen 1990er-Jahren wurden recht ansprechend modernisiert, kommen in Sachen Komfort aber nicht annähernd an deutsche oder österreichische IC-Wagen heran. Doch die Entfernungen in Holland sind kurz, die meisten Fahrgäste fahren nur ein paar Stationen weit. Auch in punkto Sauberkeit herrschen in den Niederlanden andere Standards: Klebrige Flecken und Speisereste auf dem Fußboden scheinen niemanden zu stören.

Screenshot_2016-04-26-11-24-33

Bordinfo-Portal und Internet-Zugang in einem niederländischen IC-Zug. (Screenshot)

Dafür bietet die staatliche Bahngesellschaft Nederlandse Sporwegen (NS) in den meisten IC-Zügen kostenlosen Internetzugang an und zwar ganz unkompliziert und ohne Registrierung. Ein Haken bei den Nutzungsbestimmungen und schon ist man online. Das zugeigene Intranet informiert außerdem über die nächsten Halte, Anschlüsse und eventuelle Störungen. Etwas, was die Deutsche Bahn seit einiger Zeit mit ihrem ICE-Portal auch anbietet, doch auf meiner Reise Frankfurt – Arnhem war das System einmal mehr defekt. Und der Internetzugang bleibt bei der DB in der zweiten Klasse kostenpflichtig.

Die Rückfahrt aus Oss am selben Tag verläuft analog zur Hinreise über Arnhem. Den halbstündigen Aufenthalt nutze ich für einen kurzen Spaziergang durch die Stadt, wo gerade die letzten Vorbereitungen für den Königstag am 27. April laufen, sowie einen Einkauf im Supermarkt auf dem Bahnhofsplatz. Die Weiterfahrt mit dem ICE nach Frankfurt verläuft ebenfalls problemlos und absolut pünktlich. Für ein wenig Aufregung sorgen lediglich die  paar auffällig unauffällig gekleideten Herren, die in Duisburg zusteigen. Kaum hat sich der Zug in Bewegung gesetzt, zücken sie ihre Dienstausweise: „Der deutsche Zoll, Kontrolle“. Einige Fahrgäste, die ihrem Aussehen nach vielleicht nicht aus Deutschland oder den Niederlanden stammen, müssen ihre Fahrkarten und Ausweise zeigen, bei einem Fahrgast mit dunklerer Hautfarbe wird das Gepäck durchsucht. Die Verständigung gestaltet sich dabei schwierig, die deutschen Zollbeamten sprechen nämlich so gut wie kein Englisch.

Am Frankfurter Flughafenbahnhof steigt dann noch einmal der Zoll zu, diesmal in Uniform. Wieder werden von einzelnen Passagieren die Ausweise verlangt, wieder wird Gepäck durchsucht. Doppelt hält besser, denkt man sich offenbar beim Zoll. Oder kommunizieren die einzelnen Dienststellen am Ende nicht miteinander? Kaum vorstellbar bei einer Bundesbehörde. Oder doch?

Größer ist auch nicht besser

imageVon Daniel Kortschak

Der Test ist geschlagen: Der auf dem neuen Smartphone deutlich größer angezeigte Aztec-Code des DB-Handytickets lässt sich genauso gut oder schlecht scannen wie der kleine Code auf dem alten Handy. Dreimal hat es auf der kleinen Rundreise durch Bayern und Böhmen funktioniert, einmal nicht. Im Gegensatz zu ihrer forschen Kollegin aus Stuttgart beließ es die Zugchefin aber diesmal bei einem „Is‘ scho‘ guat“ und zog leise vor sich hingrantelnd weiter.

Bei den Tschechischen Bahnen verlief der Handyticket-Test ohne Probleme. Gescannt wurde es aber nur einmal von der Schaffnerin – pardon: Stewardess – im Premiumzug „Supercity Pendolino“ auf der Fahrt von Pilsen nach Marienbad.

Im Schnellzug Eisenstein – Pilsen ließ sich der Zugchef mit der Rübezahl-Haarpracht im Gesicht und auf dem Kopf  von mir lieber den Buchungscode diktieren. Der reicht nämlich in Verbindung mit dem bei der Fahrkartenbestellung angegebenen Ausweis völlig aus, das Zugpersonal hat mit seinem Kontrollgerät jederzeit Zugriff auf den Buchungsserver. Das hat seine Vorteile: Notiert man sich den Code zusätzlich auf einem Zettel, muss man nicht befürchten, wegen eines leeren Handyakkus aus dem Zug geworfen zu werden.

Die Schaffnerin im Schnellzug Marienbad – Eger wiederum hat mich auf der kurzen Fahrt wohl übersehen, keine Ahnung ob bewusst oder unbewusst, jedenfalls ging sie, nachdem sie einen kurzen prüfenden Blick durch die geschlossene und dunkel getönte Glastür ins Abteil geworfen hatte, einfach weiter.

Reisebericht folgt

Ein ausführlicher Reisebericht mit der Vorstellung eines bayerisch-böhmischen Eisenbahnkuriosums, Eindrücken vom beeindruckend guten öffentlichen Stadtverkehr in Pilsen, einem Besuch bei einem det kleinsten Obus-Betriebe der Welt im berühmten Kurort Marienbad, einer Fahrt im Geisterzug über die Grenze und einem wenig erfreulichen Aufenthalt in Hof, folgt in Kürze hier.

Neues Smartphone – extra für die Deutsche Bahn

Von Daniel Kortschak

HdyTikVor kurzem habe ich mir ein neues Smartphone zugelegt, mit deutlich größerem Display. Quasi als Ersatz für mein iPad, das ich beim Jobwechsel abgeben musste. Aber der eigentliche Grund für die Anschaffung war natürlich jene freundliche DB-Schaffnerin, die sich Mitte März auf der spätabendlichen Fahrt von Stuttgart nach Frankfurt so fürchterlich darüber aufgeregt hatte, dass der Aztec-Code des Handytickets auf dem Display so klein dargestellt wurde. Ich hoffe, der Code ist auf dem neuen Handy jetzt groß genug, liebe Deutsche Bahn.

Vielen Dank übrigens für das Lesezeichen, das gemeinsam mit meiner neuen Comfort-Bahncard in gewohnt edler Verpackung zu mir nach Hause geflattert ist: ein rotes Herz mit dem Spruch „Hier bin ich gestern ausgestiegen.“ Eine nette Idee! (Foto s. unten)

Innovative App der Tschechischen Bahnen

CDBei den Nachbarn in Tschechien ist der Code in der App übrigens auch auf dem Riesendiesplay deutlich kleiner, bin schon gespannt, ob er sich auch diesmal wieder so problemlos einlesen lässt wie bei den letzten Reisen, damals allerdings noch vom alten Smartphone bzw. vom iPod Touch. Hilfreich bei der App der Tschechischen Bahnen (České dráhy) ist auf jeden Fall, dass die Displaybeleuchtung auf maximale Helligkeit wechselt, sobald man das Handyticket aufruft. Das erleichtert das Einlesen deutlich.

Auch sonst ist die klar und übersichtlich gestaltete App ein Hit: Der persönliche Reisemanager erinnert rechtzeitig ans Um- oder Aussteigen und informiert über eventuelle Verspätungen und Gleisänderungen. Dazu gibt es umfassende Informationen zu jedem Bahnhof in Tschechien – und das sind im Land mit dem dichtesten Eisenbahnnetz Europas sehr viele. Man erfährt etwa die Öffnungszeiten des Reisezentrums oder der Gepäckaufbewahrung und wird über akzeptierte Zahlungsmittel und den Fahrradverleih informiert. Und auch die wichtigste Frage beantwortet die App „Můj vlak“ („Mein Zug“): ob es eine Gaststätte oder wenigstens ein Buffet am Bahnhof gibt.

Sehr praktisch ist außerdem die Möglichkeit, die Fahrpläne aus ganz Europa auf das Smartphone herunterzuladen. So kann man ohne Roaminggebühren auch im Ausland Zugverbindungen abfragen. Oder zum Beispiel im Flugzeug offline nachschauen, wann die nächste S-Bahn vom Flughafen abfährt. Sobald eine Netzverbindung besteht, werden die gespeicherten Fahrplandaten automatisch aktualisiert. Dank dieser Funktion nutze ich die App der Tschechischen Bahnen auch weitab ihrer eigentlichen Heimat. In Frankreich zum Beispiel hat sie mir schon wertvolle Dienste erwiesen, als ich streikbedingt im Nirgendwo der Auvergne zu stranden drohte.

Lesezeichen

Ein nettes Lesezeichen als Geschenk zur neuen Bahncard mit Comfort-Status. (Foto: Daniel Kortschak)

 

 

Leihrad statt S-Bahn

CaB

Während der Sperre des Frankfurter S-Bahn-Tunnels eine halbe Stunde kostenlos: Leihrad der Deutschen Bahn. Foto: Daniel Kortschak

Von Daniel Kortschak

Ganz schlechter Start in den Mittwochmorgen: Als ich in den Innenhof gehe, um mein Fahrrad zu holen, stelle ich fest, dass der Vorderreifen wieder einmal platt ist. Mist, ich bin ohnehin schon spät dran und die U-Bahn fährt auch nicht. Bleibt als Alternative nur ein Leihrad von „Call a Bike„. Ich starte die entsprechende App auf meinem Smartphone und habe Glück: Irgendjemand hat eines der Bahn-Leihräder direkt bei mir um die Ecke außerhalb einer der gekennzeichneten Stationen abgestellt. Das ist zwar nicht elaubt und kostet den letzten Nutzer fünf Euro Strafzuschlag, kommt mir aber gelegen: Trotz der Panne bin ich fast noch pünktlich im Büro. Und Kosten entstehen mir auch keine: Derzeit ist nämlich eine halbe Stunde pro Fahrt bei „Call a Bike“ gratis. Als kleine Entschädigung für eine weitere Großbaustelle im Frankfurter Nahverkehr.

Seit 27. März und noch bis 11. April ist nämlich der zentrale S-Bahn-Tunnel unter der Frankfurter Innenstadt gesperrt. Die Deutsche Bahn nutzt die Osterferien, um weiter an der Errichtung eines modernen elektronischen Stellwerks zu arbeiten und diverse Instandhaltungs- und Reinigungsarbeiten durchzuführen, die die angejahrten Bahnalagen auch bitter nötig haben.

Die S-Bahnen Richtung Flughafen, Mainz und Wiesbaden beginnen und enden während der Sperre im oberirdischen Teil des Frankfurter Hauptbahnhofes. Richtung Hanau und Offenbach fahren die Züge – ebenfalls von den Ferngleisen des Hauptbahnhofs – eine Umleitung über den Frankfurter Südbahnhof und Offenbach Hauptbahnof. Die Züge Richtung Messe, Friedberg und Bad Vilbel beginnen und enden teilweise an der Galluswarte, einzelne Züge fahren auch bis in den unterirdischen Teil des Hauptbahnhofs.

Nach wie vor schlecht ist die Fahrgastinformation: Info-Durchsagen über die geänderte Linienführung waren erst Tage nach Beginn der Sperre in den S-Bahnen zu hören. Wie auch die – viel zu klein geratenen – Info-Plakate sind sie nur in deutscher Sprache verfasst. Eine Peinlichkeit in einer durch internationales Publikum geprägten Stadt wie Frankfurt, erst recht zu Messezeiten und auf der Flughafen-S-Bahn. Und in der Station Konstablerwache schicken die nicht abgedeckten Leuchtwegweiser die Fahrgäste immer noch auf den gesperrten S-Bahnsteig. Offenbar scheitert die Verkehrsgesellschaft Frankurt (VGF), die für die Wegweiser in dieser gemeinsamen S- und U-Bahn-Station zuständig ist, sogar an der einfachen Aufgabe, ein paar Schilder mit Klebeband durchzustreichen. In Wien würde man diese Haltung mit „weil’s eh wurscht is'“ umschreiben.

Chaos in der Straßenbahn

Ausweichen müssen die Fahrgäste zwischen Hauptbahnhof und Konstablerwache auf die U-Bahn-Linie 4, die mit längeren Zügen und in dichteren Abständen fährt. Dennoch wird es hier zu den Stoßzeiten ordentlich voll. Von und zur Galluswarte bleiben als Alternative nur die Straßenbahnlinien 11 und 21, die zu den Hauptverkehrszeiten aus allen Nähten platzen. Hinzu kommt, dass die Bahnen in der Mainzer Landstraße stark durch den Individualverkehr behindert werden. Undisziplinierte Autofahrer, die ohne Rücksicht auf die herannahende Straßenbahn den völlig unzureichend von der Fahrbahn abgetrennten Gleiskörper befahren, wenden oder links einbiegen, sorgen ständig für Verzögerungen und gefährliche Situationen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein Unfall die Straßenbahn behindert.

Unvorteilhafte Ampelschaltungen, die den öffentlichen Verkehr massiv bremsen und disziplinlose Fahrgäste, die in bereits völlig überfüllte Bahnn drängen und die Türen am Schließen hindern, machen das Chaos perfekt. Hatte die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) bei der letzten großen S-Bahn-Sperre im vergangenen Sommer noch Einschubstraßenbahnen zwischen Hauptbahnhof und Galluswarte eingesetzt, die über die Ende 2014 stillgelegten, aber für diesen Anlass provisorisch wieder in Betrien genommenen Gleisanlagen in der Kleyerstraße wendeten, so bleiben derartige Verstärkungsmaßnahmen diesmal aus. Offenbar herrscht beim städtischen Nahverkehrsbetrieb einmal mehr akuter Fahrzeug- und Personalmangel. Oder es scheitert mal wieder am Geld.

L21V

Verstärkerfahrt der Linie 21 an der Galluswarte während der S-Bahn-Sperre im Sommer 2015. Die Straßenbahnen nutzten die Kleyerstraße zum Wenden Foto: Daniel Kortschak

Zumindest bei gutem Wetter sind die Bahn-Leihräder von „Call a Bike“ eine sehr braucbare Alternative zur S-Bahn. Entleih- und Rückgabestationen befinden sich an allen von der Sperre betroffenen Stationen sowie fast im gesamten Stadtgebiet. Und ist der Reifen am eigenen Fahrrad wieder einmal der Glasscherbenorgie auf den Frankfurter Straßen zum Opfer gefallen, helfen einem die praktischen rot-silbrigen Gefährte auch gut aus der Patsche. Dennoch ist jetzt endgültig der Zeitpunkt gekomen, wo ich mir auch für das Vorderrad einen pannensicheren Reifen anschaffe. Kostet zwar erstmal ein wenig Geld, spart aber auf lange Sicht den Kauf von Flickzeug oder neuen Schläuchen – und Zeit und Nerven obendrein.