U5: neue Bahnsteige an der Musterschule

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Von der früheren Haltestelle Musterschule stadteinwärts ist nicht mehr viel übrig. Nur die Plakate am Anbau der Musterschule, an den die Wartehalle anschloss, zeugen noch von der früheren Nutzung. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

In Riesenschritten gehen die Arbeiten zur Errichtung der barrierefreien Bahnsteige an der Stadtbahnlinie U5 im Frankfurter Nordend voran. Seit Anfang dieser Woche ist die Bahnsteigkante an der neuen Haltestelle Musterschule in Fahrtrichtung stadteinwärts fertig. Nun wird eifrig an der künftigen Station Musterschule stadtauswärts gewerkt.

Die Bahnsteige werden sehr weit in den Straßenraum hineinreichen. Um sie überhaupt neben Bürgersteigen, Radspuren und Gleisen bzw. Autofahrbahnen unterzubringen, werden die neuen Haltestellen versetzt zueinander errichtet. In Fahrtrichtung stadteinwärts rückt die Station weiter Richtung Preungesheim, stadtauswärts wandert die Haltestelle ein Stück weit Richtung Konstablerwache. Die genaue Lage der Bauwerke und die künftige Aufteilung des Straßenraums ist auf den Plänen ersichtlich, die die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) auf ihren Internetseiten veröffentlicht hat:

Die Arbeiten, die im Moment jede Menge Schmutz und Lärm für Anwohner, Schüler und Gewerbetreibende bedeuten, gestalten sich wegen des engen Straßenraums sehr schwierig: Immer wieder muss je nach aktuellem Baufortschritt die provisorische Fahrbahn verschwenkt werden. Schließlich muss jederzeit die Zufahrt für Einsatzfahrzeuge und den Baustellenverkehr möglich sein.

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Die Bahnsteigkante an der künftigen Haltestelle Musterschule stadteinwärts ist fertig. Für die Querung der Eckenheimer Landstraße ist im Moment gutes Schuhwerk zu empfehlen. (Foto: Daniel Kortschak)

Wer derzeit die Eckenheimer Landstraße vor der Musterschule queren will, fühlt sich wie auf einem Abenteuerspielplatz: Die zur Verlegung von Leitungen aufgegrabenen Schächte werden mit schmalen Holzstegen überbrückt, dazwischen liegt eine Berg- und Tallandschaft aus Schotter, Sand und Asphalt. Das ist kein Spaß für ältere Menschen und Eltern mit Kinderwagen. Nur die Radfahrer lässt es kalt: Sie kurven munter und rücksichtlos auch durch die engsten Stellen, nicht selten unter lautem Geklingel. Absteigen und ein paar Meter schieben wäre zu viel verlangt. Die deutlich ausgeschilderten Umleitungsstrecken zu nutzen kommt erst recht nicht in Frage – da müsste man ja 100 Meter weiter radeln. Wo kommen wir da hin?

Stattdessen gefährdet man lieber Fußgänger und Kinder und läuft Gefahr, selbst von einer Baumaschine erfasst zu werden. Vielleicht fühlt sich die Stadtpolizei ja doch einmal dazu berufen, dem Treiben ein Ende zu setzen. Aber wenn man sich anschaut, wie die Behörden bei der Verfolgung von rücksichtslosen Falschparkern versagen, darf man sich nichts erwarten.

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Hier entsteht die neue Haltestelle Musterschule in Fahrtrichtung stadtauswärts. (Foto: Daniel Kortschak)

Schneller mit dem Rad über die Kreuzung

Von Daniel Kortschak

Ein paar Liter weiße Farbe haben ausgereicht, um Radfahrern das Leben an der Kreuzung Siesmayerstraße/Bockenheimer Landstraße im Frankfurter Westend zu erleichtern: Auf dem – ohnehin schon abgeschrägten und sehr breiten – Bürgersteig hat die Stadt Frankfurt eine neue Fahrradspur markiert. Sie erlaubt es, mit dem Fahrrad an den vor der Kreuzung wartenden Autos vorbei entweder direkt rechts auf den Radweg Richtung Bockenheimer Warte abzubiegen, oder sich sicher aufzustellen, um dann bei der nächsten Grünphase die Bockenheimer Landstraße Richtung Mendelssohnstraße zu queren bzw. sich zum Linksabbiegen in die Bockenheimer Landstraße Richtung Innenstadt einzureihen. Damit ist ein Verfahren legalisiert, das die meisten Radfahrer auch schon bisher an dieser Stelle praktiziert haben.

Getrübt wird diese lobenswerte Initiative allerdings dadurch, dass notorische Falschparker den neuen Abschneider für Radfahrer trotz des deutlich ausgeschilderten absoluten Halteverbotes permanent zustellen. Dieses rücksichtslose Verhalten bleibt, wie an so vielen anderen Stellen auch, völlig unsanktioniert. Die Stadt Frankfurt scheint den Kampf gegen Falschparker längst aufgegeben zu haben.

U5: Die barrierefreien Bahnsteige entstehen

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Von Daniel Kortschak

Vorbei ist es seit einiger Zeit mit der Ruhe und dem Fußgängerzonen-Feeling in der unteren Eckenheimer Landstraße. Dort, wo noch bis vor kurzem abends und am Wochenende Menschen Eis essend auf abgelegten Betonröhren und anderen Baumatearialien saßen und Kinder auf der autofreien Fahrbahn herumtollten, klafft jetzt eine Mondlandschaft: Schotter, Erde, frischer Asphalt – und Beton. Seit Mitte dieser Woche laufen nämlich die ersten Arbeiten zur Errichtung des teilweise barrierefreien Hochbahnsteigs an der Haltestelle Musterschule stadteinwärts, die die künftige Lage der Station bereits erkennen lassen – sie wird sehr weit in den Straßenraum der Eckenheimer hineinreichen.

Die Pläne zu allen neuen Stationen in der unteren Eckenheimer Landstraße hat die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) auf ihren Seiten veröffentlicht:

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Unterwegs zwischen Bayern und Böhmen

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Tschechische Schnellzuglok und deutscher Nebenbahntriebwagen: Alltag in Bayerisch Eisenstein. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Es muss Ende der 1980er-Jahre gewesen sein, 1987, vielleicht 1988: Ich bin mit meinen Eltern bei einem Bekannten im Bayerischen Wald zu Besuch. Ein Ausflug führt uns dabei auch nach Bayerisch Eisenstein, in die dortige Bahnhofsgaststätte, die weithin für ihr gutes Essen bekannt ist. Vielmehr als die urige Gaststätte interessiert mich aber der Bahnhof selbst: Das stattliche, 1877 eröffnete Bahnhofsgebäude liegt nämlich genau auf der Staatsgrenze. Trennte sie ursprünglich Bayern von Österreich-Ungarn, so teilte die Grenze von 1945 bis 1989 zwei völlig verschiedene Welten voneinander: Auf der einen Seite die Bundesrepublik Deutschland, auf der anderen Seite der Warschauer-Pakt-Staat Tschechoslowakei.

Kein Wunder, dass der Bahnhof bei meinem ersten Besuch den Eindruck einer Festung macht: Der Vorplatz mit einem massiven Zaun abgesperrt, auf den Gleisen ein Erdwall und ein stabiler Zaun. Selbst die Bahnhofshalle ist zwischen den beiden politischen und ideologischen Welten gespalten: Entlang der schräg durch den Raum verlaufenden roten Grenzlinie ist eine Kette gespannt, große Schilder warnen „ACHTUNG, LANDESGRENZE“ und ordnen an: „Betreten verboten!“. Jenseits der Kette wehrt ein Holzverschlag neugierige Blicke in den tschechoslowakischen Teil des Bahnhofs ab. Nur vom Bahnhofsvorplatz aus kann man durch den Zaun und das dahinter wuchernde Gestrüpp hinüberspähen in die andere, fremde Welt.

Zu sehen gibt es allerdings nicht viel: Der Zugverkehr ist seit 1948 eingestellt, der Grenzbereich Sperrgebiet. Die Bewohner wurden abgesiedelt, für Normalsterbliche ist es verboten und absolut lebensgefährlich, sich an die streng bewachte Westgrenze heranzuwagen. Einzig und allein ein altmodischer Armeelaster, der in einiger Entfernung zum verfallenen Bahnhofsgebäude im Gebüsch steht, zeugt davon, dass es auch jenseits des Zauns noch Leben gibt. Auch im bayerischen Teil des Bahnhofs ist es – abgesehen von der gut besuchten Gaststätte – ruhig: Nur ab und an kommt ein altmodischer Zug aus Richtung Plattling und Deggendorf an, spuckt ein paar Fahrgäste aus und zieht zum Prellbock am Grenzzaun vor. Dahinter wuchert das Grün, es ist kein Mensch zu sehen. So stellt man sich das Ende der Welt vor.

Ein echter Europa-Bahnhof

Mehr als ein Vierteljahrhundert später bin ich wieder in Bayerisch Eisenstein. Nach einer problemlosen Fahrt mit dem ICE von Frankfurt nach Plattling und einem raschen Zugwechsel steige ich an einem regnerisch-trüben Samstag im April aus dem modernen Triebwagen der Waldbahn. Von den massiven Grenzbefestigungen ist nichts mehr übrig, nur die rote Grenzlinie auf dem Bahnsteig und ein dezentes Hinweisschild „Bundesgrenze“ gibt es noch. Der tschechische Bahnhofsteil, jetzt Železná Ruda-Alžbětín genannt, präsentiert sich frisch renoviert und mit neuen Bahnsteigen. Vom gerade angekommenen Schnellzug aus Prag wird eben die Lok abgekuppelt. Um ans andere Ende des Zuges zu gelangen, fährt sie ganz selbstverständlich über die Grenze in den bayerischen Teil des Bahnhofs, setzt dort über eine Weiche auf das andere Gleis um und dieselt nach Tschechien zurück.

Seit 1991 sind die Gleise in Bayerisch Eisenstein wieder durchgehend befahrbar, grenzüberschreitende Züge fahren allerdings schon seit einigen Jahren keine mehr: Die Region Pilsen hat die durchgehende Verbindung Plattling – Markt Eisenstein – Špičák aus Kostengründen abbestellt. Seither heißt es für die Reisenden an der Grenze wieder „bitte umsteigen“. Weiter Richtung Pilsen geht es abwechselnd mit Eil- und Schnellzügen, letztere fahren sogar bis Prag durch. Angst, seinen Anschlusszug zu verpassen, muss man dabei nicht haben: Die Umsteigezeit ist mit mindestens einer halben Stunde mehr als reichlich bemessen. Ich habe sogar eineinhalb Stunden Zeit, bevor mich der soeben angekommene Schnellzug nach Pilsen bringen wird. Ich nutze die Wartezeit, um den Bahnhof zu erkunden: Kette und Holzverschlag in der Kassenhalle sind natürlich längst verschwunden. Dafür gibt es dort jetzt ein gemeinsames deutsch-tschechisches Touristeninformationszentrum, in dem eine Ansichtskarte mit historischen Aufnahmen meine Kindheitserinnerungen an die hermetisch abgeriegelte Grenze weckt. Auch meinen Wunsch nach einer Briefmarke erfüllt man mir gerne, ich kann sogar wählen, ob ich eine deutsche oder eine tschechische haben will und ob ich lieber in Euro oder in Kronen bezahlen will. Willkommen in Europa!

In den oberen Stockwerken des weitläufigen Gebäudes gibt es sehenswerte Ausstellungen zu Flora und Fauna in den Nationalparks dies- und jenseits der Grenze sowie über die bewegte Geschichte der Bahnverbindung Plattling – Deggendorf – Eisenstein – Pilsen, deren Errichtung Ende des 19. Jahrhunderts eine Meisterleistung der Ingenieurskunst darstellte. Den Rest der Wartezeit verbringe ich mit einer Stärkung in der Bahnhofsgaststätte: Hier habe ich keine Wahlmöglichkeit zwischen Bayern und Böhmen, die Wirtschaft im tschechischen Bahnhofsteil ist geschlossen – allem Anschein nach für immer. Aber auch Fleischpflanzl und bayerisches Bier schmecken vorzüglich, erst recht im großartigen Ambiente des früheren, nahezu original erhaltenen Wartesaals erster Klasse.

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Reserviert: Mein Sitzplatz im Schnellzug nach Pilsen. (Foto: Daniel Kortschak)

Danach geht es auch schon weiter mit dem Schnellzug R 777 „Pancíř“ („Panzer“ – damit ist aber nicht der Zug mit seiner massiven Lok, sondern ein Berg im Böhmerwald gemeint) Železná Ruda-Alžbětín – Praha hl.n., der mich bis Pilsen bringen wird. Ich betrete den modernisierten Wagen am Zugschluss und suche nach meinem reservierten Platz. Nicht, dass eine Reservierung nötig wäre, die Auslastung ist mehr als überschaubar. Aber beim Kauf einer Fahrkarte über die App oder den E-Shop der Tschechischen Bahnen (ČD) ist die Platzreservierung automatisch inbegriffen. Und tatsächlich: Neben der Platznummer 101 steckt fein säuberlich ein Zettelchen mit der Aufschrift „REZERVACE: Zelezna Ruda  – Plzen hl.n.“. Es macht sich also auch in einem der entlegensten Winkel der Tschechischen Republik in einem fast leeren Schnellzug jemand die Mühe, die reservierten Sitzplätze ordentlich zu kennzeichnen. Kundenservice wird bei den ČD inzwischen wirklich groß geschrieben.

Am Schaffner, der mit seiner wilden, schwarzen Haarpracht und dem wuchernden Vollbart sofort Assoziationen mit Rübezahl weckt, ist diese Einstellung allerdings spurlos vorübergegangen. Als er mein Handyticket sieht, blafft er mich an: „Tak, kód! – Also, den Code“. Sprich: Ich soll ihm den Buchungscode diktieren, offenbar hat er keine Lust, die elektronische Fahrkarte einzuscannen. Er tippt lieber Buchstaben und Zahlen in seinen Computer – na gut, wie er möchte. Nach eingehender und sehr kritischer Prüfung meines Personalausweises ist alles o.k. und er widmet sich der Dame in der Reihe hinter mir, mit der ich mir den Waggon teile. Alsbald entsteht zwischen „Herrn Rübezahl“ und der älteren Frau ein wüster Streit. Offenbar ist etwas mit der Fahrkarte nicht in Ordnung und die Dame müsste nachzahlen. Dazu hat sie aber nicht genug Geld. Der Schaffner nimmt eine drohende Körperhaltung an und brüllt: „Dann schließe ich Sie in der nächsten Station von der Beförderung aus.“ Die Frau hält dagegen, dass sie sicher nicht an einer einsamen Holzhütte mitten im Wald aussteigen werde. Bevor die Situation weiter eskaliert, biete ich an, den fehlenden Betrag zu bezahlen. Schließlich geht es um gerade einmal 20 Kronen, umgerechnet 80 Cent. Der Schaffner brummt: „Na gut, dann dürfen Sie weiterfahren“ und zieht von dannen. Die Frau umarmt mich fast vor Dankbarkeit und bedenkt den Eisenbahner mit einigen nicht veröffentlichungsfähigen Ausdrücken.

Die weitere Fahrt nach Pilsen durch die schöne Wald- und Wiesenlandschaft Westböhmens verläuft dann ohne Aufregungen. In Klatovy (Klattau) nutze ich den längeren Aufenthalt, den der Zug zum Wechsel der Diesel- auf eine Elektrolok nimmt, um mir an einem der in tschechischen Bahnhöfen allgegenwärtigen Automaten einen Kaffee und eine Schokolade zu ziehen und mir ein wenig die Beine zu vertreten. Am stattlichen Bahnhof von Klatovy sind bisher sämtliche Modernisierungswellen spurlos vorübergegangen, die Kassenhalle atmet mit ihrer Kassettendecke, den Statuen und dem großen Relief, das Arbeiter- und Bauernszenen zeigt, noch den Geist des sozialistischen Realismus der Fünfzigerjahre, die Unterführung und die Bahnsteige sind einfach nur schäbig.

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Prunkvoll: der Hauptbahnhof von Pilsen (Foto: Daniel Kortschak)

Prunk aus einer anderen Epoche hat dann der Pilsner Hauptbahnhof zu bieten, den wir pünktlich erreichen: Das stattliche Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1907 ist ein Meisterwerk des Jugendstils. Eine umfangreiche Renovierung soll dem Bau seinen früheren Glanz zurückgeben, die Arbeiten schreiten allerdings nur sehr langsam voran. Die Bahnsteige und Unterführungen sind ebenfalls in einem halbfertigen Zustand, immerhin sind die Rolltreppen und Aufzüge inzwischen in Betrieb.

In Pilsen lerne ich dann die Vorzüge des dortigen öffentlichen Nahverkehrs kennen: Selbst am Wochenende fahren die Straßenbahnen und Oberleitungsbusse in einem erstaunlich dichten Takt, sogar am Sonntagvormittag rumpelt alle drei bis vier Minuten eine Straßenbahn durch das historische Stadtzentrum. Nur die Dieselbusse, die weniger frequentierte Linien bedienen, lassen mitunter ein wenig auf sich warten. Der Bus, der mich zu meinem Hotel bringen soll, fährt etwa nur zweimal pro Stunde.

Inzwischen sehr einfach ist auch der Fahrkartenkauf geworden: In Pilsen sind alle Busse und Bahnen mit modernen Fahrscheinautomaten ausgestattet, an denen man mit den neuen, berührungslosen Kreditkarten zahlen kann. Die Geräte sind kaum größer als ein Entwerter und spucken, nachdem man auf dem Touchscreen die gewünschte Fahrkarte ausgewählt hat, in Sekundenschnelle ein Ticket aus. Vorbei die Zeiten, an denen man abends verzweifelt ohne passende Münzen am Automaten an der Haltestelle stand. Was für ein Fortschritt – auch im Vergleich zu den wuchtigen Fahrscheinautomaten, die man erst vor wenigen Jahren in Frankfurt an den Straßenbahnhaltestellen neu aufgestellt hat und die selbstverständlich nicht für die berührungslose Bezahlung geeignet sind.

Ebenso modern wie die Automaten präsentieren sich in Pilsen auch die allermeisten Fahrzeuge im öffentlichen Nahverkehr: Oberleitungs- und Dieselbusse wurden in großer Zahl neu angeschafft, ebenso einige Straßenbahnen. Dazu wurden viele ältere Trams aufwändig modernisiert und zum Teil mit Niederflureinstiegen nachgerüstet. Hier sind die Fördermillionen der EU gut eingesetzt, besser, als in den vielen zweifelhaften Straßen- und Bahnbauvorhaben, deren Kosten pro Kilometer in Tschechien weit über dem europäischen Durchschnitt liegen und die kräftig nach Korruption riechen.

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Tags darauf geht es wieder zurück zum Pilsner Hauptbahnhof. Von dort soll mich der Neigezug SC Pendolino, das Flaggschiff der Tschechischen Bahnen, in rund 50 Minuten in den berühmten westböhmischen Kurort Mariánské Lázně (Marienbad) bringen. Auf dem Weg zum Bahnhof warnt mich die App der Tschechischen Bahnen bereits per Push-Nachricht vor einer zu erwartenden Verspätung, Grund ist eine Signalstörung auf der Strecke Prag – Pilsen. Am Bahnhof selbst ist die Information weniger gut, die Verspätung wird von den Anzeigetafeln erst einmal verschwiegen, aber so lange auch kein Bahnsteig angegeben ist, wird der Zug wohl nicht abfahren. Die Wartezeit vertreibe ich mir in Gesellschaft von etwas zweifelhaften Gestalten im schön gestalteten Bahnhofsbuffet.

Etwa 20 Minuten nach der planmäßigen Abfahrtszeit fährt der Zug, der bereits eine mehrere Hundert Kilometer lange Reise aus Bohumín ganz im Nordosten Tschechiens hinter sich hat, schließlich ein. Nach kurzem Stopp und regem Fahrgastwechsel geht es weiter. Noch während ich in dem sehr gut gefüllten Zug nach meinem reservierten Platz suche, drückt mir eine Stewardess schon eine Flasche Wasser in die Hand. Kaum sitze ich, fragt mich die Schaffnerin, welche Zeitung ich lesen möchte. Alles im Fahrpreis inbegriffen. Genauso, wie das über WLAN erreichbare Bordinfo-Portal mit aktuellen Informationen zur Fahrt, kostenlosen Filmen, Spielen und Musik sowie – selbstverständlich – Internetzugang. Was für ein toller Service! Gerne würde ich auch die Möglichkeit ausprobieren, online aus dem Speisewagen etwas zu essen zu bestellen: Man muss nur Wagen- und Platznummer angeben und die Bezahlart wählen und schon wird serviert. Doch leider ist dazu die verbleibende Fahrzeit bis Marienbad zu kurz, bis sich der Kellner mit der Bestellung bis zu mir durch den vollen Zug durchgekämpft hätte, bin ich wohl längst ausgestiegen.

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Oberleitungsbus in prachtvoller Umgebung: Marienbad. (Foro: Daniel Kortschak)

In Marienbad angekommen hoffe ich, dass ich den Oberleitungsbus ins Stadtzentrum trotz der Zugverspätung noch erreiche. Und tatsächlich: Der Bus wartet vor dem Bahnhofsgebäude. Allerdings ist es wegen Straßenbauarbeiten kein Obus, sondern ein ziemlich klappriger Dieselbus, der die Bahnhofslinie bedient. Hier funktioniert die Bezahlung des Fahrpreises noch nach dem alten Schema: Man muss die 12 Kronen in einen abgegriffenen Automaten neben dem Fahrer werfen, der das Prozedere mit Argusaugen überwacht. Restgeld gibt es keines, wer den Betrag nicht passend hat, muss entweder durch Überzahlung eine Spende an die Verkehrsbetriebe leisten oder wieder aussteigen. Inzwischen denkt man aber auch in der westböhmischen Kurstadt über die Anschaffung von Ticketautomaten für die bargeldlose Bezahlung nach. Das ist Teil der vor wenigen Wochen von den Stadtverordneten beschlossenen umfassenden Modernisierung des ÖPNV, die sich auch klar für die Erhaltung und den Ausbau eines der kleinsten Oberleitungsbusnetze der Welt entschieden haben, das lange in seiner Existenz bedroht war. Bei meinem Spaziergang durch das prächtige Stadtzentrum kann ich mich einmal mehr davon überzeugen, wie gut die leisen, abgasfreien Obusse zur noblen Atmosphäre des Kurortes passen.

Nach dem Rundgang durch Marienbad und einem schnellen Mittagessen in einem altmodischen Kurhotel geht es mit dem Bus zurück zum Bahnhof, der kürzlich mit großem Aufwand renoviert wurde. Auch der Vorplatz und die Bushaltestellen erstrahlen in neuem Glanz. Der nahezu voll besetzte Schnellzug aus Prag fährt pünktlich ein und weniger als eine halbe Stunde später bin ich bereits in Cheb (Eger). Die freundliche Frau am Schalter verkauft mir eine Fahrkarte nach Hof – zum Spezialpreis von 3,80 Euro: „Kleiner Grenzverkehr“ heißt das günstige Angebot.

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Deutsche Dieseltriebwagen, tschechischer Bahnhof: Cheb (Eger). (Foto: Daniel Kortschak)

Mit einem aus Marktredwitz kommenden Dieseltriebwagen der deutschen Länderbahn geht es dann über den Kurort Františkovy Lázně (Franzensbad) in die abgelegene Stadt Aš (Asch). Dort steigen die recht zahlreichen Fahrgäste allesamt aus und gehen eiligen Schrittes zum wartenden Anschlusszug nach Aš město (Asch Stadt). Auch die tschechische Schaffnerin, die meine Fahrkarte eine ganze Weile lang interessiert betrachtet und schließlich doch gestempelt hat, verlässt den Zug. Weiter über die Grenze Richtung Bayern gehört der Zug dann ganz alleine mir. Während der Triebwagen über die frisch verlegten Gleise eilt, geht draußen ein kräftiger Schneeschauer nieder, die Hügel des westböhmisch-oberfränkischen Grenzgebietes färben sich langsam weiß.

Ich frage mich derweil, ob die 25 Millionen Euro für die Ende 2015 abgeschlossene Reaktivierung der seit 1945 nicht mehr befahrenen Bahnstrecke gut investiertes Geld sind. Wenn sich die Auslastung der Züge nicht bald deutlich verbessert, wohl kaum. Der deutsche Schaffner, der es sich während der Fahrt durch Tschechien in einer Sitzgruppe gemütlich gemacht hatte, grüßt freundlich auf Tschechisch und Deutsch, wirft einen kurzen Blick auf die bereits gestempelte Fahrkarte und wünscht noch eine gute Reise. In Selb stellt ein Triebwagen der Privatbahn Agilis den Anschluss von und nach Selb Stadt her. Ich bleibe trotzdem alleine im Zug. An den weiteren Zwischenhalten bis Hof steigen dann doch noch einige wenige Fahrgäste zu.

Trostlose Stimmung in Hof

In Hof angekommen sehe ich mich kurz auf dem großen Bahnhof um und bewundere die beiden Dampflokomotiven, die vor ihrer Rückfahrt mit dem Sonderzug Richtung Sachsen gerade im ehemaligen Postgleis frisches Wasser aus einem nahe gelegenen Hydranten bekommen: Die Bahnstrecke Hof – Leipzig feiert ihren 175. Geburtstag. Anschließend mache ich mich auf den langen Fußmarsch ins einigermaßen weit entfernte Stadtzentrum. Ein Weg, den ich mir besser gespart hätte: Hof ist an einem Sonntagabend wie ausgestorben, allerorten leer stehende Geschäfte und geschlossene Kneipen. Der Schneeregen verstärkt den trostlosen Eindruck noch.

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Hat wie die ganze Stadt auch schon bessere Zeiten gesehen: Kaugummiautomat in Hof. (Foto: Daniel Kortschak)

Die restliche Wartezeit auf den Regionalexpress nach Nürnberg verbringe ich dann im prächtigen Wartesaal des Bahnhofs, wo ein Zeitschriftenladen und ein Lebensmittelladen mit angeschlossener Imbisstheke untergebracht sind. Ich bin froh, dass ich schon in Marienbad ausführlich zu Mittag gegessen habe und begnüge mich mit einem Sandwich und einem mäßig schmackhaften Bier aus einer der lokalen Brauereien.

Die Abfahrt nach Nürnberg verzögert sich dann noch um gut zehn Minuten: Wir warten noch auf Anschlussreisende aus Richtung Dresden. Kurz nachdem der kurze Doppelstockzug mit der schon ziemlich ramponierten Lok der Baureihe 143, die ihre Karriere noch bei der DDR-Reichsbahn begonnen hat, am Bahnsteig neben an eingetroffen ist, setzen wir uns in Bewegung. Bis 2013 konnte man von Dresden nach Nürnberg direkt und ohne Umsteigen mit dem Franken-Sachsen-Express fahren. Seit der Elektrifizierung des sächsischen Streckenabschnittes Reichenbach – Hof heißt es in Oberfranken umsteigen. Die Fahrzeit hat sich dadurch um rund eine halbe Stunde verlängert. Noch eine Millioneninvestition von höchst zweifelhaftem Nutzen.

Die Fahrt mit dem Diesel-Neigezug der Baureihe 612 über die fränkische Alb und durch die fränkische Schweiz ist landschaftlich ein besonderes Erlebnis, Nürnberg erreichen wir dank der rasanten Fahrt fast pünktlich, Von dort bringt mich dann der aus München kommende ICE ebenso pünktlich zurück nach Frankfurt.

Neue Schienen für die U5

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Die ersten neuen Schienen für die Linie U5 an der früheren Haltestelle Musterschule. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Hurra, jetzt liegen auch am Beginn der Eckenheimer Landstraße die ersten Meter der neuen Gleise für die Stadtbahnlinie U5. Im Bereich der früheren Haltestelle Musterschule ist auch gut zu erkennen, wie weit die bisher annähernd gerade verlaufenden Gleise verschwenkt werden müssen, um die barrierefreien Hochbahnsteige der neuen Haltestelle Musterschule im engen Straßenraum unterzubringen. Die auf den neuen Schienen derzeit eingesetzten Fahrzeuge sind hoffentlich noch nicht der endgültige Zustand: So ein Zweiwegebagger bietet nämlich eher nicht die nötige Beförderungskapazität im Schüler- und Berufsverkehr.  😉

Das Nordend versandet langsam

Der starke Regen der vergangenen Tage hat einerseits dazu beigetragen, dass die Staubbelastung durch die Baustelle deutlich zurückgegangen ist. Andererseits hat der Starkregen auch den ziemlich lässig auf einem großen Haufen schräg gegenüber der Musterschule abgelagerten Sand auf Fahrbahnen und Bürgersteigen in der weiteren Umgebung verteilt von wo er nun langsam in die Treppenhäuser, Wohnungen und Läden weiterwandert. Kleiner Tipp an die ausführenden Baufirmen: Es sollen schon Mulden, Container und andere Behältnisse erfunden sein, in denen man Baustoffe lagern un bei Bedarf auch regensicher abdecken kann.