Eine S-Bahn-Fahrt ins Blaue

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Fahrt ins Blaue: Das scheint uns der Info-Bildschirm in der S-Bahn Rhein-Main sagen zu wollen. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Das Regenwetter hat mir heute nach langer Zeit wieder einmal eine Fahrt mit dem ÖPNV beschert. Wegen der Großbaustelle auf der U5 führt mich der Weg ins Büro zunächst an die Friedberger Landstraße. Von der Haltestelle Hessendenkmal geht es dann mit Bus oder Straßenbahn bis zu Konstablerwache, von dort mit der S-Bahn zur Galluswarte. Diesmal habe ich Glück: Nach wenigen Minuten kommt eine Straßenbahn, an der Konstablerwache fährt genau in dem Moment die richtige S-Bahn ein, als ich am Bahnsteig ankomme. Zu Fuß übrigens, denn die Rolltreppe von der B-Ebene zum Bahnsteig ist bereits seit Tagen kaputt. Anzeichen, dass sich die dafür zuständige Deutsche Bahn* an die Reparatur machen würde, sind keine zu erkennen. Ein toller Service für die Fahrgäste, erst recht solche, die nicht mehr so gut zu Fuß sind oder Gepäck dabei haben. Man kann nur hoffen, dass die Wiederinbetriebnahme der Rolltreppe nicht ganz so kompliziert wird wie die Sanierung der nahe gelegenen Toilette, an der die Stadt Frankfurt seit Jahren scheitert.

In der Zeitmaschine

In der S-Bahn wundere ich mich einmal mehr über die Anzeige auf dem Fahrgastinformationssystem: Die LED-Displays an den Wagenübergängen sind bei der Uhrzeit 9.09 Uhr eingefroren. Immerhin zeigen sie diesmal das richtige Datum an. Kürzlich hatte ich in einer Frankfurter S-Bahn das Gefühl, in einer Zeitmaschine zu fahren: Die Uhrzeit lag um viele Stunden zurück, das Datum um mehrere Jahre. Auf den Infobildschirmen, die normaler Weise das Fahrtziel und die nächsten Haltestellen sowie etwaige Fahrplanabweichungen und Anschlüsse anzeigen, ist heute wieder einmal nur der blaue Hintergrund und ein grauer Balken zu sehen. Und – immerhin – die aktuelle Uhrzeit. Eine Fahrt ins Blaue also, im wahrsten Sinne des Wortes.

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Falsche Uhrzeit, richtiges Datum: Info-Display in der S-Bahn Rhein-Main. (Foto: Daniel Kortschak)

Eine solche kann man mit vielen Zügen der S-Bahn Rhein-Main unternehmen, einwandfrei funktionierende Fahrgastinformationssysteme sind gefühlt eher die Ausnahme als die Regel. Das ist angesichts der Tatsache, dass die Fahrzeuge entweder so gut wie fabrikneu (Baureihe 430) oder frisch generalüberholt und modernisiert (Baureihe 423) sind, keine tolle Performance. Offenbar hat die Deutsche Bahn wieder einmal nach dem Motto „Hauptsache billig“ eingekauft. Ob es dann auch funktioniert, scheint Nebensache zu sein.

Wenigstens bin ich diesmal auch mit dem ÖPNV pünktlich ins Büro gekommen. Überpünktlich sogar. Von Tür zu Tür in weniger als einer halben Stunde, trotz der Sperre meiner Hauslinie U5 und eines nächtlichen Brandes im S-Bahn-Tunnel, bei dem die Sicherungsanlage beschädigt wurde, ist wohl neuer Rekord. Da verzeiht man dem Frankfurter Nahverkehrssystem sogar dauerkaputte Rolltreppen und gestörte Fahrgastinformationssysteme.

* Ursprünglich hatte ich geschrieben, dass die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) für die kaputte Rolltreppe zuständig sei. Weitere Recherchen haben ergeben, dass die VGF zwar in der Tat für fast alle Rolltreppen in der Gemeinschaftsstation Konstablerwache zuständig ist, die Fahrtreppen, die direkt von der B-Ebene zu den Bahnsteigen führen, aber in den Verantwortungsbereich der Deutschen Bahn fallen. Bitte um Entschuldigung!

3 Gedanken zu “Eine S-Bahn-Fahrt ins Blaue

  1. Die Rolltreppen zur S-Bahn sind meines Wissens nach nicht Sache der VGF, sondern Sache der DB. Vielleicht sollten das die zuständigen Stellen mal dranschreiben. Und ja das ist total ärgerlich, laufe auch schon seit Tagen die stehende Rolltreppe.

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    • An sich ja. S-Bahn = DB. Aber die Station Konstablerwache gehört der VGF. Wie übrigens auch die Hauptwache. Die DB ist dort quasi nur Untermieter. Es gibt da sehr komplexe vertragliche Beziehungen zwischen den beiden Unternehmen, die sich zudem nicht unbedingt wohl gesonnen sind. Deshalb stehen in den beiden Stationen auch keine Fahrkartenautomaten der DB. Sehr ärgerlich, wenn man von dort über das RMV-Gebiet hinausfahren will. An der besagten Rolltreppe, die ja auch zur U-Bahn führt, ist – wenn ich mich richtig erinnere – sogar ein Aufkleber der VGF dran.

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  2. @ O. Grein: Ich habe jetzt noch einmal recherchiert – Sie habenRecht, die besagte Rolltreppe gehört in der Tat der Deutschen Bahn. Ob und wann man sie – und die inzwischen auch kaputte Fahrtreppe am gegenüberliegenden Abgang – zu reparieren gedenkt, konnte ich allerdings nicht herausfinden. Die Deutsche Bahn scheint wichtigere Probleme zu haben als die unmöglichen Zustände in einer der wichtigsten Frankfurter S-Bahn-Stationen.

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