Locomore: besser als die Deutsche Bahn?

P1140697

Locomore-Zug in Berlin Zoologischer Garten. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Seit einigen Monaten fährt der private Fernzug Locomore von Stuttgart über Frankfurt nach Berlin. Ist dieses Angebot wirklich besser als der ICE der Deutschen Bahn? Eine Testfahrt.

Sonntagmorgen in Frankfurt, die Fahrt mit dem Locomore hat noch nicht einmal begonnen, da zeigt sich bereits ein entscheidender Nachteil gegenüber der Deutschen Bahn: Im Fahrpreis ist kein Cityticket für die Nutzung des ÖPNV am Ausgangs- und Zielort enthalten. Außerdem hält der Zug nur am Südbahnhof, der für den Schienenradler sonntags so früh am Morgen nur umständlich mit Bus oder Bahn erreichbar ist. Also macht die Deutsche Bahn doch noch ein Geschäft mit dieser Reise und zwar in Gestalt ihrer Car- und Bikesharing-Tochter DB Rent. Mit dem Call-a-Bike-Leihrad ist der Südbahnhof in rund 15 Minuten erreicht. Mit einem Euro kostet die Fahrt außerdem gerade einmal ein Drittel dessen, was für eine U-Bahn-Fahrkarte fällig würde.

Auf der Suche nach dem Locomore-Zug

Am Südbahnhof angekommen, beginnt dann die Suche nach dem Locomore-Zug: Die elektronische Abfahrtstafel hängt dort nämlich nicht in der Bahnhofshalle, sondern in der Unterführung zu den Bahnsteigen. Und sie kehrt den aus Richtung Stadt eintreffenden Fahrgästen den Rücken zu. Offenbar meint die Deutsche Bahn, dass der Großteil der Reisenden den Bahnhof über den Hintereingang in der Mörfelder Landstraße betritt. Aber eigentlich auch egal, denn etwa 15 Minuten vor Abfahrt scheint der Locomore noch nicht auf der Anzeigetafel auf. Zu viele S-Bahnen und Regionalzüge sowie der wegen Bauarbeiten wieder einmal über den Südbahnhof umgeleitete ICE machen sich dort breit. Nächster Versuch am gelben Fahrplanaushang. Auch dort ist in der 8.00-Spalte keine Spur vom Locomore. „Beachten Sie bitte auch die zusätzlichen Züge auf dem Extra-Aushang“ informiert ein schief angeklebtes Zettelchen in der Vitrine. Und tatsächlich, nach einigem Suchen fällt der Blick auf diesen Extra-Aushang, der als einzigen Zug den Locomore von Stuttgart nach Berlin beinhaltet. Abfahrt soll demnach von Bahnsteig 8 sein. Die Fahrkarte meint hingegen, der Zug führe von Bahnsteig 7 ab. Egal, die beiden Bahnsteige liegen gegenüber und sind mit einer Treppe erreichbar. Kurz darauf taucht der Locomore auch auf der elektronischen Anzeigetafel auf. Auch hier steht Bahnsteig 8.

Wo ist mein Wagen?

Oben am Bahnsteig warten bereits zahlreiche Reisende. Die Anzeige verspricht die pünktliche Einfahrt auf Bahnsteig 8. Auch auf den dort ausgehängten Wagenstandsanzeiger hat es der Locomore geschafft. Nicht auf ein Extra-Blättchen, sondern als auf den ersten Blick erkennbarer orangener Exot mitten zwischen die gelb-rot-grünen Wagenreihen der DB-Züge und die vorwiegend blauen ÖBB-Nightjets. Nur noch wenige Minuten bis zur Abfahrt. Doch plötzlich wechselt die Anzeige auf „Achtung Zugfahrten!“. Kurz darauf nähert sich der Locomore, vorne die graue Lok des schwedischen Eisenbahnverkehrsunternehmens Hectorrail, das als Subunternehmer von Locomore die Beförderung der Züge besorgt, hinten dran die charakteristischen orangefarbenen Wagen. Doch der Zug muss vor dem Einfahrsignal halten und einen ICE der Konkurrenz vorbeilassen. Erst einige Zeit, nachdem der lange weiße Zug den Südbahnhof ohne Halt passiert hat, darf der Locomore an den Bahnsteig. Ansage gibt im Gegensatz zum am Nachbargleis kurz zuvor eingefahrenen RE nach Frankfurt-Stadion keine. Kaum hat der Zug gehalten, folgt die nächste Überraschung: Die Reihenfolge der Wagen ist genau umgekehrt, wie am Wagenstandsanzeiger angegeben. Wagen 10 ist folglich ganz vorne statt ganz hinten. Jetzt wird es hektisch auf dem Bahnsteig, die vielen Fahrgästen laufen auf der Suche nach ihrem Wagen hin und her. Wer nach Wagen 8 sucht, hat an diesem Tag Pech: Der fehlt überhaupt. Und selbst das Einsteigen ist nicht so einfach. Gleich mehrere Türen des Zuges lassen sich nicht öffnen: „Tür defekt. Bitte andere Tür nutzen“, ersucht ein Schild.

Im Inneren des Zuges geht das Gedrängel weiter: Ein Teil der Fahrgäste läuft nach vorne, der andere nach hinten. Mit Gepäck wird es zwischendurch ganz schön eng.Immerhin ist der unfreiwillige Marsch durch den Zug gleich eine gute Gelegenheit, die von Locomore modernisierten Waggons aus Beständen der Deutschen Bundesbahn, die zwischenzeitlich in den Niederlanden im Einsatz waren, zu besichtigen. Die mehr als ein halbes Jahrhundert alten Fahrzeuge haben eine aufgefrischte Inneneinrichtung mit neu bezogenen Sitzen, modernen Toiletten und teilweise eine Klimaanlage bekommen. Der Mehrzweckwagen bietet Stellplätze für einige Fahrräder und Kinderwagen, ein Dienstabteil für die Bordverpflegung und einen Kinderspielbereich. In den meisten Wagen wurden die Abteile mit sechs Sitzplätzen beibehalten. Im Business-Wagen, wo pro Abteil stets nur drei Plätze belegt werden, ist eine Hälfte als Großraumbereich mit grauen Ledersitzen ausgestattet. Anders als in der 1. Klasse der Deutschen Bahn und der meisten anderen europäischen Bahnen sind hier aber statt drei vier Sitze nebeneinander angeordnet, das Platzangebot ist dementsprechend nicht sehr üppig.

Ersatzwagen in erbärmlichem Zustand

Nach einiger Zeit erreicht der Schienenradler schließlich seinen reservierten Platz im Wagen 10, heute der erste Wagen hinter der Lok. Es ist einer der beiden Ersatzwagen im Zug, die Locomore so lange einsetzt, bis alle der zur Modernisierung nach Rumänien geschickten Altbau-Waggons wieder zurück sind. Im Gegensatz zu den Stammwagen verfügen die Ersatzwaggons über keine Steckdosen und kein WLAN. Und auch sonst ist jegliche Modernisierung an ihnen spurlos vorüber gegangen: Sie verströmen schon ziemlich verblassenden Charme der Deutschen Bundesbahn aus den späten 1980er Jahren. Es handelt sich um ehemalige Interregion-Wagen, die mit ihrer Kombination aus Abteil- und Großraumbereichen mit verschiedenen Sitzlandschaften seinerzeit durchaus innovativ waren. Inzwischen sind die mintgrünen Sitzbezüge arg abgewetzt und mit unzähligen Flecken unklarer Herkunft überzogen. Der graue Noppenboden ist abgetreten und hat wohl schon lange keinen feuchten Lappen mehr gesehen. Gleiches gilt für die Fenster, auf denen im Sonnenlicht neben einer durchgehenden Schmutzschicht außen auch ein schmierig-grauer Film innen sichtbar wird. Zudem sind die Fensterdichtungen in einem erbärmlichen Zustand, eiskalte Luft zieht zischend herein. Keine schöne Sache bei Tempo 200, erst recht nicht auf der Schnellfahrstrecke zwischen Fulda und Göttingen mit ihren langen Tunnels. Dort macht sich auch der fehlende Druckausgleich sehr unangenehm bemerkbar: In den Tunnels und bei Begegnungen mit bis zu 250 km/h schnellen ICE drückt es ordentlich aufs Trommelfell.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Abgesehen vom beklagenswerten Zustand es Waggons verläuft die Fahrt reibungslos. Bald nach Frankfurt kommt der Schaffner zur Kontrolle der Fahrkarte. Das ausgedruckte Online-Ticket wird mit dem Smartphone gescannt. Ausweis muss man keinen vorzeigen. Ein Handy-Ticket wie bei der Deutschen Bahn gibt es nicht, man kann aber den Fahrschein im PDF-Format auch auf dem Smartphone oder einem anderen Bildschirmgerät vorzeigen. Hauptsache, der Aztec-Code lässt sich einscannen. In Hanau, Fulda, Kassel, Göttingen, Hannover und Wolfsburg steigen jeweils einige Fahrgäste zu. Im Gegensatz zu Frankfurt Süd informieren dort auch die Bahnsteiganzeigen über die umgekehrte Reihung des Zuges und den fehlenden Wagen 8. Um den aufwändigen Fahrtrichtungs- und Lokwechsel in Hannover zu vermeiden, fährt der Locomore in einem großen Bogen über den Güterbahnhof Linden westlich um die niedersächsische Landeshauptstadt herum. Eine pfiffige Lösung, die noch dazu neue Aussichten bietet.

Wo bleibt der Am-Platz-Service?

Nach der Abfahrt in Hannover kündigt die etwas holprige und durch wiederholte, wohl durch einen Wackelkontakt verursachte Aussetzer zerhackte Durchsage des Zugchefs den Start des Am-Platz-Services an. Bis jetzt wurden die Fahrgäste stets zum Frühstück in den Wagen 5 gebeten. Doch der Catering-Trolley lässt sich nicht blicken. Als er bis Wolfsburg noch immer nicht aufgetaucht ist, macht sich der Schienenradler auf den Weg zu Wagen 5. Dort verkauft eine Mitarbeiterin aus einem engen, mit Vorräten vollgestopften Dienstabteil Speisen und Getränke. Das Angebot ist begehrt, es gibt eine Schlange, die durchgehenden Reisenden wie Zugpersonal im Weg steht und für Gedrängel sorgt. Alle Speisen und die meisten Getränke sind bio, die Preise sind moderat. Mit einem Kaffee – fairtrade und in einer kleinen Espressomaschine frisch zubereitet – und einer Salatbox geht es zurück an den Sitzplatz. Dieser Balanceakt macht im sehr vollen hinteren Teil des Zugs keinen Spaß und führt zu einigen hässlichen Kaffeeflecken. Zum Glück nur auf dem Boden und nicht auf der Hose. Dafür ist dann im Wagen 10 genug Platz zum Essen: Der Waggon bleibt von Frankfurt bis Berlin fast leer. Stammkunden kennen den jämmerlichen Zustand dieser Ersatzwagen offenbar und meiden sie bei der Buchung.

Berlin wird pünktlich erreicht. Anders als die Fernzüge der Deutschen Bahn halten die Locomore-Züge auch am Bahnhof Zoo. Der Schienenradler nutzt die Gelegenheit dort auszusteigen. Weiter geht es mit einem der direkt vor dem Bahnhof stationierten Leihfahrräder der Deutschen Bahn quer durch den Tiergarten Richtung Mitte. Ein wenig Bewegung tut gut nach viereinhalb Stunden im Zug. Und es tröstet über die auch in Berlin mit dem Locomore-Fahrschein nicht mögliche Weiterfahrt im ÖPNV hinweg.

Mit dem Lidl-Bike durch Berlin

Nachdem der Berliner Senat die Zusammenarbeit mit der Bahntochter DB Rent im vergangenen Herbst beendet hat, tritt das Leihradangebot der Bahn in Berlin jetzt als Lidl Bike auf. Der Lebensmitteldiscounter ist der neue Partner der DB und gibt den Fahrrädern ein giftgrünes Outfit. Die nagelneuen Fahrräder sind eine Weiterentwicklung der in anderen Städten eingesetzten Call a Bike. Der Verleih funktioniert ebenfalls über eine Smartphone-App oder per Anruf und ist mit einem bestehenden Call-a-Bike-Account kompatibel. Abstellen kann man die Fahrräder neuerdings an jeder Straßenkreuzung. Gibt man sie an einer der definierten Rückgabezonen ab, die sich vor allem an S-und U-Bahnstationen sowie vor wichtigen Sehenswürdigkeiten befinden, bekommt man 50 Cent Rabatt auf die Leihgebühr.

ICE: eindeutig komfortabler und nicht viel teurer

Zurück nach Frankfurt geht es dann im ICE der Deutschen Bahn. Mit 40,65 Euro ist der Sparpreis mit Bahncard-Rabatt nur wenige Euro teurer als das ebenfalls wenige Tage vor der Reise gebuchte Locomore-Ticket. Berücksichtigt man das Cityticket für die Nutzung des ÖPNV in Berlin und Frankfurt vor und nach der ICE-Fahrt, schmilzt der Preisunterschied fast auf null zusammen. Die Fahrt in einem Sechserabteil in der Ruhezone des ICE1 verläuft sehr angenehm. Obwohl diese Züge inzwischen auch schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert auf Deutschlands Schienen unterwegs sind, bieten sie immer noch sehr hohen Reisekomfort. Zwar nagt an der einen oder anderen Stelle der Zahn der Zeit, doch Zugluft und Druckwellen im Tunnel sind im ICE kein Thema. Und auch verschmierte Fenster oder defekte Türen sucht man hier vergeblich. Das Essen im Bordrestaurant wird auf gedeckten Tischen und in Glas und Porzellan serviert. Freilich zu deutlich höheren Preisen und Bio oder gar Fairtrade ist hier kein Thema.

Locomore: nicht besser, aber etwas billiger als die DB

Fazit: Der Locomore punktet vor allem durch günstige Preise. Beim Service gibt es keinen markanten Unterschied zur Deutschen Bahn. Beim Komfort hat die DB mit dem ICE klar die Nase vorne, der Intercity ist je nach Wagentyp etwas bequemer bis gleichwertig. Mit gut viereinhalb Stunden von Frankfurt nach Berlin ist die Reisezeit des Locomore durchaus konkurrenzfähig. Der ICE ist rund eine Virtelstunde bis 20 Minuten schneller. Nur einige wenige ICE-Sprinter schaffen die Fahrt vom Main an die Spree unter vier Stunden. Noch läuft beim Locomore noch nicht alles so wie es sollte, es gibt zu wenige Waggons und bei den Aushängen, Anzeigen und Ansagen offenbar Abstimmungsprobleme mit der Deutschen Bahn als Betreiberin der Bahnhöfe. Dennoch kann sich die DB von Locomore durchaus die eine oder andere Anregung zur Verbesserung ihres Angebots im Fernverkehr holen: Die im Fahrpreis inkludierte Platzreservierung ist ebenso erfreulich wie das Bio-Angebot in der Bordverpflegung.

Steiermark: fast perfekter Weg mit der Bahn in den Schnee

p1140451-001

Regionalexpress 3427 Stainach-Irdning – Attnang-Puchheim im Bahnhof Bad Mitterndorf. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Der Schienenradler war kürzlich in seiner alten Heimat Steiermark zum Skifahren. Eines der größten Langlaufgebiete erstreckt sich im steirischen Salzkammergut von Tauplitz über Bad Mitterndorf nach Kainisch. 73 Kilometer gespurte Langlaufloipen warten dort auf die Sportler. Gleich mehrere Einstiege in dieses Langlaufparadies sind sehr gut mit der Bahn zu erreichen. Auf der Salzkammergutbahn fahren alle zwei Stunden durchgehende Regionalexpresszüge von Stainach-Irdning nach Attnang-Puchheim. In den Endbahnhöfen gibt es sehr gute Anschlüsse zum Fernverkehr Richtung Wien, Graz und Salzburg. Am Wochenende gibt es zudem einmal täglich eine umsteigefreie Direktverbindung von und nach Wien mit Intercity-Wagen.

Von Graz aus ist das Salzkammergut mit einem Umstieg im modernen Bahnhof Stainach-Irdning in etwas mehr als zwei Stunden erreichbar. Vom sehr gepflegten Bahnhof Tauplitz sind es nur wenige Schritte zum Loipeneinstieg. Ein beheizter Warteraum und sehr saubere Toiletten empfangen die Fahrgäste am Bahnhof. Direkt an der Langlaufloipe gelegen ist die Haltestelle Bad Mitterndorf-Heilbrunn. Auch dort gibt es einen geheizten Warteraum mit Sitzgelegenheit und gepflegten Toiletten. Auch vom Bahnhof Kainisch ist ein Einstieg ins Loipennetz möglich. Nicht gut auf Skiern erreichbar ist hingegen der Bahnhof Bad Mitterndorf. Dort führt die Loipe zwar direkt neben den Gleisen vorbei, es fehlt aber eine sichere Querungsmöglichkeit. Auf legalem Weg ist der Bahnhof nur mit einem längeren Fußmarsch, der zweimal unter der B145 Salzkammergut Straße und durch den Ort führt, erreichbar.

Bahnhöfe mit Skibus-Anschluss

Neben Langläufern kommen auch Skifahrer im steirischen Salzkammergut auf ihre Kosten: Die Tauplitzalm bietet moderne Lifte und schöne Abfahrten verschiedener Schwierigkeitsgrade. Auf dem ausgedehnten Almplateau laden zahlreiche Hotels, Gaststätten und Skihütten auch zum längeren Verweilen ein. Erreichbar ist das Skigebiet über zwei Bahnhöfe. Vom Bahnhof Tauplitz fährt ein „Skizug“ in den weit entfernt gelegenen Ort und zur Sesselbahn. Es handelt sich dabei um einen Traktor mit geschlossenem Personenanhänger. Vom Bahnhof Bad Mitterndorf fährt ein Linien- und Skibus der Tauplitzalm-Alpenstraßengesellschaft zur Mittersteinseilbahn und weiter auf die Tauplitzalm. Mit dieser Verbindung kommen auch Langläufer, die die schneesicheren Bergloipen auf der Tauplitzalm nutzen wollen, zum Ziel. Leider ist der Fahrplan beider Zubringer nicht ganz optimal auf die Züge abgestimmt: Nach der Ankunft mit der Bahn entstehen jeweils Wartezeiten von gut 20 Minuten. Immerhin kann man diese Wartezeit dank der vorhandenen Warteräume zum Anziehen der Skischuhe nutzen.

Leider keine Gepäckaufbewahrung

Nicht optimal gelöst ist auch die Aufbewahrungsmöglichkeit für die Skifahrer. Obwohl die Bahnhöfe Tauplitz, Bad Mitterndorf und Kainisch noch mit Fahrdienstleitern besetzt sind, gibt es schon seit Jahren keine offizielle Gepäckaufbewahrung mehr. Viele Langläufer behelfen sich damit, dass sie ihre Schuhe und Taschen in der Haltestelle Bad Mitterndorf-Heilbrunn unter die Sitzbank stellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dort etwas wegkommt, ist zwar gering. Dennoch wären hier ein paar abschließbare Gepäckfächer oder Spinde eine große Erleichterung. Platz dafür wäre im geräumigen Warteraum genug.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Völlig unverständlich ist, dass an den genannten Bahnhöfen keine Fahrkarten mehr verkauft werden. Ein Service, den die Fahrdienstleiter dort jahrzehntelang angeboten haben und der nur wenige Kilometer weiter in Oberösterreich nach wie vor besteht. Weil die ÖBB aus Kostengründen auch keine Fahrkartenautomaten aufgestellt haben, muss man den Fahrpreis im Zug beim Schaffner bezahlen. Sofern man einen antrifft. Einige Züge auf der Salzkammergutstrecke werden nämlich mit den modernen Talent- (Reihe 4024) und CityJet-Triebwagen (Reihen 4744/4746) geführt, die in der Regel ohne Zugbegleiter verkehren und im Gegensatz zu den Dieseltriebwagen der Reihen 5022 und 5047 auch über keine Fahrscheinautomaten verfügen. Das ist nicht nur eine Einladung, sondern eigentlich schon eine Aufforderung zum Schwarzfahren. Nicht jeder Fahrgast kauft seine Fahrscheine für die Rückfahrt vorab. Bei Tickets zum Tarif des steirischen Verkehrsverbundes ist das auch nur schwer möglich. Und nicht jeder Fahrgast ist so ehrlich, beim Umsteigen in den Fernverkehr in Stainach-Irdning eine Fahrkarte für die Gesamtstrecke zu kaufen. Bleibt als beste der schlechten Alternativen noch ein Smartphone mit der ÖBB-App, die nach vielen Anlaufschwierigkeiten inzwischen einigermaßen stabil läuft und ein breites Sortiment an Fahrscheinen als Handy-Ticket anbietet.

Viel zu hohe Fahrpreise

Auch die Fahrpreise an sich sind wenig attraktiv. So kostet eine Hin- und Rückfahrt von Graz nach Bad Mitterndorf 34,40 Euro. Dazu braucht man allerdings eine kostenpflichtige Vorteilscard der ÖBB. Hat man diese nicht, werden für diese Destination zum Tarif des Verkehrsverbunds Steiermark 59,80 Euro (24-Stunden-Karte inklusive Stadtverkehr Graz) fällig. Ein stolzer Preis für einen Tagesausflug. Erst recht, wenn man zu zweit oder zu dritt unterwegs ist. Denn Ermäßigungen für Kleingruppen gibt es nicht. Das von den ÖBB speziell für den Freizeitverkehr angebotene Einfach-Raus-Ticket ist keine Alternative: Es gilt nämlich nicht im Fernverkehr, die Anschlüsse in Stainach-Irdning aus und in Richtung Salzkammergut sind aber ausschließlich auf die EC/IC-Züge abgestimmt. Das vom steirischen Verkehrsverbund auch mit Fernverkehrs-Aufpreis angebotene Freizeitticket wiederum gilt nur während der Schulferien im Sommer. Bleibt nur die Hoffnung auf eines der günstigen Sparschiene-Tickets der ÖBB, die auf der Strecke Bad Mitterndorf-Graz schon ab 9 Euro zu haben sind. Allerdings muss man sich da schon bei der Buchung auf einen bestimmten Zug festlegen und auch ein Storno ist nicht möglich. Und gerade am Wochenende sind diese günstigen Fahrkarten – wenn überhaupt – nur sehr weit im Voraus zu bekommen. Zum Vergleich: Eine Verbund-Tageskarte für die Fahrt von Frankfurt zur Wasserkuppe kostet 30,20 Euro, für nur 35 Euro fahren sogar bis zu fünf Personen mit dem Hessenticket, Stadtverkehr jeweils inklusive. Dabei ist die Entfernung Frankfurt – Wasserkuppe sogar um einiges größer als jene von Graz nach Bad Mitterndorf.

Leider nicht mehr erreichbar ist ein weiteres Ski- und Langlaufgebiet im steirischen Salzkammergut: Der einzige Skibus vom Bahnhof Bad Aussee zur Skischaukel Losermaut, wo auch die landschaftlich äußerst reizvolle Loipe zur Blaa-Alm ihren Ausgang nimmt, fährt inzwischen so früh ab, dass man ihn nicht mehr mit dem ersten Zug aus Richtung Graz erreicht. Die weiteren Fahrten am Vormittag wurden im Winter ersatzlos gestrichen. Die Abfahrt gegen Mittag ist für einen Skitag bereits zu spät. Hinzu kommt noch die seit jeher inakzeptabel lange Umsteigezeit vom Bus auf den Zug bei der Rückfahrt: Niemand will 40 Minuten und mehr im weitab vom Stadtzentrum gelegenen Bahnhof Bad Aussee verbringen. Erst recht nicht, seit dort Restauration, Buffet und Tabaktrafik für immer geschlossen haben.

Es ginge noch besser

Fazit: Die Langlaufloipen rund um Bad Mitterndorf sind mit der Bahn sehr gut erreichbar und ersparen die anstrengende und gerade an Feriensamstagen sehr staugefährdete Anreise mit dem Auto. Mit kleinen Abstrichen kommen auch Skifahrer mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut ohne Auto auf die Tauplitzalm. Dringenden Verbesserungsbedarf gibt es allerdings bei den für den Ausflugsverkehr eindeutig zu hohen Fahrpreisen, die die Bahnfahrt vor allem für kleine Gruppen im Vergleich zum Pkw extrem teuer machen. Nett wären außerdem einfache Aufbewahrungsmöglichkeiten für Schuhe und Handgepäck sowie die Möglichkeit, direkt am Bahnhof Fahrkarten und idealer Weise auch Tageskarten für die Loipennutzung kaufen zu können. Bisher muss für die Entrichtung der Loipengebühr extra einen Umweg zu einem der Automaten an den Parkplätzen machen.

Ein besonders toller Service wäre ein eigener Skizug von Graz Richtung Salzkammergut. Bei einer Abfahrt gegen 7.00 Uhr und einer Rückfahrt gegen 17.00 Uhr könnte man den Skitag noch besser als mit den bestehenden Planzügen ausnutzen. Es böte sich an, diesen Skizug mit einer Fahrt von Graz nach Schladming zu verbinden. Das dortige Skigebiet ist zu Fuß oder mit dem Skibus vom Bahnhof aus sehr gut erreichbar, in den Talstationen gibt es zudem geräumige Garderoben mit abschließbaren Aufbewahrungsmöglichkeiten. Geführt werden könnten diese Skizüge mit den neuen, sehr komfortablen Cityjet-Nahverkehrstriebwagen. In Stainach-Irdning könnte ein Zugteil Richtung Salzkammergut und der andere Richtung Schladming weiterfahren. Ein Bordservice mit einem kleinen Snack- und Getränkeangebot für das Frühstück bzw. den kleinen Hunger und Durst nach dem Skilaufen würde das Angebot perfekt machen.

Gute Beispiele im Ausland

Potenzial für so eine Verbindung scheint durchaus vorhanden zu sein: In den Fernzügen zwischen Graz und Schladming sind in der Wintersaison immer zahlreiche Skifahrer zu sehen. Und die Züge im Salzkammergut sind inzwischen auch auf dem noch vor wenigen Jahren akut einstellungsgefährdeten steirischen Streckenabschnitt zumindest am Vormittag und am Nachmittag gut besetzt. Mit einem noch besser auf den Ausflugsverkehr abgestimmten Fahrplan- und Tarifangebot und entsprechender Werbung lässt sich die Auslastung mit Sicherheit noch steigern. Ein Beispiel dafür sind die von Skiläufern mehr als gut angenommenen Züge und Busse rund um Liberec in Tschechien oder die Wintersportzüge der Städtebahn Sachsen von Dresden ins Erzgebirge.