ÖPNV-Baustellen: Prag macht’s besser als Frankfurt

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Deutlicher geht es kaum: Hinweis auf den Busersatzverkehr in der Prager U-Bahn-Station Roztyly. Daneben ein auffälig gekleideter Info-Mitarbeiter mit Flyern in der Hand. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Kürzlich auf der Fahrt in der um fast zehn Minuten verspäteten S-Bahn vom Flughafen Frankfurt Richtung Stadt: „Nächster Halt, Frankfurt(Main)Hauptbahnhof. Diese Fahrt endet dort. Die Deutsche Bahn und der Rhein-Main-Verkehrsverbund würden sich freuen, sie bald wieder begrüßen zu dürfen. – Next stop: Frankfurt main station. Terminus, please unlight.“ Kein Wort über die baubedingte Sperre des S-Bahn-Tunnels, kein Wort über Ausweichmöglichkeiten. Nur ein kleines Plakat im Einstiegsbereich der Bahn, das bereits von einer etwas größeren Tasche verdeckt wird, kaum lesbar und zudem nur auf Deutsch abgefasst ist, informiert über die wochenlange Großbaustelle auf einer der wichtigsten S-Bahn-Strecken Deutschlands. Die Folge: Auf dem Bahnsteig in der oberen Halle des Frankfurter Hauptbahnhofs stehen Dutzende ratlose Touristen, Personal, das ihnen den richtigen Weg in die Stadt weisen könnte, ist an diesem Sonntagabend einmal mehr keines zu sehen. Das gleiche Bild bot sich kurz zuvor im Flughafen-Regionalbahnhof: Keine auffälligen Infoplakate, keine Durchsagen, kein Personal.

Prag macht’s besser

Wie man es besser macht, davon konnte sich der Schienenradler Anfang Juli in Prag überzeugen: Wegen dringender Gleisbauarbeiten war dort für einige Tage die am stärksten belastete U-Bahn-Linie C zwischen der Innenstadt und der über 100 000 Einwohner zählenden Südstadt gesperrt. Durchsagen und große Infoplakate im gesamten ÖPNV-Netz informierten über die Unterbrechung. Obwohl man für die Arbeiten die erste Ferienwoche, in der noch dazu gleich zwei aufeinanderfolgende Feiertage zu liegen kamen, ausgewählt hatte und sich dadurch das Fahrgastaufkommen deutlich reduziert hatte, war der Ersatzverkehr auf dem gesperrten U-Bahn-Abschnitt generalstabsmäßig organisiert: Drei verschiedene Ersatzbuslinien – eine ganz schnelle, eine schnelle und eine, die alle Zwischenhalte bedient – waren im Einsatz.

In der Stoßzeit fuhr jede Minute ein Bus. Insgesamt hatte der städtische Prager Verkehrsbetrieb DPP nicht weniger als 68 Gelenkbusse und 108 Fahrer für den Ersatzverkehr bereitgestellt – und das ganz aus eigenen Ressourcen, ohne Beauftragung von Fremdunternehmen. 

In den U-Bahn-Stationen wiesen große Hinweistafeln den Fahrgästen den Weg zu den Bussen, zusätzlich war reichlich Personal vorhanden, das auf Tschechisch und Englisch Auskunft gab und zweisprachige Infoblätter mit Alternativrouten verteilte. 

Weil die U-Bahnen in manchen Stationen vom falschen Gleis abfuhren, waren Mitarbeiter auch auf dem Bahnsteig präsent, die bei Einfahrt einer U-Bahn einfache Papptafeln mit Pfeilen und dem jeweiligen Fahrtziel hochhielten. Zusätzlich liefen entsprechende Ansagen auf Tschechisch und Englisch, die man extra für den Anlass aufgenommen hatte.

Fazit: Die Sperre war unangenehm, brachte verlängerte Reisezeiten und zusätzliches Umsteigen. Aber dank der perfekten Organisation und der umfassenden Information fühlte man sich als Fahrgast gut betreut. Vielleicht sollten die Verantwortlichen von Deutscher Bahn (DB), Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) und Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) zur nächsten Großbaustelle im U-Bahn-Netz einmal einen Ausflug nach Prag machen. Zu lernen in Sachen ÖPNV gäbe es in der tschechischen Hauptstadt so einiges – nicht nur Baustellenorganisation und Fahrgastinformation betreffend.

Viel Schatten und ein wenig Licht für Radfahrer in Frankfurt

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Eine klare Verbesserung: die neue Radverkehrsführung rund um den Kaiserplatz in Frankfurt. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Sommerzeit ist Baustellenzeit. Das merken ab der kommenden Woche nicht nur die Fahrgäste der S-Bahn Rhein-Main, denen einen weitere wochenlange Sperre des Frankfurter Innenstadttunnels ins Haus steht, sondern auch Autofahrer und Radfahrer.

Besonders unangenehm ist die Situation in der Mainzer Landstraße: Zwischen dem Opernplatz und dem Platz der Republik behindern seit vielen Monaten in beiden Richtungen Baustellen den Verkehr. Bis jetzt konnte man diese Engstellen mit der nötigen Vor- und Umsicht mit dem Fahrrad passieren: In Fahrtrichtung stadtauswärts endete der Mehrzweckstreifen zunächst abrupt an der Baustelle, einige Monate später wurde er schließlich auf Kosten einer der beiden Autofahrstreifen an der Engstelle vorbeigeführt. Bloß, die Autofahrer hielten sich kaum an die gelbe Bodenmarkierung und die Radfahrer mussten sich in den schnellen Fließverkehr einordnen.

In der Gegenrichtung war der Radfahrstreifen zwar durch Leitbaken vom Fahrzeugverkehr getrennt, doch undisziplinierte Fußgänger zwangen die Radfahrer oft zu gefährlichen Ausweichmanövern zwischen der Absperrung hindurch in den Fließverkehr. Dazu beigetragen hatte auch die äußert schlampige und unklare Beschilderung: Ein Teil der – zudem äußerst schmalen – abgesperrten Fahrspur war als reiner Radweg mit zusätzlichem Fußgängerverbot (eigentlich überflüssig), ein anderer Teil als Fußweg mit dem Zusatz „Radfahrer frei“ gekennzeichnet.

Jetzt hat man diese Probleme dadurch gelöst, dass man die Radfahrstreifen an der Mainzer Landstraße überhaupt unterbrochen hat. In Fahrtrichtung stadtauswärts herrscht auf der einzigen verbliebenen Autofahrspur sogar ein offizielles Fahrverbot für Radfahrer, die ausgeschilderte (immerhin!) Umleitung führt eine große Runde um den Häuserblock. In Fahrtrichtung stadteinwärts steht plötzlich ein Absperrgitter auf dem Mehrzweckstreifen, versehen mit dem Schild „Radweg Ende“. Hier dürfte man also auf eigenes Risiko auf der Autofahrspur weiter Richtung Opernplatz radeln, es gibt aber ebenfalls eine umständliche Umleitung um einen Häuserblock – die genau in die zuvor beschriebene Gefahrenstellen am zweiten Teil der Baustelle mündet, wo es laufend zu Konflikten und Beinahe-Kollisionen mit Fußgängern kommt, die oft mehr als selbstbewusst und intensiv mit ihrem Smartphone beschäftigt, den knappen zur Verfügung stehenden Raum für sich beanspruchen. Wie untragbar diese Situation auf dieser sehr stark frequentierten Radroute ist, die eine der wenigen schnellen Verbindungen von der Innenstadt Richtung Westen darstellt, zeigt sich daran, dass 99,9 Prozent aller Radfahrer die Verbote und Umleitungen schlicht ignorieren.

Neue Verkehrsführung rund um den Kaiserplatz

Eine andere notorische Konfliktstelle zwischen Radfahrern und Fußgängern hat die Stadt Frankfurt hingegen kürzlich beseitigt: Der unsägliche, in beiden Richtungen benützungspflichtige Bürgersteig-Radweg im Verlauf der Kaiser- und der Friedensstraße ist Geschichte. Der Radverkehr wurde mit entsprechenden Markierungen in beiden Richtungen auf die Fahrbahn verlegt. Besonders erfreulich: Der gesamte Bereich wurde zur Tempo-30-Zone erklärt. Das hat auch ermöglicht, die Ampelanlage vor dem Hotel Frankfurter Hof stillzulegen – wegen der geringen Fahrzeugfrequenz und des „kreativen“ Schaltzyklus eine der unnötigsten und nervenaufreibendsten in ganz Frankfurt.

Ich persönlich habe sie in besonders schlechter Erinnerung: Eines nachts hat mir dort eine zufällig vorbeikommende Streife des Überfallkommandos der Frankfurter Polizei einen Rotlichtverstoß angedichtet, der mich 125 Euro gekostet und eine höchst unerfreuliche Diskussion mit den pampigen Beamten – schnippische Bemerkungen wegen meiner österreichischen Herkunft inklusive – sowie zahreiche Telefonate mit Ordnungsamt, Polizeipräsidium Frankfurt und Zentraler Bußgeldstelle in Kassel beschert hat.

U5: Neues von der Musterschule

Von Daniel Kortschak

Die Arbeiten zur Errichtung der barrierefreien Bahnsteige für die Stadtbahnlinie U5 in der Eckenheimer Landstraße schreiten weiter voran. Hier ein paar aktuelle Bilder dazu:

Eifrig gearbeitet wird auch an der Glauburgstraße. Hier wird neben dem Bau der Hochbahnsteige aktuell auch die Anbindung der U5-Gleise an die Betriebsstrecke, die durch die Glauburgstraße zur Friedberger Landstraße führt, erneuert. Deshalb ist der Kreuzungsbereich Eckenheimer Landstraße / Glauburgstraße bis 24. Juli auch für den Autoverkehr gesperrt.