Stillstand auf der Rolltreppe

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Steht seit Wochen still: Die Rolltreppe zu den S-Bahnsteigen an der Station Konstablerwache. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Ein großer Koffer zwang mich heute wieder einmal dazu, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ins Büro zu fahren. Zunächst aber muss ich einen längeren Fußmarsch unternehmen: Wegen der Großbaustelle in der Eckenheimer Landstraße ist die Stadtbahnlinie U5 noch bis Ende August unterbrochen. Am der Haltestelle Friedberger Platz angekommen, lasse ich den U5-Ersatzbus abfahren und warte stattdessen auf die Straßenbahn, die sich in einer Autokolonne langsam an die Station herantastet. Die übrigen Fahrgäste tun es mir gleich: Niemand hat Lust auf die große Schleife um den Häuserblock, die der Bus in Fahrtrichtung Konstablerwache macht. Erst recht nicht im dichten Frühverkehr. Eine Lösung, die vielleicht den Betrieb vereinfacht, für die Fahrgäste aber mehr als unpraktisch ist.

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Ersatzbus für die Stadtbahnlinie U5 in der Friedberger Landstraße. (Foto: Daniel Kortschak)

An der Konstablerwache zwänge ich mich gemeinsam mit meinem Koffer und mehreren Fahrgästen sowie einem Kinderwagen in den Aufzug: Inzwischen stehen beide Rolltreppen vom Zwischengeschoß (B-Ebene) zu den S-Bahnsteigen still. Eine der beiden Fahrtreppen ist wie kürzlich berichtet bereits seit Wochen defekt. Ich habe übrigens der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) Unrecht getan: Zwar fallen die allermeisten Rolltreppen in der Gemeinschaftsstation Konstablerwache in die Zuständigkeit des städtischen Verkehrsbetriebs, jene, die direkt von der B-Ebene zur S-Bahn führen, gehören aber der Deutschen Bahn. Ob und wann der bundeseigene Verkehrskonzern an eine Reparatur der wichtigen Abstiegshilfe denkt, ist nicht herauszufinden.

Wenige Minuten später an der S-Bahn-Station Galluswarte staune ich einmal mehr über die große Menge an Taubenkot, der sich unter der S-Bahn-Brücke ansammelt. Bereits seit Jahren streiten Stadt Frankfurt und Deutsche Bahn darüber, wer für die Abwehr der Tauben und die Entfernung ihrer wenig appetitlichen Ausscheidungen zuständig ist. Bisher offenbar ohne Ergebnis. Eine weiterer von vielen Missständen im Frankfurter Nahverkehr.

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Wenig appetitlich: Taubenkot an der S-Bahn-Haltestelle Galluswarte. (Foto: Daniel Kortschak)

Rheingau in vollen Zügen

Vias

Besser nicht einsteigen: Die Züge der Vias-Rheingaulinie sind an Wochenenden oft heillos überfüllt. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Eine kleine Fahrradtour hat mich am 21. Mai von Frankfurt an den Rhein geführt. Für die Rückfahrt um 17.16 Uhr ab Wiesbaden-Schierstein war die Rheingaulinie das Verkehrsmittel meiner Wahl. Als der Zug des Unternehmens Vias im mäßig charmanten Bahnhof des Wiesbadener Stadtteils einfährt und ich den Türöffnungstaster drücke, fallen mir beinahe zwei Fahrgäste entgegen: Der Zug ist hoffnungslos überfüllt. Ein Zustand, der auf der vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) als Stadtexpress-Linie SE 10 geführten Strecke eher die Regel als die Ausnahme ist.

Weil alle ein wenig zusammenrücken, schaffe ich es trotzdem noch, samt Fahrrad einzusteigen, das Rad ordnungsgemäß an dem dafür vorgesehenen Platz abzustellen gelingt mir aber erstmal nicht. Erst als eine größere Rentnergruppe in Wiesbaden-Biebrich den Zug verlässt, ist wieder ein wenig mehr Platz. Doch schon ab Wiesbaden Hauptbahnhof gibt es erneut nur mehr Stehplätze: Zwar steigen dort viele Ausflügler aus, doch noch mehr Menschen drängen in den Vias-Zug, viele von ihnen mit Koffern und großen Rucksäcken. Wegen der bescheidenen Fernverkehrsanbindung der hessischen Landeshauptstadt nehmen viele Reisenden die schnellen Züge der Rheingau-Linie, um zu ihren ICE- und IC-Anschlüssen in Frankfurt zu gelangen.

Zu kurze Züge im Einsatz

Dieser Umstand ist dem RMV als zuständigem Aufgabenträger und Besteller der Verkehrsleistungen sicher ebenso bekannt wie dem ausführenden Verkehrsunternehmen Vias, einer 50-50-Tochtergesellschaft der Dänischen Staatsbahnen (DSB) und der Rurtalbahn. Auch, dass an einem schönen Frühsommersamstag viele Menschen in eine der schönsten deutschen Flusslandschaften fahren, dürfte weder Besteller noch Betreiber überraschen.

Bleibt die Frage, warum der betreffende Zug trotzdem nur mit einem einzelnen, vierteiligen „Flirt“-Elektrotriebwagen geführt wurde. Entweder hat der RMV eine ungenügende Leistung bestellt, oder das Verkehrsunternehmen verfügt nicht über betriebsbereite Fahrzeuge in ausreichender Zahl. Wer hier am tatsächlichen Bedarf vorbei agiert, ist mir als zahlendem Fahrgast aber eigentlich auch egal: Wenn ich für mein Geld keine entsprechende Leistung bekomme, bin ich verärgert und suche mir bei nächsten Mal wohl ein anderes Ausflugsziel. Oder wähle ein anderes Verkehrsmittel.

Eine S-Bahn-Fahrt ins Blaue

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Fahrt ins Blaue: Das scheint uns der Info-Bildschirm in der S-Bahn Rhein-Main sagen zu wollen. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Das Regenwetter hat mir heute nach langer Zeit wieder einmal eine Fahrt mit dem ÖPNV beschert. Wegen der Großbaustelle auf der U5 führt mich der Weg ins Büro zunächst an die Friedberger Landstraße. Von der Haltestelle Hessendenkmal geht es dann mit Bus oder Straßenbahn bis zu Konstablerwache, von dort mit der S-Bahn zur Galluswarte. Diesmal habe ich Glück: Nach wenigen Minuten kommt eine Straßenbahn, an der Konstablerwache fährt genau in dem Moment die richtige S-Bahn ein, als ich am Bahnsteig ankomme. Zu Fuß übrigens, denn die Rolltreppe von der B-Ebene zum Bahnsteig ist bereits seit Tagen kaputt. Anzeichen, dass sich die dafür zuständige Deutsche Bahn* an die Reparatur machen würde, sind keine zu erkennen. Ein toller Service für die Fahrgäste, erst recht solche, die nicht mehr so gut zu Fuß sind oder Gepäck dabei haben. Man kann nur hoffen, dass die Wiederinbetriebnahme der Rolltreppe nicht ganz so kompliziert wird wie die Sanierung der nahe gelegenen Toilette, an der die Stadt Frankfurt seit Jahren scheitert.

In der Zeitmaschine

In der S-Bahn wundere ich mich einmal mehr über die Anzeige auf dem Fahrgastinformationssystem: Die LED-Displays an den Wagenübergängen sind bei der Uhrzeit 9.09 Uhr eingefroren. Immerhin zeigen sie diesmal das richtige Datum an. Kürzlich hatte ich in einer Frankfurter S-Bahn das Gefühl, in einer Zeitmaschine zu fahren: Die Uhrzeit lag um viele Stunden zurück, das Datum um mehrere Jahre. Auf den Infobildschirmen, die normaler Weise das Fahrtziel und die nächsten Haltestellen sowie etwaige Fahrplanabweichungen und Anschlüsse anzeigen, ist heute wieder einmal nur der blaue Hintergrund und ein grauer Balken zu sehen. Und – immerhin – die aktuelle Uhrzeit. Eine Fahrt ins Blaue also, im wahrsten Sinne des Wortes.

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Falsche Uhrzeit, richtiges Datum: Info-Display in der S-Bahn Rhein-Main. (Foto: Daniel Kortschak)

Eine solche kann man mit vielen Zügen der S-Bahn Rhein-Main unternehmen, einwandfrei funktionierende Fahrgastinformationssysteme sind gefühlt eher die Ausnahme als die Regel. Das ist angesichts der Tatsache, dass die Fahrzeuge entweder so gut wie fabrikneu (Baureihe 430) oder frisch generalüberholt und modernisiert (Baureihe 423) sind, keine tolle Performance. Offenbar hat die Deutsche Bahn wieder einmal nach dem Motto „Hauptsache billig“ eingekauft. Ob es dann auch funktioniert, scheint Nebensache zu sein.

Wenigstens bin ich diesmal auch mit dem ÖPNV pünktlich ins Büro gekommen. Überpünktlich sogar. Von Tür zu Tür in weniger als einer halben Stunde, trotz der Sperre meiner Hauslinie U5 und eines nächtlichen Brandes im S-Bahn-Tunnel, bei dem die Sicherungsanlage beschädigt wurde, ist wohl neuer Rekord. Da verzeiht man dem Frankfurter Nahverkehrssystem sogar dauerkaputte Rolltreppen und gestörte Fahrgastinformationssysteme.

* Ursprünglich hatte ich geschrieben, dass die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) für die kaputte Rolltreppe zuständig sei. Weitere Recherchen haben ergeben, dass die VGF zwar in der Tat für fast alle Rolltreppen in der Gemeinschaftsstation Konstablerwache zuständig ist, die Fahrtreppen, die direkt von der B-Ebene zu den Bahnsteigen führen, aber in den Verantwortungsbereich der Deutschen Bahn fallen. Bitte um Entschuldigung!

U5-Baustelle: Weg mit dem hässlichen Dach

 

Von Daniel Kortschak

Jetzt ist der letzte Überrest der früheren U5-Haltestelle Musterschule Geschichte: Heute Morgen wurde der Fahrgastunterstand in Fahrtrichtung stadteinwärts abgerissen. Das hässliche und seit Jahren undichte Dach, durch das bei Regenwetter schmutziges Wasser auf die Fahrgäste tropfte, wir wohl niemand vermissen.

Die neuen, barrierefreien U5-Haltestellen in der unteren Eckenheimer Landstraße werden in veränderter Lage errichtet. Die Pläne dazu hat die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) auf ihren Seiten veröffentlicht:

Besseren Wetterschutz und bequemeres Einsteigen bieten die neuen Stationen mit Sicherheit. Ob sie auch einen Gewinn für das Stadtbild im Frankfurter Nordend bringen, wird man sehen.

Es geht voran auf der U5-Baustelle

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U5 macht Pause: U-Bahn-Ersatzbus in der Haltestelle Marbachweg. (Foto: Daniel Kortschak)

Von Daniel Kortschak

Noch bis zum 29. August macht die U5 im Frankfurter Nordend Pause. Der oberirdische, im Straßenraum geführte Streckenabschnitt zwischen Eschenheimer Anlage und Deutscher Nationalbibliothek wird grundlegend modernisiert, die Haltestellen Musterschule und Glauburgstraße werden teilweise barrierefrei ausgebaut. Während im Bereich der früheren Haltestelle Musterschule gerade die Schienen entfernt wurden und jetzt die Arbeiten zur Erneuerung des Fahrbahnuntergrunds laufen, liegen im Bereich der Einmündung des Oeder Wegs in die Eckenheimer Landstraße bereits die ersten Meter der neuen Gleise.

Die Bauarbeiten führen zwar zu erhöhter Staub- und Lärmbelastung und Auto fahrende Anwohner wie die Einzelhändler an der Eckenheimer Landstraße haben ihre liebe Not mit den Bauarbeiten. Doch das befürchtete Chaos ist ausgeblieben und abends und am Wochenende ist es immer noch angenehm ruhig in der Eckenheimer. Die abgelegten Schienen, Rohre und sonstiges Baumaterial haben sich unter Anwohnern und Spaziergängern längst als neue Sitzgelegenheiten etabliert. Da wünscht man sich wirklich, die Autos würden auch nach dem Ende der Bauarbeiten nicht wieder zurückkehren.

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Die Ladenbesitzer entlang der Eckenheimer Landstraße haben keine Freude mit den Baumaßnahmen. (Foto: Daniel Kortschak)

Das wird leider ein Wunschtraum bleiben. Sicher nicht wieder auf die U5-Strecke zurückkehren werden hingegen die betagten Straßenbahnwagen vom Typ Ptb. Sie können nach der Teilerhöhung der Bahnsteige nicht mehr eingesetzt werden, weil die Fahrgäste an den nicht auf die vollen 80 cm erhöhten Abschnitten der Haltestellen eine zu hohe Stufe überwinden müssten. Stattdessen sollen auf der U5 in Zukunft moderne Stadtbahnwagen vom Typ U5 fahren, die heute unter anderem bereits auf der Linie U4 eingesetzt werden.

Ausgedinge für die Ptb-Wagen

Noch fahren die Ptb-Veteranen aber, und zwar auf dem nördlichen Abschnitt der U5 zwischen Marbachweg/Sozialzentrum und Preungesheim, der während der Bauarbeiten als Inselbetrieb geführt wird. Zum Wenden fahren die Wagen in die Wagenhalle Eckenheim, wo die Fahrzeuge auch über Nacht abgestellt werden. Sollte eine Überstellung in einen Betriebshof oder die Stadtbahnzentralwerkstatt nötig werden, steht dafür die Betriebsstrecke im Marbachweg (ein Relikt der stillgelegten Straßenbahnlinie 13) zur Verfügung, die die U5 (Ast der B-Strecke) an die sogenannte A-Strecke der Frankfurter U-Bahn in der Eschersheimer Landstraße anbindet.

Sind die Bauarbeiten erst einmal beendet, ist das Schicksal der Ptb-Wagen vorgezeichnet: Sie werden auf dem Stadtbahn-Friedhof landen, wo nicht mehr benötigte Fahrzeuge auf einen Käufer warten – oder den Abtransport zum Schrotthändler. Angesichts des Alters, des Zustandes und der technischen Besonderheiten bleibt für die Ptbs wohl auch nur mehr der Schneidbrenner.

Dennoch bleiben einige der charakteristischen Wagen, die das Frankfurter Straßenbahn- und Stadtbahnnetz mehr als vier Jahrzehnte lang geprägt haben, weiter im Einsatz. Und zwar in stark modernisierter Form in der türkischen Stadt Gaziantep, wohin die VGF zahlreiche Wagen verkauft hat, sowie im ausgedehnten Straßenbahnnetz im oberschlesischen Kohle- und Industrierevier rund um die polnische Stadt Katowice (Kattowitz), wo die früheren Frankfurter Wagen in frischem Rot unterwegs sind. Bis auf die neue Lackierung sowie kleinere Veränderungen wie digitale Zielanzeigen und den Ausbau der in Polen nicht benötigten Klapptrittstufen sind die Ptbs bisher weitgehend im Ursprungszutand geblieben.

Nun haben die Schlesischen Straßenbahnen aber die Modernisierung der Fahrzeuge samt Einbau eines Niederflur-Mittelteils ausgeschrieben. Den früheren Frankfurtern steht in Polen und der Türkei also wohl noch ein langes Straßenbahnleben bevor. In ihrer ehemaligen Heimat am Main erinnert derweil der Museumswagen 748 in seiner urprünglichen beige-organefarbenen Stadtwerke-Lackierung an gar nicht so lange vergangene Zeiten.